Badeverbot wird aufgehoben

Wunderwaffe Eisenchlorid: Blaualgen sollen verhungern

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Hunde wie „Balu“ können aktuell wieder problemlos in den Visselseen baden, aber im Sommer ist Vorsicht geboten.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Nach knapp zwei Jahren Pause soll die natürliche Badestelle am Visselsee 3 in diesem Sommer wieder für den Badebetrieb freigegeben werden. „Allerdings auf eigene Gefahr“, wie Visselhövedes Bauamtsleiter Gerd Köhnken berichtet.

Das war zwar schon immer so, aber bisher hatte sich die Verwaltung mit diesem Zusatz eher juristisch gegen Ansprüche nach Badeunfällen schützen wollen – jetzt soll dieser Satz auf die Möglichkeit von allergischen Reaktionen bei Kontakt mit Blaualgen hinweisen. Aber denen geht es jetzt mit einem Wundermittel obendrein an den Kragen. Im März waren die Fachleute der Firma Polyplan aus Bremen mit einem Boot auf dem Visselsee 3 unterwegs und kippten Chemie mit dem sperrigen Namen „Eisen(III)-chlorid“ während einer sogenannten Fällung ins Wasser. „Damit versuchen wir, den hohen Phosphatanteil im See zu reduzieren“, berichtet Biologe Hannes Kurzreuther. Denn das Eisenchlorid binde das Phosphat und entziehe den Cyanobakterien, im Volksmund Blaualgen genannt, die Nahrung. „So können sie sich nicht mehr so rasch vermehren. Wir müssen allerdings abwarten, ob diese eine Fällung bereits ausreicht“, hofft Kurzreuther zwar auf den Erfolg dieser relativ einfachen Methode, ist sich allerdings noch nicht so ganz sicher. „Eine Garantie gibt es nicht, dass es nicht wieder zu so einer großen Algenplage wie im Hochsommer 2014 kommt.“

Größere Aussichten auf eine algenfreie Badesaison hätte sicher ein Bauwerk mit Filteranlagen und Pumpen garantiert. Kurzreuther: „Aber das ist natürlich auch eine Kostenfrage.“ Geld im sechsstelligen Bereich wollten die Visselhöveder Politiker aber nicht ausgeben. Hintergrund ist unter anderem der Schuldenabbau.

„Darum versuchen wir es zunächst mit einer Fällung“, sagt Kurzreuther, der aber auch hervorhebt, dass ein Algenwachstum von mehreren Faktoren abhänge. „Ist es im Frühjahr schon relativ warm, ist die Gefahr größer, dass es dann im Sommer zu einer echten Plage kommen könnte. Aber das wichtigste Kriterium für ungehemmtes Wachstum ist ein zu hoher Nährstoffgehalt.“

In den kommenden Wochen und Monaten werde die Wasserqualität regelmäßig untersucht. „Das machen wir in enger Absprache mit dem Landkreis“, informiert Bauamtsleiter Gerd Köhnken. Am Jahresende werde sich die Verwaltung mit der Behörde und der Firma Polyplan zusammensetzen und die Ergebnisse analysieren. Köhnken: „Dann wird entschieden, ob wir so eine zweite Fällung vornehmen müssen“. Zunächst habe man sich auf den großen Visselsee konzentriert, „ob wir das bei den beiden anderen Seen auch machen, ist aber noch nicht raus.“

Da die aktuellen Temperaturen bei den meisten Menschen sicher noch keine Badegelüste aufkommen lassen, bleibt es den Hunden, die mit Herrchen oder Frauchen im Bürgerpark unterwegs sind, vorbehalten, eine Erfrischung zu nehmen. Auch davor wurde bisher noch gewarnt. „Aber zurzeit haben wir kein Algenproblem“, beruhigt Kurzreuther die Visselhöveder Hundehalter. Schwimmen die blaugrünen Teppiche allerdings an der Oberfläche, könnte es für manche Vierbeiner aber lebensgefährlich werden: „Die Hunde trinken zu viel belastetes Wasser und die Bakterien können Organe zersetzen“, erklärt der Biologe.

Während Rex und Co. zurzeit also unbeschwert direkt von ihrem umzäunten Hundespielplatz ins Wasser springen können, sind die Männer des Visselhöveder Bauhofs damit beschäftigt, große Schilder zu bauen. „Darauf wird im Detail erklärt, wie es sich mit den Blaualgen verhält und welche möglichen Gefahren es für Badende gibt“, erläutert Gerd Köhnken. Auch das geschehe in Absprache mit dem Landkreis. „Denn es ist ja nicht so, dass jeder Mensch allergisch auf die Blaualgen reagiert. Manche sind empfindlicher, andere nicht.“

Im Grunde wolle die Stadt von einem generellen Badeverbot absehen und auf die Eigenverantwortlichkeit der Nutzer des Bürgerparks setzen. „2014 wussten wir uns auch aus mangelnder Erfahrung nicht anders zu helfen, als mit einem Verbot zu reagieren“, begründet der Bauamtsleiter die drastische Maßnahme, die fast zwei Jahre andauerte.

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