Versäumnis der Behörden

Hainhorster Weg in Wittorf: Hausbau ohne Bebauungsplan

Die Bebauung am Hainhorster Weg in Wittorf wird nachträglich legalisiert. Die Genehmigungsbehörden sind in dem Areal vor Jahrzehnten fälschlicherweise von einer Bebauung im Innenbereich ausgegangen.
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Die Bebauung am Hainhorster Weg in Wittorf wird nachträglich legalisiert. Die Genehmigungsbehörden sind in dem Areal vor Jahrzehnten fälschlicherweise von einer Bebauung im Innenbereich ausgegangen.

Visselhövede – Schön in einer Reihe stehen die Häuser am Hainhorster Weg in Wittorf. Manche Gebäude sind erst ein paar Jahre alt, an einigen wird noch gebaut, und andere sind bereits ein wenig in die Jahre gekommen. Wie das eben so ist in den Siedlungen in den Dörfern. Nur am Hainhorster Weg hätten die Häuser genau genommen so gar nicht stehen dürfen, denn die formalrechtlichen Voraussetzungen für die Eigenheime sind gar nicht erfüllt. Sprich: Ein Bebauungsplan, der die Splittersiedlung am Wittorfer Ortsrand abdeckt, gibt es zurzeit noch nicht.

„Darum versuchen wir jetzt, die Versäumnisse von vor vielen Jahren zu heilen. Denn selbst alteingesessene Wittorfer wussten nicht, dass es dort eigentlich keine Bauplätze sind, wo die Häuser draufstehen“, so Wittorfs Ortsbürgermeister Heiner Gerken (Grüne), der zur Kommunalwahl für die Wittorfer Wählerliste angetreten ist, während der Sitzung des Visselhöveder Bauausschusses, in die eine Zusammenkunft des Ortsrats integriert war.

„Das Problem ist, dass weder das städtische Visselhöveder Bauamt noch die Baugenehmigungsbehörde des Landkreises Rotenburg damals den Hainhorster Weg als Außenbereich angesehen haben, sondern die Fachleute die Bebauung in diesem Areal wohl der dörflichen Eigenentwicklung Wittorf zugeordnet haben“, so Burkhard Lichtblau vom Bremer Planungsbüro Instara, das sich nun der Thematik angenommen hat, um die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen.

Aber natürlich müsse niemand von den Hauseigentümern befürchten, dass jetzt ein Rückbau drohe, aber „wir müssen dennoch alles auf rechtssichere Beine stellen“, so Lichtblau, der „den Missstand schnellstmöglich heilen“ will.

Auch weil in Wittorf der Bedarf an Bauplätzen sehr groß ist. Das hatte bereits vor einiger Zeit der Bürgerverein ermittelt und sogar auf eigene Faust ein Baulückenkataster aufgestellt, um zu dokumentieren, wo noch Flächen im Ortskern zur Verfügung stehen. Allerdings müssen die Eigentümer natürlich auch bereit sein, ein Stück ihres Gartens zu opfern. Gehören die Interessierten nicht dem engeren Familienkreis an, gestaltet sich das ein wenig schwierig.

Darum wurde auf Initiative des Ortsrats schon der Bereich der alten Sägerei an der Straße Zum dicken Holz von einer Gewerbefläche in ein Mischgebiet für Wohnen und Kleingewerbe umgewandelt. „Aber auch am Hainhorster Weg haben wir noch Lücken in der Bebauung direkt an der Straße. Und es gibt Interessenten dafür“, so Gerken.

Und genau darum setzt das Büro Instara jetzt alles daran, die Satzung laut Baugesetzbuch aufzustellen und damit das vereinfachte Bauleitplanverfahren auf den Weg zu bringen.

„Das Ziel ist es, weitere Neu- und Umbauten für bis zu drei Wohneinheiten pro Grundstück zu ermöglichen“, erläuterte Lichtblau, der so planen will, dass künftige Gebäude einen Abstand von drei Metern zur Straße halten müssen und bei der Tiefe 30 Meter das Maximum sind.

Auch wenn sich der Ortsrat gewünscht hat, dass das nun auf den Weg gebrachte Verfahren „sich auf der östlichen Seite der Straße in Richtung Süden bis zu gegenüberliegenden Bebauung ausdehnt“, hat der Bauausschuss beschlossen, es doch bei dem vorgeschlagenen Bereich zu belassen. Auch, weil sonst ein Graben in die Planungen mit einbezogen werden müsste. „Wir sind aber auch so schon froh, dass es jetzt bald mit dem Gebiet endlich alles seine Ordnung hat“, so Heiner Gerken.

Die Kosten für die Planung des Bereichs bleiben übrigens komplett bei der Stadt hängen, denn der Bauausschuss will nicht die Anwohner zu Kassen bitten, die „für das rechtliche Versäumnis von damals nichts können“.

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