Veranstaltung der Grünen mit Politikern und Fachleuten 

„Die Wölfe sind nun mal da“

Hans-Joachim Janßen (Grüne, r.) erläuterte die Entschädigungspraxis. - Foto: Leeske

Visselhövede - Von Henning Leeske. In den Riepholmer Wäldern sind seit einiger Zeit fünf Wölfe zu Hause. Daher hatten die Visselhöveder Grünen zu einer Informationsveranstaltung mit anschließender Diskussion mit dem Titel „Der Wolf in der Region Visselhövede – Wie gehen wir damit um?“ ins Heimathaus eingeladen.

Nach einem umfangreichen und versierten Vortrag des Fachmanns Frank Faß aus dem Wolfcenter in Dörverden (wir berichten noch) gab es eine sachliche Diskussion zwischen den interessierten Besuchern und dem fachkundigen Plenum. Die Jägerschaft berichtete über das Wolfmonitoring und den damit verbundenen Aufgaben der Jäger. Weiter sei in anderen Gebieten mit Wolfspopulation beobachtet worden, dass sich zum Beispiel Schwarzwild zu großen Rotten zum Schutz der Frischlinge zusammenfüge und dadurch noch mehr Folgeschäden anrichte.

Carsten Hipp vom Landvolk forderte die konsequente Entnahme auffälliger Wölfe und die Überlegung wolfsfreier Gebiete zu etablieren, um beispielsweise den Deichschutz durch Schafe sicherzustellen. Vollerwerbsschäfer und Grüne-Stadtratsmitglied Heiner Gerken berichtete von seiner Schafherde, die zurzeit in der Nähe von Riepholm weidet. „Ein Jäger hat die Wölfe mit einer Kamerafalle nur 300 Meter von meiner Herde erwischt. Deswegen mache ich jetzt sozusagen den Freiversuch mit meinen Weidetieren in Nachbarschaft zum Wolf“, schildert Gerken seine Beobachtungen. „Ich habe nicht auf ihn gewartet, aber der Wolf ist nun mal da“, sagte Gerken und forderte die unkomplizierte Entschädigung bei Wolfrissen, weil „die Kosten für die nötigen Wolfschutzzäune viel höher“ wären.

Der Landtagsabgeordnete Hans-Joachim Janßen (Grüne) wies auf die eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten des Landes bei der Entschädigung hin. „Der Landesrechnungshof wird sofort eine unzulässige Zahlung anmerken, wenn der Riss eines Nutztieres pauschal entschädigt würde, ohne dass der Wolfnachweis erbracht wird. Eine Auszahlung mit der Bedingung des späteren Nachweises wäre zulässig“, erklärte Janßen. „Den Wolf wieder auszurotten, wird es als Ziel mit uns als Grüne nicht geben.“ Janßen wies auch auf das positive Beispiel des Wolfsmanagements im CDU-geführten Bundesland Sachsen hin und versuchte, die parteipolitische Einfärbung beim Thema Wolf zu relativieren. Weiter berichtete er über das Vorhaben der Landesregierung, in Brüssel eine Änderung der sogenannten Minimissregelung zu erwirken. Bisher konnte Schäfer Gerken durch diese Regel für die nächsten drei Jahre nur eine Förderung in der Höhe von 15 000 Euro für den Wolfsschutzzaun bekommen, aber keine Entschädigung für den Fall eines Wolfrisses. Nun soll dieser Fall nicht mehr als Doppelförderung von der EU angesehen werden. „Wie lange das Verfahren in der EU-Kommission dauert, können wir leider nicht abschätzen“, so Janßen.

Weiter bezifferte er die bisherigen Kosten für die Wolfsrisse mit 30 000 Euro und für die Prävention durch Wolfsschutz mit 250 000 Euro. Auf die Ausgaben für das Wolfsbüro mit zwei vollzeitbeschäftigten Veterinären ging er allerdings nicht ein. Janßen hält die Wolfszäune für die sinnvollste Vergrämungsmaßnahme.

Heinz Lackmann aus Königshof berichtete vom Ausbruch seiner Rinderherde mit 50 Tieren aus einer stark gesicherten Weide, weil sie in Panik geraten sei. Ob der Wolf diese Panik ausgelöst hat, soll nun geklärt werden. In Odeweg soll ein Wolf für Aufruhr im offenen Kuhstall gesorgt haben, weil er durch diesen spaziert sein soll. Daraufhin wurden auch Haftungsfragen bei panischen Herden diskutiert. „Auf jeden Fall müssen sie diese Vorfälle sofort dem Wolfsberater melden“, bat Janßen die betroffenen Landwirte, weil nur so eine objektive Untersuchung möglich sei. Lackmann erwiderte: „Dafür haben wir jetzt sehr wenig Pilzsammler im Wald.“

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