Der Widerstand wächst

Visselhöveder protestieren gegen Gasförderung

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Eckhard Langanke (l.) und Ute Jaksch hatten die Unterschriftenaktion spontan organisiert.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Nein, lange bitten lassen mussten sich die Visselhöveder nicht: Rund 70 von ihnen haben mit einer Unterschrift auf dem Protestschreiben, das an den Niedersächsischen Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) gerichtet ist, dokumentiert, dass sie eine Gasförderung in der Region strikt ablehnen.

Der Visselhöveder Eckhard Langanke, Vorsitzender der Stadtratsfraktion der Wählergemeinschaft „Wir in Visselhövede“ (WiV), hatte am Mittwoch während des Wochenmarkts spontan die Gelegenheit ergriffen, möglichst viele Unterschriften zu sammeln. Mit von der Partie war auch Ute Jaksch aus Dorfmark, die gemeinsam mit dem dortigen „Bündnis gegen Gasbohren“ den Widerstand gegen die Pläne des Unternehmens Vermilion Energy Deutschland organisiert. Der Ableger des kanadischen Mutterkonzerns will im Bereich Bad Fallingbostel, in Kroge bei Walsrode in Dorfmark und eben auch bei Bleckwedel in der Region Visselhövede Probebohrungen vornehmen, um nach Erdgas zu suchen.

„Wir haben in den eineinhalb Stunden rund 70 Unterschriften bekommen“, ist Langanke mit der Aktion zufrieden. Aber damit ist noch nicht Schluss, denn in der Neuen Apotheke liegen die Listen bereit, wo sich die Leute eintragen können, die am Mittwoch den Markt nicht besucht haben. Dort ist auch der Bohrturm im Miniaturformat nicht zu übersehen, den WiV-Mitglied Uwe Joost, Schmiedemeister von Beruf, gebaut hat.

Zwar sind diese Symbole des Widerstands, dekoriert mit den entsprechenden Plakaten in Visselhövede bisher nur vereinzelt zu sehen, aber das soll sich ändern, wie Ute Jaksch prophezeit. „Auch bei uns in Dorfmark hat der Protest erst klein begonnen, aber mittlerweile gibt es in den Dörfern fast vor jedem Haus einen Protestturm aus Holz oder zumindest ein Schild“, sagt die Dorfmarkerin, die auch am kommenden Freitag und Samstag in der Gasse zwischen dem Combi-Supermarkt und der Eisdiele mit einem Stand vertreten ist, um weitere Visselhöveder zu animieren, ihre Ablehnung gegen die Gasförderung per Unterschrift zu manifestieren.

Ihr Bündnis ist aber nicht nur in Dorfmark und jetzt auch in Visselhövede aktiv, sondern hat auch die Wochenmärkte in Soltau und Walsrode besucht. „Mittlerweile haben wir dem Wirtschaftsminister bereits 5 500 Unterschriften übergeben, aber es werden täglich mehr.“ Diesen Protest könne niemand mehr übersehen und auch die Politik müssen dementsprechend reagieren.

Unterschiedliche Reaktionen bekamen Jaksch und Langanke während des Markttreibens sogar hautnah und lautstark zu spüren: „Die meisten fanden es gut, dass wir aktiv werden. Aber mit einem Mann sind wir sogar ein wenig in Streit geraten, der das unmöglich fand, dass wir gegen die Gasförderung sind. Aber auch das gehört dazu“, so Langanke. Der hatte gemeinsam mit den Grünen vor drei Wochen eine Resolution in den Umweltausschuss eingebracht, die im Kern ebenfalls die Ablehnung der Erkundungsbohrungen beinhaltet, und am kommenden Donnerstag auch den Stadtrat passieren soll.

Vermilion vermutet Gas in 4 600 Meter Tiefe

Die Vermilion-Voruntersuchungen deuten nach Aussage des Konzerns darauf hin, dass sich eine Erdgaslagerstätte im großräumigen Gebiet Bad Fallingbostel befinden könnte. Mit Erkundungsbohrungen soll herausgefunden werden, ob tatsächlich eine förderbare Erdgaslagerstätte vorhanden ist. Ist dies der Fall, soll sie gegebenenfalls mithilfe weiterer Bohrungen zunächst vom selben Standort entwickelt und das Gas gefördert werden. In der zweiten Jahreshälfte sollen Platzbau und die Bohrung erfolgen. 

Der Produktionstest erfolgt nach aktueller Planung 2020. Vermilion hatte 2016 die Rechte erworben, in der Region Heidekreis und im benachbarten Bleckwedel nach Erdgas zu suchen und gegebenenfalls zu fördern. Geowissenschaftler haben laut Mitteilung die vorhandenen Datensätze zur Untergrundbeschaffenheit der Region untersucht. Die Analysen hätten zu einer positiven Einschätzung geführt. Die vermutete Lagerstätte liegt in einer Tiefe von etwa 4 600 Metern. Sie besteht aus Sandsteinen, die der geologischen Zeiteinheit des Rotliegenden zuzuordnen sind.

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