Wittorfer Initiative will mehr Einblick in das Grundwassermonitoring

WUG nimmt Gas-Multi in die Pflicht

Der Rückbau der Versenkbohrstelle „Wittorf Z1“ läuft auf vollen Touren.
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Der Rückbau der Versenkbohrstelle „Wittorf Z1“ läuft auf vollen Touren.

Grapenmühlen – Während im Hintergrund die Rückbau-Arbeiten der Versenkbohrung „Wittorf Z1“ des Konzerns Wintershall Dea für das bei der Erdgasproduktion anfallende Lagerstättenwasser auf Hochtouren laufen, legen ein paar Meter weiter Mitglieder der Initiative „Wittorfer für Umwelt und Gesundheit“ (WUG) einen neuen Forderungskatalog auf den Tisch.

„Es ist ja schön und gut, dass die Anlage nach 26 Jahren und 850 000 Kubikmeter verpressten Lagerstättenwasser jetzt endlich zurückgebaut wird, aber wir wollen sicherstellen, dass in den kommenden Jahren sich nicht doch Teile des giftigen Cocktails in den Bereichen wiederfinden, aus denen unser Trinkwasser gefördert wird“, sagt WUG-Vorsitzender Heinz-Hermann Gerke und erneuert noch einmal die Forderung nach einem Grundwassermonitoring.

Das hatte Wintershall Dea bereits im vergangenen Jahr zugesagt, nachdem die WUG, die Visselhöveder Stadtratsfraktion der WiV und anschließend auch der Bürgermeister Ralf Goebel sowie der gesamte Stadtrat diese Forderung unterstützt hatten. „Allerdings verlangt der Gesetzgeber keine langfristige Kontrolle des Grundwassers auf den stillgelegten Anlagen. Das machen wir komplett freiwillig“, stellt Wintershall Dea-Sprecher Heinz Oberlach klar. „Um sicher zu sein, dass auch nach dem Rückbau aller Anlagen, der Verfüllung der ehemaligen Wasserversenkbohrung und der Rekultivierung des gesamten Areals keine Schadstoffe in das oberflächennahe Grundwasser gelangen, die aus der Tätigkeit resultieren könnten, wird Wintershall Dea vor Ort freiwillig ein Grundwasser-Monitoring durchführen.“

Die WUG möchte aber dennoch, dass sich das Unternehmen „schriftlich verpflichtet, über Art und Umfang, Dauer und Kostenübernahme des Monitorings“ transparent zu informieren. „Immerhin hat die Dea über Jahrzehnte hinweg von der Ausbeutung und Nutzung der Bohrstelle Z1 profitiert. Darum muss der Konzern auch alle Kosten für eine künftige Sanierung und Kontrolle der Trinkwasserqualität zahlen und nicht auf die Öffentlichkeit abwälzen!“, heißt es in dem neuerlichen Forderungskatalog.

Zusammengefasst soll demnach die Wasserqualität analysiert werden, um einen Status quo und damit dann einen Vergleichswert zu künftigen Messungen zu haben. Das Monitoring soll außerdem nach klar definierten Kriterien und Verfahren erfolgen.

Heinz Oberlach weist hingegen auf eine Veranstaltung hin, die bereits im vergangenen Februar im Visselhöveder Rathaus stattgefunden habe, und an der „auch Vertreter der WUG, vom Wasserversorgungsverband und von politischen Parteien teilgenommen haben“. Damals habe Wintershall Dea im Detail das Monitoring erläutert. Demnach seien insgesamt fünf Grundwassermessstellen geplant, die in einer Tiefe von bis zu 60 Metern zunächst die Fließrichtung des Grundwassers ermitteln, damit quasi vor dem dann ehemaligen Areal Daten erfasst werden, die mit dem „Nachher“ verglichen werden können.

Über vorerst drei Jahre soll das Wasser auf Kohlenwasserstoffe, Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylole sowie Quecksilber untersucht werden. Die Parameter Leitfähigkeit, Temperatur, Sauerstoffgehalt und pH-Wert werden ebenfalls genauestens dokumentiert. „Bei auffälligen Ergebnissen müssen diese unverzüglich überprüft und bei Bestätigung deren Ursache ermittelt werden“, hatte Wintershall Dea der Interessengruppe damals vorgestellt. „Darum bin ich der Meinung, dass wir weit mehr tun, als es der Gesetzgeber fordert.“ So bleibt die neuerliche WUG-Forderung für Oberlach „ein Rätsel“.

Die WUG kontert und beruft sich auf das Umweltinformationsgesetz, nachdem Genehmigungsbehörden, wie in diesem Fall das Landesbergamt, Auskunft über derartige Aktivitäten geben müssen. „Wir haben dort über Monate hinweg eine Einsicht in die Betriebspläne des Rückbaus beantragt – bis heute dazu aber keine Unterlagen erhalten. Es wird in aller Regel darauf verwiesen, diese seien bei Wintershall Dea. Das Unternehmen verweist wiederum ans Bergamt“, beschreibt Heinz-Hermann Gerke die Krux. Da der Rückbau in fünf verschiedenen Teilbereichen erfolge, habe die WUG auch nach den bisher erfolgten Genehmigungen gefragt. „Bis auf eine Eingangsbestätigung haben wir vom Bergamt aber nichts mehr gehört“, so Gerke. „Was also genau beantragt und vom Bergamt bewilligt wurde, ist bis heute unbekannt.“

Das Landesbergamt betont auf Nachfrage unserer Zeitung, dass es „in diesem Fall tatsächlich etwas sehr lange dauert, um der WUG die entsprechenden Unterlagen zur Verfügung zu stellen“, wie LBEG-Sprecher Eike Bruns betont. Dafür seien verschiedene, auch personelle Gründe ebenso verantwortlich wie die Corona-Pandemie, die zur Folge habe, dass auch beim Landesbergamt personell und räumlich anders gearbeitet werde als gewohnt.

„So müssen die angeforderten Unterlagen aus Datenschutzgründen noch an einigen Stellen geschwärzt werden. Aber wir sind jetzt in der finalen Bearbeitung und die WUG bekommt recht zeitnah Post von uns“, verspricht Bruns.  jw

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