Info-Veranstaltung der Wittorfer Bürger

„Ja zur Windkraft, aber sie muss erträglich sein“

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Eine ähnliche Höhe wie die Windräder in Bartelsdorf sollen auch die Anlagen in Wittorf erreichen.

Wittorf - Von Wieland Bonath. „Die einen haben das Geld, die anderen den Lärm!“ Kathrin Baden aus Bartelsdorf brachte auf den Punkt, was sich fast täglich in der Nähe des größten Windparks des Landkreises Rotenburg abspielt. Und genau das möchten die Wittorfer Bürger nicht erleben.

Denn auch in ihrer Region – zwischen Lüdingen und Wittorf – sollen riesige Windräder aufgebaut werden. Ein Grund mehr für die Initiative Wittorfer Bürger für Umwelt und Gesundheit (WUG), einen Infoabend zu organisieren.

Rund 40 Einwohner aus Wittorf waren am Dienstagabend in das Dorfgemeinschaftshaus gekommen, um sich über die geplanten Windkraftanlagen zu informieren. Geplant sind laut WUG sieben Windkraftanlagen auf einer Fläche von 76 Hektar. Die Gesamthöhe mit Flügeln beträgt demnach 200 Meter. Jede Anlage ist damit 43 Meter höher als der Kölner Dom. 

Kathrin Baden berichtete über ihre Erfahrungen.

Die WUG mit ihren 40 Mitgliedern ist „nicht generell gegen die Windkraft als wichtiger Teil der erneuerbaren Energie“, hieß es, aber es gebe viele Fragen und Unsicherheiten. Der Abend, der von Heinz-Hermann Gerke moderiert und durch Gerd Richter mit Informationen ergänzt wurde, sollte die besorgten Bürger zumindest über einen Teil der vielen offenen Fragen aufklären. 

Deshalb war Kathrin Baden aus Bartelsdorf eingeladen, die mit ihrer Familie in der Nachbarschaft des Windparks mit 16 Riesenrädern am Rande ihrer Gemeinde lebt. Die Anlagen verteilen sich auf 155 Hektar, die sich 35 Grundstückseigentümer teilen und der beim Start vor sieben Jahren vom Bauherrn als Pilotprojekt bezeichnet wurde. „Und damals von den Bartelsdorfern positiv begleitet worden war“, so Kathrin Baden.

Aber wie sind die Erfahrungen mit den Windrädern, wenn man nur 1 800 Meter davon entfernt im Haus der Familie Baden lebt? Die Bartelsdorferin berichtete den Besuchern im Wittorfer Dorfgemeinschaftshaus von Dauergeräuschen je nach Windrichtung an 40 bis 70 Tagen im Jahr. „Besonders störend ist das in der Nacht, wenn auch noch Geräusche vom Eisenbahn- und Straßenverkehr hinzukommen.“

Inzwischen hätten die Bartelsdorfer Einwohner beim Landkreis Messungen beantragt, um genauere Daten über die Lautstärke zu haben. Hinzu kämen mögliche Folgen des Infraschalls wie zum Beispiel Ohrdruck, Schwindel und Morgenmüdigkeit.

Riesiger Schlagschatten als Begleiterscheinung

Baden nannte als weitere Begleiterscheinungen der Windkrafträder die riesigen Schlagschatten durch die Flügel, das Blinken durch die nächtliche Befeuerung und das Sinken des Erholungswerts aufgrund der Windkraftanlagen. „Außerdem ist mit einem Wertverlust bei einem möglichen Verkauf unserer Immobilien zu rechnen“, mutmaßt Baden.

Der Landkreis Rotenburg plant, so wurde während des Abends deutlich, für den Bau von Windkraftanlagen, eine Gesamtfläche von 1,3 Prozent des Kreisgebiets zur Verfügung zu stellen. „Das Land Niedersachsen strebt sogar an, 2,4 Prozent bereitzuhalten, um den Windkraftanteil am Bedarf erneuerbarer Energie zu decken“, sagte Baden.

Weitere und noch höhere Windkraftanlagen, auch in dem vorgesehenen Windkraftpark Wohlsdorf, seien geplant – bis 2020 werde sich die Zahl der Windräder vermutlich auf 31 erhöhen: „Wir sind“, sagte Kathrin Baden, „von Windkrafträdern geradezu umzingelt.“ Sie fordert ganz klar: „ Die negativen Seiten der Windkraft müssen über angemessene Mindestabstände geklärt werden.“

Zwei Stunden Informationen über die Windenergie und geplante Anlagen zwischen Wittorf und Lüdingen, zu denen noch Ausschuss und Kreistag ihre Zustimmung geben müssen. WUG-Sprecher Gerd Richter nach zahlreichen ergänzenden Fragen der Besucher: „Wir sagen Ja zur Windkraft, aber sie muss für den Menschen erträglich sein.“

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