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„Zeit ist reif für neue Initiativen“

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Die Sprecher der Gruppe „Vissel for Future“: Harald Gabriel und Elvira Schneider. Fotos: Wieters
Die Sprecher der Gruppe „Vissel for Future“: Harald Gabriel und Elvira Schneider. Fotos: Wieters © -

Visselhövede – Gut 200 Menschen haben am 20. September vergangenen Jahres auf dem Visselhöveder Marktplatz für mehr Klimaschutz demonstriert und zu bewussterem Umgang mit Lebensmitteln und Energie aufgerufen. Organisiert hatte die Kundgebung, an der Senioren ebenso teilgenommen hatten wie Schulkinder, die Gruppe „Vissel for Future“. Und die will auch weiterhin Aktionen für Klimaschutz vor Ort ins Leben rufen. Was das bedeutet, erläutert Sprecher Harald Gabriel.

Wer und was ist „Vissel for Future“?

„Vissel for Future“ ist eine offene Initiative von Menschen, die sich gemeinsam für ein lebendiges und zukunftsfähiges Visselhövede einsetzen. Im Mittelpunkt stehen für uns aktuelle Umwelt- und Klimafragen, aber auch Fragen von regionaler, gesunder Ernährung. Angeregt wurde unsere Initiative durch die „Fridays for Future“-Bewegung. Die junge, kraftvolle Bewegung führt uns vor Augen, wie dringend notwendig es ist, die Weichen für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen endlich neu zu stellen. Das gilt für die globale Klima- und Umweltpolitik, aber auch für unser alltägliches Handeln vor Ort. In unserem Kreis sprudeln dazu viele Ideen, wie wir uns hier in Visselhövede für mehr Umwelt- und Klimaschutz engagieren können und es macht einfach Spaß, gemeinsam dafür zu handeln.

Wer macht alles mit und wie arbeiten Sie?

Zurzeit besteht unsere Initiative aus mehr als 50 Menschen, die über einen offenen Mail-Verteiler miteinander in Kontakt sind und sich je nach Zeit, Kraft und Interesse einbringen. Treffen für alle ist etwa einmal im Monat – bei gutem Wetter auf dem Markt-platz, sonst im Haus der Bildung oder einem anderen verabredeten Ort. Neben Treffen, die sich an alle richten, gibt es offene Projektgruppen, zu denen sich Interessierte in kleiner Besetzung zu bestimmten Themen zusammenfinden, wie zum Beispiel Fotovoltaik-Kleinanlagen. Unsere Initiative ist aber noch am Wachsen und offen für alle, die einen Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung in Visselhövede leisten möchten. Außerdem ist es uns ein großes Anliegen, uns mit bestehenden Initiativen zu vernetzen.

Werden Sie eher belächelt oder ernst genommen?

Wir stoßen auf eine sehr gute Resonanz. Wir sind selber überrascht von den positiven Reaktionen. Obwohl wir bisher noch nicht offensiv nach außen geworben haben, wächst der Kreis ständig. Die Zeit ist reif für neue Aktionsformen und Initiativen. Es gibt über Partei- und Altersgrenzen hinweg viele Menschen, denen klar ist, dass wir für den Erhalt unseres Planeten dringend konsequent handeln müssen. Hier versuchen wir, mit positiven Projekten Impulse zu geben und auch so etwas wie eine Umweltplattform für Visselhövede zu werden.

In welcher Altersgruppe stoßen Sie eher auf Zustimmung?

Im Verteiler von „Vissel for Future“ sind Menschen von 20 bis gut 75 Jahren. Der harte Kern der Aktiven bei uns ist über fünfzig. Aber es sind auch viele jüngere Menschen interessiert.

Wie kann man die andere Gruppe für die Ziele von „Vissel for Future“ begeistern?

Wir waren sehr erfreut, wie viele Menschen und engagierte Schüler dem Aufruf zum Klimastreik im September gefolgt sind und zu unserer ersten Demonstration auf den Marktplatz gekommen sind. Dort waren alle Altersgruppen vertreten. Da würden wir gerne anknüpfen und es wäre toll, wenn hier auch vonseiten der Schüler Impulse kommen. Wir sind mit der Oberschule hier in Visselhövede im Gespräch, gemeinsam Projekte für Klima- und Umweltschutz anzuschieben. Zum Beispiel für weniger Plastik in Vissel.

