„Messpunkt zu dicht, Milanhorst und veraltete Zahlen“

Windkraft: Wittorfer Initiative setzt auf den Landrat

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Nicht gegen Windkraft, aber gegen den geplanten Standort (v.l.): Gerd Richter, Heinz-Hermann Gerke, Klaus Hoins, Eckhard Langanke, Klaus Brunne und Frank Jäger. 

Wittorf - Von Jens Wieters. „Wir nehmen Landrat Hermann Luttmann beim Wort“, sagen Vertreter der Initiative Wittorfer Bürger für Umwelt und Gesundheit (WUG), nach dem sie dem Chef der Kreisverwaltung ihre Bedenken gegen das Vorranggebiet Windkraft zwischen Lüdingen und Wittorf vorgetragen haben. „Der Landrat hat versprochen, unsere Argumente genauestens zu prüfen“, so Gerd Richter von der WUG. Konkret geht es um drei Dinge, die nach Meinung der Wittorfer den Bau von fünf Windrädern mit jeweils 230 Meter Höhe ausschließen würden.

„Wir haben recherchiert, dass bei der Verpressanlage Grapenmühlen eine seismologische Messstation eingerichtet ist, um auch geringste Erdstöße zu erfassen. Nach Angaben des Landesbergamts als zuständige Behörde muss der Abstand dieses Messpunkts zu Windkraftanlagen mindestens fünf Kilometer betragen. Und das ist mit dem Vorrangebiet nicht gegeben“, so Richter.

Ein weiteres Argument, warum die Anlagen dort nicht gebaut werden dürften, sei die Greifvogelpopulation. „Dort wurde im vergangenen Jahr von unabhängigen Zeugen ein Rotmilan gesichtet, der in einem Horst seinen Nachwuchs aufgezogen hat“, erläutert Richter. Die WUG habe den Landkreis aufgefordert, dass zu dokumentieren, es sei aber nichts geschehen. „Wir gehen davon aus, dass der Vogel sich dort wieder ansiedeln wird.“ Das geschützte Tier könne das Gebiet im Frühjahr aber als „ungastlich“ empfinden, da auf den Feldern in der Nähe erhebliche Drainage-Arbeiten gemacht worden seien. „Teilweise sind Flächen auch totgespritzt worden und auch der Ast, auf dem der Horst befestigt war, ist nun abgeschnitten“, betont Richter.

Grundsätzlich nicht gegen Windkraft

Dritter WUG-Einwand beim Landratbesuch, war, dass die „Kreisverwaltung im Regionalen Raumordnungsprogramm mit veralteten Zahlen von Anlagen viel geringerer Höhe arbeitet“, wie Klaus Hoins berichtet. Auch der von den Anlagen ausgehende Infraschall, der von Menschen zwar nicht gehört, aber dennoch durch Drücke wahrgenommen werde, sei nicht berücksichtigt worden. „In Dänemark liegen zurzeit alle Windkraftpläne auf Eis, um die Auswirkungen des Infraschalls auf die Menschen zunächst zu erforschen. Daran sollte sich der Landkreis orientieren“, fordert Hoins.

Grundsätzlich sei die WUG nicht gegen Windkraft, man wolle aber „nicht solche riesigen Anlagen an einem Standort, der nur 1 000 Meter von unseren Häusern entfernt ist“, stellt Frank Jäger klar. Besser sei wie in Bayern eine Entfernung mit dem Kürzel H10. „Das würde in unserem Fall mindestens einen Abstand von 2,3 Kilometern bedeuten“, so Gerd Richter, der mit seinen Mitstreitern nun auf eine objektive Prüfung durch den Landrat hofft. „Schließlich ist Wittorf bereits jetzt richtig gekniffen: Durch die viel befahrene Bundesstraße mitten im Ort, durch die Verpressanlage mit viel Gift in unserer Erde und durch die vorhandenen Windkraftanlagen in Buchholz und Jeddingen. Nun reicht es“, klagt Klaus Hoins.

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