„Wo will der denn hin?“

Visselhöveder Blutrache-Prozess: Tat-Motorrad steht im Fokus

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Weil sich bei der Spurensicherung am Tatort in Visselhövede einige Beamte in zivil aufgehalten hatten, stellte die Verteidigung am Donnerstag die korrekte Vorgehensweise am Fundort des beim Mord verwendeten Motorrads infrage.

Verden / Visselhövede - Von Wiebke Bruns. Beim Fortsetzungstermin des Visselhöveder Blutrache-Mordprozesses hat sich das Landgericht Verden am Donnerstag bei den Zeugenbefragungen auf das bei der Tat am 9. Januar 2017 in Visselhövede eingesetzte Motorrad konzentriert. Zwei Täter hatten sich auf einer Kawasaki dem Opfer genähert, wobei der Sozius zwölf Schüsse auf einen 46 Jahre alten Mann abgefeuert hatte.

Das Motorrad hatten rund drei Stunden später zufällig zwei Polizeibeamte auf einer Streifenfahrt in Fallingbostel entdeckt. Auch eine Panne bei der Spurensicherung am Tatort wurde gestern thematisiert. Doch bevor es dazu kam, vernahm das Gericht einen Beamten des Polizeikommissariats in Bad Fallingbostel. Ihm zufolge hatte das Motorrad 20 bis 25 Meter entfernt von einem Schotterweg in der Nähe der Anschlussstelle Bad Fallingbostel gelegen. An der Maschine konnten DNA-Spuren gesichert werden, die dem 23 Jahre alten Angeklagten aus Seelze (Region Hannover) zugeordnet wurden.

Zeuge beobachtete Motorrad

Ein weiterer Zeuge, der sich am Tag nach dem Mord bei den Ermittlern gemeldet hatte, machte am Donnerstag ebenfalls eine Aussage: Er hatte am Tattag im Bereich der Fundstelle der Motorrades gegen 12 Uhr Beobachtungen gemacht. „Ich bin mit meiner Frau aus Hannover gekommen und über den Autobahnzubringer gefahren“, berichtete der 48-Jährige aus Bad Fallingbostel. Ein ihm entgegenkommender Motorradfahrer sei ihm aufgefallen, weil er bei einer Parknische abgebogen sei. „Ich sagte noch zu meiner Frau, wo will der denn hin?“, erinnerte er sich. Der eingeschlagene Weg führe nirgendwo hin. Als er dann von dem Mord im Radio hörte, meldete er sich bei der Polizei.

Nicht sicher zu klären war, ob er vor oder nach seiner Beobachtung bei einem nahegelegenen Fabrikverkauf in Bad Fallingbostel war. Er konnte der Polizei einen Kassenbon mit der Uhrzeit 11.36 und 53 Sekunden vorlegen. Die Tat in Visselhövede soll um zirka 11.15 Uhr verübt worden sein. Die Fahrtstrecke bis zum Fundort des Motorrades beträgt rund 20 Kilometer. Der Zeuge war sich gestern sicher, dass nur eine Person auf dem Motorrad war. Unklar ist, ob es sich dabei um den Angeklagten gehandelt hat. Bei der Tat soll er das Motorrad gefahren haben. So hat er es gegenüber der Polizei gestanden. Bei der Polizei hatte der Zeuge von einer Flecktarn-Bekleidung und einer Warnweste berichtet.

Die Staatsanwaltschaft geht von vier Tätern in Visselhövede aus. Zwei auf dem Motorrad und zwei weiteren, die parallel dazu das Opfer beobachtet haben. Auf dem Bürgersteig vor einer Grundschule war der 46-Jährige den Mördern schutzlos ausgeliefert.

Drogengeschäfte?

Am Donnerstag interessierten sich die Verteidiger auch für die Frage, ob die Beamten der Spurensicherung in Bad Fallingbostel Schutzkleidung getragen haben. Hintergrund ist eine Panne der Rotenburger Polizei am Tatort. Während Beamte in Schutzanzügen und Mundschutz Spuren sicherten, standen zwei Beamte in Zivil direkt daneben.

Infrage stellten die Verteidiger am Donnerstag einmal mehr das Motiv Blutrache: „Es könnte doch genauso gut sein, dass es sich um Drogengeschäfte handelt“, so Verteidigerin Antje Heister. Ein Kilogramm Marihuana war im Rahmen der Festnahme bei ihrem Mandanten gefunden worden.

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