Gästeführerinnen stellen große Persönlichkeiten vor

Zeitreise durch Visselhövede

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Hanna Tamke als „Markt Trine“. 

Visselhövede - Von Joris Ujen. Jeder Ort hat seine ganz eigene Historie. Diese nachzuvollziehen, birgt jedoch oft einen hohen Aufwand an Recherchearbeiten. Das gilt auch für Visselhövede. Gut, dass die Stadt Almuth Quehl und Hanna Tamke hat. Die beiden Gästeführerinnen erzählen Interessierten seit Jahren Wissenswertes über die Geschichte und Menschen, die einen großen Teil zu der Entwicklung der Stadt beigetragen haben. Da passt auch das diesjährige Motto des Weltgästeführertags „Menschen, die Geschichte schrieben“ ideal. Sechs große Persönlichkeiten aus Visselhövede stellen die zwei Frauen am Sonnabend, 24. Februar, den Teilnehmern bei einem Spaziergang durch die Stadt vor.

„Wir möchten auf unserer Tour Menschen in Erinnerung rufen, deren Wirken über Visselhövede hinaus Spuren hinterlassen hat“, erklärt Almuth Quehl, die seit zwölf Jahren Gästeführungen in Rotenburg und Visselhövede anbietet, auch auf Englisch. Oft arbeitet sie in beiden Städten mit ihrer Kollegin Hanna Tamke zusammen, die zusätzlich in Bremen, Celle und Lüneburg Führungen macht. 

Beide schlüpfen auch regelmäßig in die Rollen der „Minna Dierks“ (Quehl) und der „Markt Trine“ (Tamke), kleiden sich entsprechend altmodisch und gehen mit den Teilnehmern auf eine Zeitreise durch Visselhövede und Rotenburg. Zudem gehören sie der Arbeitsgemeinschaft Gästeführungen im Landkreis Rotenburg an, die wiederum ein Teil des Bundesverbands der Gästeführer in Deutschland (BVGD) ist.

Jährlich schlägt der BVGD ein Motto für den Weltgästeführertag vor. Das aktuelle Thema habe Quehl und Tamke sofort angesprochen: „Hier in Visselhövede gab es so viele Menschen, die etwas bewegt haben“, sagt Tamke. Einer ist der Geschichtsforscher Anton Christian Wedekind, der von 1763 bis 1845 lebte und in Visselhövede aufwuchs. Dort lebte auch Martin Alexander, der 1872 zum Bürgermeister gewählt wurde. 

Almuth Quehl (l.) und Hanna Tamke geben bei ihren Gästeführungen durch Visselhövede einen persönlichen Einblick in die Geschichte der Stadt. Bürgermeister Ralf Goebel (r.) ist überzeugt, dass das Angebot die Verbundenheit zum Ort stärkt. 

„Der Staat Preußen erlaubte es Juden, ab 1871 öffentliche Ämter zu bekleiden. Damit war er – meinen Recherchen zufolge – der erste jüdische Bürgermeister“, berichtet Quehl. Alexander habe während seiner Amtszeit dazu beigetragen, dass die erste Sparkasse nach Visselhövede kam. „Er ist auch in unserer Ahnengalerie im Rathaus verewigt“, ergänzt der aktuelle Bürgermeister Ralf Goebel, der mit der Stadt die Führungen unterstützt.

„Es ist eine Fortführung der Geschichte und schafft eine Verbundenheit zum Ort. Ein Sprachrohr, das den Teilnehmern mehr bieten kann als ein Museumsbesuch“, beschreibt der Verwaltungschef die Führungen, an denen auch er schon teilnahm.

„Oft denkt man, Geschichte findet woanders statt, aber was vor Ort geschehen ist, kann auch sehr spannend sein“, so Almuth Quehl. Eine weitere Persönlichkeit, die die Stadt geprägt hat, ist Heinrich Porrath, der seiner Zeit als großer Gegner der Nationalsozialisten galt. 1930 organisierte der Sozialdemokrat eine Großdemonstration gegen das spätere NS-Regime mit schätzungsweise 3 000 Teilnehmern in Visselhövede. Nach der Machtergreifung wurde Porrath von Hitlers Sturmabteilung (SA) nach Verden gebracht und gefoltert, geht aus der Recherche von Tamke und Quehl hervor. „Es ist belegt, dass er an den Folgen der Folter gestorben ist“, so Tamke.

Führung am 24. Februar

Die Reise durch die Geschichte von Visselhövede führt die Teilnehmer ebenfalls zu dem Lebenswerk von Schwester Emmy Krüger, nach der auch eine Straße in der Stadt benannt wurde. Sie galt als eine der letzten freiberuflichen Hebammen im Umkreis, die bis zu ihrem 71. Lebensjahr etliche Geburten einleitete, unter anderem auch die von Gästeführerin Hanna Tamke.

„Alle großen Persönlichkeiten aus Visselhövede können wir am Weltgästeführertag nicht abdecken. Das ist auch gut so. Es gibt noch viele weitere Menschen, die hier Geschichte geschrieben haben und die wir gerne an einem anderen Termin präsentieren wollen“, so Hanna Tamke.

Allzu viel möchten sie und Quehl nicht verraten, sodass die Gäste noch viele weitere interessante Geschichten bei der Führung am 24. Februar erleben können. Treffpunkt ist an der St.-Johannis-Kirche in Visselhövede um 15 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos. Über eine Spende für die Erhaltung der Orgel in der St.-Johannis-Kirche und für den ortsansässigen Bürgerbusverein würden sich Almuth Quehl und Hanna Tamke aber freuen.

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