Wintershall Dea-Sprecher Heinz Oberlach zur Bohrstelle Wittorf Z 1

„Rückbau verschiebt sich“

Heinz Oberlach, Pressesprecher des Konzerns Wintershall Dea.
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Heinz Oberlach, Pressesprecher des Konzerns Wintershall Dea.

Wittorf – 24 Jahre wurde in Wittorf vom Gasförderunternehmen Dea, später Wintershall Dea, Lagerstättenwasser, das bei der Produktion von Erdgas anfällt, in eine Tiefe von 1 000 Meter auf der ehemaligen Förderanlage Wittorf Z1 direkt an der Bundesstraße 440 bei Grapenmühlen in die Erde gepresst. 2018 wurden der Betrieb eingestellt und der Rückbau angekündigt.

Aber seit Wochen tut sich nichts mehr auf der Anlage. Anwohner wundern sich. Heinz Oberlach, Sprecher des Konzerns, nimmt im Interview Stellung zu den weiteren Maßnahmen und zum aktuellen Rückbau-Stopp.

Seit Wochen ist Ruhe auf dem Betriebsplatz der Wittorf Z1. Läuft irgendwas nicht ganz rund?

Dass sich auf dem ja fast komplett freigeräumten Betriebsplatz der bereits Ende 2018 endgültig stilgelegten ehemaligen Wasserversenkbohrung Wittorf Z1 in Grapenmühlen seit ein paar Wochen nichts tut, liegt ganz einfach daran, dass wir mit den noch ausstehenden Rückbau- und Rekultivierungsarbeiten nicht wie ursprünglich geplant loslegen konnten.

Hat die Pause mit Corona zu tun oder wie beeinträchtigt die Pandemie die Arbeiten?

Mit der Corona-Pandemie hat die Pause nichts zu tun – es gab im Frühjahr vielmehr insbesondere Verzögerungen bei den Ausschreibungen von Dienstleitungen, mit denen Wintershall Dea Deutschland auch bei den Arbeiten in Grapenmühlen externe Fachfirmen betraut.

Auf dem Areal steht ein beschädigter Tank, was hat es damit auf sich?

In die beiden Tanks, die sich auf dem Gelände befinden, wird das Niederschlagswasser geleitet, das sich in dem betonierten sogenannten Bohrkeller der ehemaligen und nun verschlossenen Bohrung sammelt. Die Tanks werden mit einem speziellen Saugwagen per Unterdruck geleert. Durch ein erhöhtes Vakuum hat sich einer der beiden Tanks zusammengezogen. Er ist aber völlig intakt, wie eine Untersuchung ergeben hat. Er sieht nur ein wenig verbeult aus.

Können Sie den angestrebten Fahrplan des Rückbaus noch halten?

Wir hatten uns vorgenommen, den Betriebsplatz der Wittorf Z1 bis Ende Juni 2021 zurückzubauen und das Gelände anschließend zu rekultivieren. Dieses Ziel können wir leider nicht mehr erreichen. Aktuell gehen wir aber davon aus, dass die noch ausstehenden Arbeiten im Laufe des Junis beginnen können.

Wie sieht der Zeitplan denn überhaupt aus?

Der Terminplan mit seinen fünf Arbeitsmodulen – von denen bereits vier komplett und zeitgerecht abgearbeitet werden konnten – bleibt in seiner Grundstruktur erhalten. Vor dem Hintergrund der bereits angesprochenen Verzögerung verschiebt sich jetzt lediglich der Zeitraum des fünften Arbeitsmoduls mit dem Titel Rückbau des Platzes und Rekultivierung des Geländes.

Gibt es etwas Neues zum Thema Grundwassermonitoring wie von der Wittorfer Initiative für Umwelt und Gesundheit (WUG) und der Visselhöveder Politik gefordert?

Wintershall Dea Deutschland hat sich bereits vor zwei Jahren freiwillig dazu bereit erklärt, ein Grundwassermonitoring in Grapenmühlen durchzuführen. Seitens der Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde wird solch ein Monitoring nicht gefordert. Wir haben das Konzept für das Monitoring bei einem Treffen aller Beteiligten am 24. Februar 2020 im Rathaus Visselhövede detailliert vorgestellt und erläutert sowie ausführlich mit allen Anwesenden diskutiert.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Sobald die jetzt anstehenden Rückbau- und Rekultivierungsarbeiten es zulassen, werden wir damit beginnen, die im Monitoring-Konzept vorgesehenen Maßnahmen vor Ort umzusetzen – so werden beispielsweise Brunnen für die spätere Entnahme von Wasserproben in der Tiefe installiert.

