Willi Reichert hört auf / „Kultur im Sonnentau“ vor dem Aus?

Der Turmwächter hängt seinen Job an den Nagel

Visselhövede - Von Jens Wieters. Willi Reichert will nicht mehr. Der Visselhöveder Künstler und Turmwächter hängt seinen Job mit sofortiger Wirkung an den Nagel. Ab 1. Dezember nimmt er eine neue Stellung am Info-Point im Flüchtlingscamp der Kaserne Lehnsheide an. Damit steht das weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannte Projekt „Kultur im Sonnentau“ wohl vor dem Aus.

Seit 14 Jahren hat Reichert nicht nur von März bis Oktober formal für kulturelle Höhepunkte im Wasserturm auf dem ehemaligen Sonnentaugelände und in der Hohe Heide Galerie gleich nebenan gesorgt, sondern war auch der derjenige, der dem Ganzen eine Seele gab. Es war quasi sein Baby, dass er mit Hilfe des damaligen Bürgermeister Jens Kullik aus der Taufe hob.

In all den Jahren hatte der gebürtige Bayer unzählige Kontakte geknüpft und auch international renommierte Künstler und ihre Werke nach Visselhövede geholt. „Es sind persönliche und gesundheitliche Gründe, wie er mir mitgeteilt hat“, betonte Bürgermeister Ralf Goebel während der Sitzung des Kulturausschusses am Dienstagabend. Da Reichert bis Ende vergangenen Jahres auch im ehemaligen Kontorgebäude des damaligen Honig- und Wachswerks wohnte, war er praktisch rund um die Uhr Ansprechpartner für Hotelgäste, die mal eben auf den Turm klettern wollten, oder für Hochzeitspaare, die sich das Standesamt in luftiger Höhe anschauen wollten.

So baute sich ein riesiger Berg Überstunden auf, der aber nie richtig abgerechnet wurde, weil es lange Jahre auch keinen echten Arbeitsvertrag gab. Reichert wurde ähnlich pauschal entlohnt wie so manche Dorfhelfer, die sich zum Beispiel um die Rabatten an den Denkmäler kümmern.

Seit der Einführung des Mindestlohns ist das allerdings vorbei. Jetzt muss auch diese Arbeitszeit genau abgerechnet werden. Im Falle Reichert würde sich eine Stundenzahl aufbauen, die sich die Stadt angesichts der prekären Haushaltslage wohl kaum leisten kann.

„Das ist natürlich ein heftiger Schlag ins Kontor. Wir müssen jetzt überlegen, wie wir ‚Kultur im Sonnentau‘ am Leben halten“, so Goebel, der noch keine konkrete Idee hat.

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