Ausbilderin Nicole Raddatz im Interview

Turnierhunde-Trainerin: „Es zählt immer das ganze Team“

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Der eineinhalb Jahre alte Deutsche Pinscher Bubi von Hennes Bergmann hat die ersten Gehorsamsübungen bereits drauf.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Auf spannenden Turnierhundesport dürfen sich die Fans gelehriger Vierbeiner am 23. und 24. Juli freuen. Denn dann veranstaltet der Breitensportclub für Turnierhunde Visselhövede-Hiddingen (BSC) die Bundessiegerprüfung auf dem Vereinsgelände am Soltauer Weg (Verlängerung der Mühlenstraße). Wenn dann die Hunde im Vollsprint Slalom laufen, spielerisch Hindernisse überwinden und lange Strecken mit Herrchen im Gelände absolvieren, sieht das ganz einfach aus. Aber kaum jemand weiß, wie viel Arbeit und Erziehung dahintersteckt. BSC-Ausbilderin Nicole Raddatz gibt im Interview ein paar Einblicke.

Welche Rasse eignet sich für den Turnierhundesport besonders gut?

Nicole Raddatz: Es gibt keine besondere Hunderasse für unseren Sport, im Prinzip ist jeder Hund geeignet. Wichtig ist, dass der Hundeführer bereit ist, viel Arbeit zu investieren.

Stimmt es, dass die Australian Shepherds besonders klug sind und auch neue Dinge rasend schnell lernen?

Raddatz: Australian Shepherds sind nicht außergewöhnlich klug, sondern sehr arbeitswillig und deshalb eignen sie sich besonders gut, um alle mögliche Arbeiten und Beschäftigungen durchzuführen. Das machen sie einfach von Natur aus richtig gerne.

In welchem Alter des Hundes beginnt die Ausbildung?

Raddatz: In unserem Verein heißt das nicht Ausbildung, sondern Erziehung. Die beginnt man am besten nach der achten Woche. Je eher, desto besser. Im ersten Lebensjahr kann man noch viel korrigieren.

Wie lange dauert das Training, bis man einen konkurrenzfähigen Turnierhund hat?

Raddatz: Das Training dauert individuell unterschiedlich lange. Von daher kann man das nicht so einfach sagen, weil immer das komplette Team, also Hund und Hundeführer, zählt. Wir hatten bisher einen Hund, der es mit einem wöchentlichen Training in eineinhalb Jahren geschafft hat, die schwere Begleithundeprüfung erfolgreich zu absolvieren.

Was müssen Herrchen und Frauchen für diesen Sport mitbringen?

Raddatz: Natürlich den Hund, gute Laune und sie müssen willig sein, viel dafür zu investieren und selbst hinter dem Sport stehen. Ideal ist es natürlich, wenn man einen arbeitsfähigen Hund besitzt, denn der eignet sich besser als ein eher gemächlicher Typ.

Was halten Sie vom Hundeführerschein?

Raddatz: Gute Idee, weil sich die Leute mit dem Thema beschäftigen müssen. Hundeführerschein ist allerdings nicht ganz korrekt, denn bei uns in Niedersachsen gibt es das Hundegesetz, das vieles regelt und sehr wichtig ist.

Gibt es eigentlich von Natur aus eine aggressive Rasse oder liegt das Problem eher am anderen Ende der Leine?

Raddatz: Eine besonders aggressive Art gibt es zunächst nicht. Jeder Hund, der auf die Welt kommt, ist nicht aggressiv, sondern das Problem sind eher die Hundehalter. Dann stellen wir uns häufiger die Frage, was einige Leute mit ihren Hunden machen und wie sie auf die Tiere eingehen.

Was dürfen die Zuschauer bei der Bundessiegerprüfung erwarten?

Nicole Raddatz bildet Turnierhunde aus.

Raddatz: Sehr interessante Wettkämpfe, denn es sind die besten Turnierhunde aus ganz Deutschland am Start. Es sind Teams vom Saarland bis nach Schleswig-Holstein dabei. Am Samstag stehen die Geländeläufe an und am Sonntag wird es vor allem bei den Gehorsamsübungen im Combination Speed Cup sehr spannend.

Haben Sie einen Tipp parat für Menschen, die mit dem Gedanken spielen, sich einen Hund anzuschaffen?

Raddatz: Möglichst nicht nur nach dem Aussehen gehen, sondern sich vorher mit der Rasse beschäftigen, damit man sich nicht den falschen Hund holt. Und wichtig ist auch, im Vorfeld zu klären, wie der Vierbeiner ausgelastet werden kann. Damit das Tier auch eine gute Lebensqualität hat.

Können stolze Neu-Hundebesitzer mit ihren Welpen mal spontan bei Ihrem Verein reinschnuppern?

Raddatz: Bei uns kann man mit einem Welpen jederzeit vorbeikommen. Eine Prüfung wird während und nach der Erziehungsphase nicht unbedingt verlangt. Und man muss auch nicht in die Rettungshundestaffel eintreten, die bei uns trainiert, sondern man kann seinen Hund ganz individuell für den alltäglichen Gebrauch ausbilden lassen. Je nachdem, was der Hundehalter später mal mit ihm machen möchte.

Was haben Sie eigentlich für einen Hund?

Raddatz: Im Augenblick gar keinen, aber Ende des Monats bekommen wir einen holländischen Schäferhund, einen Herder. Dann gucken wir, wie es bei uns weitergeht.

Wie oft sind sie schon gebissen worden?

Raddatz: Bisher noch nie. Vielleicht weil ich immer genau gucke, was es für ein Hund ist, den ich vor mir habe. Kann ich mit dem arbeiten oder nicht? Wenn nicht, gebe ich ihn auch gerne weiter.

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