Ist mit Blick darauf eine weitere Veranstaltung geplant, um die Öffentlichkeit über den aktuellen Sachstand zu informieren?

Wintershall Dea Deutschland hat von Anbeginn an die Rückbau- und Rekultivierungsarbeiten in Grapenmühlen transparent kommuniziert und durchgeführt. In diesem Zusammenhang gab es eine öffentliche Veranstaltung am 17. Juni 2019 im Dorfgemeinschaftshaus Wittorf. Bei dieser standen die Historie der Bohrung, technische und geologische Details sowie ein erster Zeitplan für die Arbeiten im Mittelpunkt. Bei einer weiteren öffentlichen Veranstaltung, ebenfalls in Wittorf am 1. September 2020, standen dann detaillierte Informationen über den Ablauf der konkreten Verfüllarbeiten auf dem Programm. Leider war diese Veranstaltung mit nicht einmal 20 interessierten Bürgern schlecht besucht.

Also aufgrund mangelnden Interesses keine weiteren Info-Abende?

Wintershall Dea Deutschland ist grundsätzlich dazu bereit, sofern Bedarf besteht, eine weitere öffentliche Veranstaltung zum Rückbau des Platzes und zur Rekultivierung des Geländes anzubieten.

Lange war nichts mehr zu hören vom Runden Tisch Erdgasförderung im Rotenburger Kreishaus, an dem auch Sie teilnehmen. Gibt es den noch?

Die Arbeitsgruppe Erdgas- und Erdölförderung im Landkreis Rotenburg, dessen Sitzungen im Kreishaus stattfanden, ist leider Opfer der Pandemie geworden. Die bisher letzte Sitzung war am 18. September 2019. Wintershall Dea Deutschland kann sehr gut nachvollziehen, dass diese Unterbrechung notwendig wurde, wir hoffen aber, dass die Treffen, zu denen die Kreisverwaltung einlädt, bereits in absehbarer Zeit wieder regelmäßig stattfinden können.

Die Beulen im Tank seien laut Heinz Oberlach auf ein erhöhtes Vakuum während der Absaugung des Regenwassers zurückzuführen. Der Tank sei aber dicht.

Wenn die Wittorf Z1 komplett zurückgebaut ist, haben sie keine Anlage mehr im Raum Visselhövede. Wie sieht das Engagement von Wintershall Dea beim Thema Gasförderung in Niedersachsen generell aus?

Mit dem Rückbau und der Rekultivierung der Wittorf Z1 ist Wintershall Dea im Raum Visselhövede mit keiner Bohrung mehr vertreten. Unsere seit vielen Jahren bestehende Erdgasförderung aus insgesamt rund 40 Bohrungen in den Landkreisen Rotenburg, Verden und Diepholz besteht aber weiter.

Braucht Deutschland dieses Gas noch?

Wir werden Erdgas noch länger benötigen. Der Energiebedarf in Deutschland ist insbesondere aufgrund der zunehmenden Stromanwendungen – Elektromobilität, der Umstellung auf Wärmepumpen oder die Herstellung von grünem Wasserstoff – viel zu groß, als dass er auf absehbare Zeit allein durch Erneuerbare gedeckt werden kann. Erdgas und Erdöl lieferten im vergangenen Jahr noch mehr als 60 Prozent unseres Primärenergiebedarfs. Trotz Ausbau der Erneuerbaren trugen diese 2020 lediglich mit knapp 17 Prozent zum gesamten Primärenergiebedarf in Deutschland bei.

Das ist noch sehr wenig, oder?

Unstrittig ist, dass dieser Anteil erheblich weiter wachsen muss, denn das Ziel der Klimaneutralität ist politisch gesetzt. Die Rolle von Erdgas und auch von Erdöl wird in den kommenden Jahren also grundsätzlich kleiner werden. Jedoch gibt es hier kein entweder oder, sondern vielmehr ein sowohl als auch.  jw

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