Diesel und Benzin in Zeiten des Klimawandels

„Wir sind die Steuereintreiber“: Hoyer-Geschäftsführer im Interview

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„Ölheizungsbesitzer brauchen keine Angst haben“: Gerald Lutz, Geschäftsführer der Hoyer-Gruppe.

Visselhövede - Nicht erst seit Greta Thunberg diskutiert die ganze Welt über die Themen Klimawandel, Verbrennungsmotoren und Energiesparen. Aber es gibt auch Geschäftszweige, die verdienen ihr Geld mit Benzin, Diesel und Heizöl. Wir sprachen mit Gerald Lutz, Geschäftsführer der Hoyer-Unternehmensgruppe aus Visselhövede, über die Aussichten der Branche.

Angesichts der Diskussion über den Klimawandel verkaufen Sie weiterhin Diesel und Benzin für Verbrennungsmotoren. Haben Sie dabei ein schlechtes Gewissen?

Ein schlechtes Gewissen würde bedeuten, dass ich ein Schuldgefühl hätte, weil ich in der Vergangenheit etwas getan habe, was ich nun im Nachhinein als falsch ansehe. Das kann ich definitiv nicht sagen, denn mit dem Verkauf von hochwertigen Kraftstoffen sorgen wir täglich für Mobilität, für Sicherheit, Zufriedenheit und erfüllen und übertreffen immer die gesetzlichen Auflagen. Die Treibhausemissionen wurden in den vergangenen Jahren immer weiter minimiert, die Kraftstoffe permanent verbessert. So spart man mit unserem Premium-Diesel bis zu fünf Prozent Kraftstoff und entlastet somit die Umwelt. Zudem ist die gesamte Hoyer-Unternehmensgruppe klimaneutral gestellt. Wir haben unseren Kohlendioxid-Fußabdruck ermittelt, dieser wird durch den Kauf von Zertifikaten klimaneutral gestellt.

Was halten Sie persönlich und aus Sicht des Unternehmens von E-Autos?

Persönlich kann ich nicht nachvollziehen, warum sich die Branche so extrem auf die batterieelektrische Mobilität stürzt. Es werden immense Wassermengen benötigt, um für die Batterien den notwendigen Rohstoff Lithium zu fördern, der zudem nur in begrenztem Maß zur Verfügung steht. Im Kongo wird unter fragwürdigsten Bedingungen Kobalt abgebaut, ein weiterer Bestandteil des Akkus. Und das machen dort sogar Kinder und Jugendliche. Für das Löschen eines in Brand geratenen Autos werden rund 12 000 Liter Wasser benötigt, um die Batterie zu löschen. Zudem sind etliche Schwierigkeiten beim Recycling der Akkus noch nicht gelöst.

Gibt es außer Elektro- und Wasserstoffantrieben Alternativen wie zum Beispiel synthetische Kraftstoffe?

Ja, die gibt es und die gab es auch schon in der Vergangenheit und wir haben diese alternativen Kraftstoffe im Programm. Alternativen sind solche, die herkömmliche aus Mineralöl hergestellte Kraftstoffe ersetzen können. Dabei wird zwischen Kraftstoffen aus fossilen Energieträgern und solchen aus biogenen Energieträgern unterschieden. Sie werden sich an die Zeit des Biodiesels erinnern. Vor einigen Jahren tankten bereits fast zehn Prozent der Verbraucher diese Kraftstoffe. Doch dann erkannte der Staat, dass ihm sehr viel Energiesteuer entging. Die Produkte wurden überproportional verteuert und es folgte schnell das Ende der Biokraftstoffe. Zudem gibt es Bio-Ethanol und Electrofuels. Das sind Kraftstoffe, die mit der Hilfe von elektrischer Energie hergestellt werden.

Wie weit ist es mit deren Entwicklung?

Die Frage dabei ist doch, was will der Verbraucher? Bereits vor 20 Jahren galt Wasserstoff als Zaubermittel für klimaneutrale Mobilität. Auf der IAA wurde das Dilemma wieder einmal deutlich. Auf den Ständen der großen Hersteller drehte sich fast alles um die Akku-Autos. Die neuen Elektroautos wie zum Beispiel der neue Porsche Taycan wurde als vollelektrische Neuheit gefeiert und die wenigen Modelle mit Wasserstoffantrieb hatten bestenfalls eine Statistenrolle. Das ist bedauerlich, da vor 25 Jahren alle führenden Automobilhersteller eigene Forschungszentren zur Herstellung von Brennstoffzellen-Autos aufgebaut hatten. So ist es letztlich mit vielen Alternativen. Sie sind einsetzbar, aber es fehlt der Wille zur Umsetzung.

Die CO2-Steuer kommt. Das hat direkten Einfluss auf Ihr Unternehmen. Haben sie Zukunftsangst?

