Konzept für Monitoring

„Wir nehmen alles wieder mit“: Rückbau der Versenkbohrung Grapenmühlen läuft

Im streng gesicherten Bereich müssen die Arbeiter zwischendurch auch mal leichte Dinge transportieren.

„Wir wissen zwar noch nicht genau wie, aber wir werden nach dem Ende der Rückbauarbeiten der Anlage ,Wittorf Z 1‘ ein Monitoring auf den Weg bringen“, sagt Kati Hanack, Leiterin des Förderbetriebs Nord beim Gaskonzern Wintershall Dea. Mit einer systematischen Überwachung über einen langen Zeitraum auf dem Gelände in Grapenmühlen direkt an der Bundesstraße 440 soll unter anderem festgestellt werden, ob das Grundwasser in einer Tiefe von bis zu einigen hundert Metern so ist, wie es sein soll: klar, frisch und vor allem trinkbar.

Grapenmühlen - Denn seit 1995 wurden exakt 853 342 Kubikmeter Lagerstättenwasser, das bei der Erdgasproduktion anfällt, in eine Tiefe von rund 1 000 Metern in den Kalkarenit verpresst. Dem hatte der Gesetzgeber aber 2016 ein Ende gesetzt. Bis 2022 müssen diese Verpressanlagen aufgegeben werden und das Lagerstättenwasser wieder in die Tiefe zurück, aus der es einst gefördert wurde: rund 5 000 Meter.

Ende 2018 wurde darum auch die Verpressung auf „Wittorf Z 1“ gestoppt, und die Anlage wird nun Stück für Stück zurückgebaut. „Um für die vielen Kritiker unserer Arbeit eine möglichst große Transparenz zu schaffen, werden wir dieses Monitoring durchführen, obwohl der Gesetzgeber und auch das Landesbergamt als Aufsichtsbehörde das nicht fordern“, betont Wintershall Dea-Sprecher Heinz Oberlach bei einem Ortstermin.

Eine Expertenrunde des Konzerns werde jetzt ein Konzept, das auch realistisch und technisch umgesetzt werden könne, für diese Überwachung ausarbeiten und es dann einem noch zu installierenden Arbeitskreis vorstellen. Der soll sich aus den politischen Gremien des Stadtrats und des Wittorfer Ortrats zusammensetzen. „Solch ein Arbeitskreis ist zumindest ein Instrument, um das weitere Vorgehen abzustimmen“, ist Wittorfs Ortsbürgermeister Heiner Gerken (Grüne) froh, dass es bald belastbare Zahlen gebe, was den Zustand des Grundwassers angehe, auch wenn das Unternehmen längst weitergezogen sei.

Denn mit der Transparenz sei es nicht immer soweit her gewesen, denn während der Teilverfüllung der ehemaligen Förderstätte Mitte der 1990er-Jahre auf eine Tiefe von rund 1100 Meter sei dort alles in das Bohrloch gekippt worden, was „irgendwie weg musste“, so Gerken. „Darunter waren sicher auch so manche Giftstoffe wie Quecksilber. Die Öffentlichkeit hat damals davon kaum etwas mitbekommen.“

„Aber genau diese Art von Entsorgung der Abfall- und Produktionsrückstände hat das Bergrecht den Unternehmen damals vorgegeben“, erläutert Heinz Oberlach, der jetzt jedoch mehr nach vorne blicken möchte – auch, weil sich die Gesetzeslage geändert habe.

So sind zurzeit viele Spezialisten auf dem Gelände aktiv, um die großen Anlagenteile abzubauen. „Das wird sich aber mit Sicherheit noch bis Ende 2020 hinziehen“, informiert Kati Hanack. Denn genau wie beim Aufbau einer Förderbohrung, gebe es auch beim Rückbau eine Vielzahl von Regularien und Vorschriften, die durch das Landesbergamt strengstens kontrolliert würden. So seien jetzt die Firmen damit beschäftigt, die Hallen und Tanks abzubauen und fachgerecht zu entsorgen beziehungsweise zur weiteren Verwendung einzulagern. „Dann werden die einzelnen Rohre der Anlage mit einer Art Kran aus der Tiefe gezogen. Ein Rohr ist etwa neun Meter lang. Der Verbund, den wir mit einem Stück ziehen können, misst 30 Meter“, erläutert die Fachfrau.

Sind die 1000 Meter Innenrohr aus der Erde, bleibt nur noch die äußere Stahlhülle übrig. Die wird mit Spezialzement verfüllt und rund drei Meter unter der Grasnarbe gekappt, damit der Eigentümer die zurückgebaute Fläche so landwirtschaftlich nutzen kann, wie er es vor 1981 getan hatte. „Wir nehmen alles wieder mit, was wir hier jemals eingebaut haben“, stellt Hanack klar.

Oberlach lässt Zahlen sprechen: „Wir bauen 160 Tonnen Metall und 3 600 Tonnen Stahlbeton ab. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen.“ Da die Spezialisten auch auf anderen Baustelen benötigt würden, gebe es zwischendurch auch mal Zeiten, an denen sich nichts tut auf der einen halben Hektar messenden Betonfläche.

Auch wenn dort irgendwann wieder Kartoffeln wachsen würden, sei es nicht so, dass Wintershall Dea keine Haftung mehr übernehmen müsse, sollte mal eine Belastung des Bodens oder des Grundwassers festgestellt werden. „Wir sind nur aus dem Bergrecht raus, die Haftung gilt ewig“, unterstreicht Hanack.

Und das könnte nicht ganz unwichtig sein, wie am Beispiel Emlichheim an der holländischen Grenze zu sehen ist. Dort waren bis zu 220 000 Kubikmeter Lagerstättenwasser aus einer Bohranlage für Erdöl über vier Jahre durch angeblich sichere und rostfreie Rohre ins Erdreich gelangt. Die Bohrung muss jetzt mit einen Riesenaufwand saniert werden.

In Grapenmühlen will man solch einen Vorfall unter anderem durch die Verwendung von besonderen Werkstoffen verhindern. „Aber wir können nur unser Bestmögliches tun, ein gewisses Restrisiko gibt es in allen Lebenslagen. Und mit einem Monitoring können wir viele Dinge bereits im Vorfeld erkennen“, so Oberlach.

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