Was hat die Bewegung in diesem Jahr vor?

Wir haben ein breites Themenspektrum auf dem Zettel. So die Vermeidung von Kunststoff in Haushalt, Schule, Büro und Ernährung. Das aktuelle Schlagwort dazu ist Zero Waste, das heißt null Abfall. Für den 17. Februar haben wir dazu die Erfolgsautorin Olga Witt zu einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung gewinnen können. Sie stellt dar, was sie seit Jahren auf ihrem Weg zu einem Leben ohne Müll Schritt für Schritt in die Praxis umgesetzt und immer weiter perfektioniert hat, auch mit Baby in der Familie – und mit Erfolg. Sie wird praktische Tipps für den Alltag geben.

Gibt es weitere Beispiele?

Ja, die blühende Stadt: Eine unserer ersten Projektideen war die einer Palettenlandschaft mit Bänken und Garten auf dem Marktplatz, um den Platz zu beleben und dort einen attraktiven Treffpunkt zu schaffen. Dazu kooperieren wir mit Präventionsrat und den Rotenburger Werken. Gemeinsam konnten wir bereits die Vertreter der Stadt bei einem Ortstermin davon überzeugen. Die ersten Palettenbänke sind erstellt und werden im Frühjahr aufgebaut. Für Mai ist dort dann gemeinsam mit Präventionsrat und Kneipp-Verein ein großer Gesundheitstag in Planung.

Sie sprachen auch die gesunde Ernährung an.

Genau, und zwar aus regionalen Quellen und ohne lange Transportwege. Hier geht es einerseits darum, was Körper und Seele guttut, andererseits um den Klimaschutz durch mehr regionale Bioprodukte für Visselhövede. Eine Idee hierfür ist die Einrichtung eines Multi-Funktions-Ladens als Vertriebsstelle für regionale und möglichst unverpackte Produkte sowie Spezialitäten, aber auch als Umweltbibliothek oder als Reparaturcafé. Im Herbst werden wir uns an einer Aktionswoche für regionale Produkte, der Regio-Challenge, beteiligen. Daneben gibt es viele weitere Projektideen und natürlich werden wir nach Möglichkeit auch wieder Aktionen von „Fridays for Future“ unterstützen.

Was können die Visselhöveder und überhaupt die Menschen der Region vor Ort tun?

Zur Bewältigung der Klimakrise kann neben überfälligen Regelungen in der Politik auch sehr viel durch Alltagspolitik von unten bewegt werden. Zum Beispiel durch ökologischen Einkauf, anderes Verkehrs- und Konsumverhalten oder bewussteren Energieeinsatz. Unsere Verantwortung für die Zukunft beginnt hier und jetzt. Um unsere Lebensgrundlagen zu erhalten, gilt es, gemeinsam eine neue Kultur der Verantwortlichkeit gegenüber unserer Umwelt zu entwickeln und praktisch zu lernen, wie wir ressourcenschonender leben können. Hier kann jede und jeder täglich einen Beitrag leisten. Es tut aber auch gut, an diesen Aufgaben gemeinsam zu arbeiten und neue Erfahrungen zu machen. Dafür möchten wir ein Forum bieten.

Ist es für unsere Welt wirklich schon fünf vor zwölf?

Ob es fünf oder zehn vor zwölf oder bereits fünf nach zwölf ist – die Dramatik des Klimawandels wird global immer deutlicher und von zahlreichen Wissenschaftlern bestätigt. Inzwischen unterstützen mehr als 16  000 Wissenschaftler die Forderungen von „Fridays for Future“ und rufen zu einem konsequenten Umsteuern auf. Wir brauchen eine Verkehrs- und Konsumwende ebenso wie eine Energie- und Agrarwende. Doch während die parlamentarische Politik dabei bisher nur mühsam vorankommt, zeigt das Engagement vieler Menschen, wie etwas in Bewegung kommen kann, wenn wir gemeinsam für die Zukunft aktiv werden und offensiv Stellung beziehen. In diesem Sinne möchten wir hier von „Vissel for Future“ auf lokaler Ebene durch kleine praktische Schritte einen Beitrag zur Bewältigung der großen Zukunftsaufgaben leisten. Alle Interessierten sind natürlich willkommen, daran mitzuwirken. Wir sind offen für Jung und Alt, Altbewährtes und auch kreativ Neues.

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