Wir haben keine Zukunftsängste hinsichtlich der Steuer. Letztlich sind wir ja schon lange der Steuereintreiber für den Staat. Die Höhe der Energiesteuer unterscheidet sich nach Kraftstoffarten, wobei die umweltverträglichen Energieträger am niedrigsten besteuert werden. Aktuell gelten folgende Steuersätze: Erdgas 19 Cent/Kilogramm, LPG Autogas 23 Cent/Kilogramm. Diesel 47,04 Cent je Liter und Benzin mit 65,45 Cent je Liter und hinzu kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer. Diese wird auf den Warenpreis und die Energiesteuer erhoben. Jetzt kommt noch die CO2-Steuer hinzu und das ist somit auch eine versteckte Steuererhöhung.

Der Sprit wird dadurch teurer und nicht jeder kann sich das Autofahren dann noch leisten. Damit haben Sie auch weniger Kunden. Das klingt nicht gut, oder?

Der Sprit ist nicht das Problem. Verbraucher sind es gewohnt mit schwankenden Kraftstoffpreisen zu leben. Wir hatten schon Kurse, die kurz vor der Zwei-Euro-Marke lagen. Der eigentliche Steuerhammer kommt 2021 auf uns zu, denn wer dann sein Auto neu zulässt, zahlt deutlich mehr als bisher. Das geschieht durch die Erhöhung der CO2-Komponente bei der Steuer-Berechnung. Offenbar nutzt die Bundesregierung die aktuelle Klima-Diskussion aber für eine viel drastischere Erhöhung als bisher bekannt – bei nahezu allen Modellen. Das geht aus dem aktuellen Entwurf der Steuerreform hervor. Bei einem Ausstoß zwischen 95 und 115 Gramm soll die CO2-Komponente auf vier Euro pro Gramm erhöht werden, was einer Verdopplung entspricht. Oberhalb von 115 Gramm sind sogar 5,50 Euro vorgesehen. Für große Spritverbraucher wie Geländewagen mit Benzin oder Dieselmotoren würde sich die Steuer noch weit mehr erhöhen. Der CO2-Ausstoß eines Autos wird einfach aus dem Durchschnittsverbrauch hochgerechnet.

Was halten Sie von der Fridays-for-Future-Bewegung?

Generell finde ich es gut, dass sich Menschen zu Themen zusammenfinden, um gegen Missstände zu demonstrieren. Das ist eines der obersten Grundrechte einer Demokratie. Ich selbst bin als Jugendlicher nach Gorleben gefahren, um gegen die Einlagerung von Atommüll zu protestieren. Die Ergebnisse der Aktionen dieser Jugendlichen und Kinder sind doch erstaunlich: Plötzlich interessieren sich gestandene Politiker für den Klimaschutz.

Können Sie als Händler von fossilen Brennstoffen deren Gedanken nachvollziehen?

Ja klar! Im Grunde genommen versuchen wir als Wirtschaftsunternehmen seit Jahren nichts anderes. Die Schüler streiken für ein möglichst schnelles und effizientes Klimaschutz-Maßnahmenpaket, um das auf der Weltklimakonferenz in Paris 2015 beschlossene Weltklimaabkommen zu erreichen, nämlich die maximale Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Wir bieten unseren Kunden alle Produkte auch klimaneutral an, an unseren Tankstellen haben wir umweltfreundliches Autogas, wir haben den Kraftstoff E 10. Hier verweigern sich die Autofahrer komplett, denn mit einem Griff an der Zapfsäule könnte man die Schadstoffe deutlich reduzieren. Es gibt eine Studie, nach der die flächendeckende Nutzung von E 10 rund 3,1 Millionen Tonnen CO2-Emissionen einsparen könnte.

Was sagen Sie ihren Kindern am Küchentisch zu der aktuellen Diskussion?

Das Thema ist permanent präsent und ich kann auch nicht verstehen, warum einzelne Staaten und Politiker den Klimawandel leugnen. Was ich jedoch weiß: Man sollte das Licht öfter einmal ausschalten und nur dann anmachen, wenn man es auch benötigt. Der Stand-by-Betrieb sollte vermieden werden. Wir sollten die Wäsche auf der Leine statt im Trockner trocknen. Und häufiger sollten wir das Fahrrad und nicht das Auto nutzen. Wir haben auf Hoyer-Ökostrom umgestellt und versuchen täglich neue Ideen zu finden, wie man immer noch etwas umweltbewusster werden kann.

Stichwort Heizöl: Was sagen Sie den Kunden, die Angst haben, dass sie ihre Heizung in ein paar Jahren abschalten müssen?

Niemand muss die Ölheizung abschalten, es gibt kein Ölheizungsverbot! Ohne Probleme dürfen Hausbesitzer bis Ende 2025 bei der Heizungsmodernisierung ein Öl-Brennwertgerät einbauen. Ab dem Jahr 2026 sollen Ölheizungen nur noch eingebaut werden, wenn gleichzeitig eine erneuerbare Energie mit eingebunden wird. Als Beispiele werden hier Solarthermie- oder Photovoltaikanlagen genannt. Das heißt, dass bestehende Ölheizungen weiter betrieben werden können, auch über das Jahr 2026 hinweg. Bis Ende 2025 können alte Ölkessel ganz einfach gegen ein neues Öl-Brennwertgerät ausgetauscht werden.

Besteht Handlungsbedarf bei den Eigentümern von Ölheizungen?

Für den Ölheizungsbesitzer besteht aktuell gar kein Handlungsdruck. Selbst wenn er derzeit eine Heizungsmodernisierung plant, kann er den Einbau einer Öl-Brennwerttechnik weiter forcieren und diese auch umsetzen. Bis zum Ende des Jahres gibt es noch die Aktion „Besser flüssig bleiben“. Da kann sich der Hausbesitzer kostenlos die maximale staatliche Förderung sichern. Aber dabei muss beachtet werden, dass die Fördergelder vor der Heizungsmodernisierung beantragt werden müssen.

Wie viel Prozent Ihres Umsatzes macht der Handel mit Heizöl aus?

In den vergangenen Jahren hat sich der Absatz und somit auch der Umsatz vom Heizöl deutlich nach unten verlagert und beträgt noch 17 Prozent. Viele der heute genutzten Heizungsanlagen verfügen über moderne Öl-Brennwertthermen und haben Kombinationen mit Wärmepumpen oder Solarthermie. Entscheidend ist auch immer, wie das Haus gedämmt ist, welche Maßnahmen der Isolierung letztlich gegriffen haben. Heizöl wird als Energieträger auch maßgeblich in der Industrie eingesetzt, fast jedes Krankenhaus hat eine Ölheizung, die zugeschaltet werden muss, wenn beispielsweise Erdgas nicht mehr ausreichend zur Verfügung gestellt werden kann.

Was empfehlen Sie als Alternative, oder gibt es überhaupt eine?

Wir haben uns vom klassischen Heizöllieferanten im Laufe der Jahrzehnte zum Wäremelieferanten entwickelt, denn neben Heizöl liefern wir auch Holzpellets, Flüssiggas, Strom und Erdgas. Um bis 2050 treibhausgasneutral zu sein, müsste man sich komplett von den fossilen Brennstoffen verabschieden – ist das realisierbar? Nein! Alternativen könnten Wärmepumpen sein, aber die sind sehr kostenintensiv und in manchen Regionen nicht realisierbar. Eine Kombination aus Holzpelletheizung und Wärmepumpe ist eine Alternative, aber die Bundesregierung hat angekündigt, dass Öl-Brennwertkessel weiterhin erlaubt sind, wenn sie wie gesagt mit Solarthermie oder Wärmepumpe betrieben werden. Zudem bietet eine Flüssiggasheizung große Vorteile und der Verbraucher kann seine Unabhängigkeit behalten.

Wie schätzen sie Heizungen mit Holzpellets umwelttechnisch ein?

Aktuell haben die Pelletkessel die besten Chancen, denn im Vergleich zu einer alten Ölheizung liegt die CO2-Einsparung bei 89 Prozent. Aber: Im Sinne der Klimabilanz darf nicht mehr Holz verbrannt werden als auch wieder nachwächst. Holz kann darum allein nicht die anderen fossilen Brennstoffe ersetzen. Zudem ist die Feinstaubbelastung bei einer Pelletheizung höher. Eine Kombination aus Holzpellets und Wärmepumpe ist eine Alternative.

Gehen Sie auch irgendwann an einem Freitag auf die Straße?

Ich gehe jeden Freitag zum Spaziergang auf die Straße, die aktuellen Diskussionen sind mir zu emotional und oftmals werden Themen miteinander vermischt. Jeder möchte die Welt verbessern und sieht nur noch das Klima im Fokus. Milliarden Euro werden für Klimaschutz freigegeben, leider verschwinden aktuell viele soziale Themen, die ebenfalls von großer Wichtigkeit sind, aus den Nachrichten. Entwicklungsgelder werden nun in Klimamaßnahmen gesteckt. Das ist gut gemeint, aber moralisch nicht vertretbar. Deutschland hat bisher 100 Milliarden Euro für Solaranlagen ausgegeben. Wir zahlen die höchsten Strompreise in Europa und Wissenschaftler wollen errechnet haben, das eine jährliche Aufwendung von 43 Milliarden Euro die Erderwärmung bis zum Jahr 2100 bestenfalls um 0,001 Grad drosselt. Ich würde mich freuen, wenn mehr Geld in die Entwicklung und Erforschung sogenannter grüner Technologien gesteckt wird und das jeder einzelne Bürger an sich arbeitet, täglich ein Stück besser mit unserer Umwelt umzugehen, wir haben nur die eine Umwelt und die muss jeder mit besten Wissen und Gewissen schützen.

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