Ausstellung am 25./26. August

„Bilder aus dem Exil“: Kulturzentrum Lehnsheide zeigt Werke von Mónica Weiss

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Gabriele Knapp (l.) und Inge Hansen-Schaberg sind froh, dass sie im Kulturzentrum Lehnsheide einen neuen Ort für die Werke von Mónica Weiss gefunden haben.

Visselhövede - Von Joris Ujen. Was einst als Soldatenwohnblock und zwischenzeitlich auch als Notunterkunft für Flüchtlinge diente, ist seit anderthalb Jahren ein Ort der Kreativität.

Immer mehr Kunstschaffende jeglicher Profession mieten sich Räume im Gebäude 4 des Gewerbe-Campus Lehnsheide in Visselhövede. 1000 der insgesamt 1800 Quadratmeter großen Fläche sind schon vergeben. „Und alle, die seit Anfang an dabei sind, sind noch immer hier“, freut sich Willi Reichert, der das Kulturzentrum „ArtOutlet“ verwaltet. 

Damit die Kunst auch der breiten Öffentlichkeit präsentiert werden kann, lädt der ehemalige Turmwächter zur nächsten Kunstausstellung für den 25. und 26. August ein. Passend zur Vorgeschichte als Flüchtlingsunterkunft, stellen Inge Hansen-Schaberg und Gabriele Knapp Werke der Künstlerin Mónica Laura Weiss aus unter dem Titel „Transit – Bilder aus dem Exil“, an beiden Tagen jeweils von 11 bis 18 Uhr.

Es ist eine bedrückende Geschichte, die die Bilder von Weiss erzählen. „Wenn ich ihre Werke betrachte, bekomme ich sofort Gänsehaut“, sagt Reichert, „und obwohl sie etwas Schlimmes zeigen, sind sie dennoch so schön.“ Denn sie befassen sich unter anderem mit der Exilgeschichte der aus Dresden stammenden jüdischen Familie Weiss, die während der Nazi-Diktatur die Flucht ergreifen musste.

Weiss’ Mutter sammelte viele Erinnerungsstücke aus dieser Zeit: Briefe, Fotos, Ansichtskarten, Ausweise, Landkarten und vieles mehr. Diese Überbleibsel inspirierten ihre Tochter, die heute in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires lebt.

Endlich ein dauerhafter Platz für Weiss’ Werke

„Mónica Weiss versucht in ihren Bildern, die Schatten, die auf der Familiengeschichte liegen und auch ihre Kindheit belasteten, zu erhellen. Licht in das Dunkel zu bringen“, beschreibt Inge Hansen-Schaberg die Werke. 

Die Vorsitzende des Fördervereins Cohn-Scheune organisierte in dem gleichnamigen Rotenburger Museum bereits Anfang 2017 die Ausstellung „Transit“. Damals und auch heute unterstützt sie Gabriele Knapp, die seit vielen Jahren zum Nationalsozialismus und zum Exil forscht und in der Bildungsarbeit in der Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz tätig ist.

Nach dem Ende der Ausstellung in Rotenburg lagerten sie die Exponate erst mal im Keller der Cohn-Scheune. Bis sie auf dem Visselhöveder Campus an der Celler Straße 60 einen dauerhaften Raum dafür fanden. Betrachtet man die Werke von Mónica Weiss, fallen viele Details erst auf den zweiten oder dritten Blick auf. 

Mutter Marion führte ein Reisetagebuch auf Hebräisch

Interessant ist zum Beispiel das Tagebuch der Mutter, Marion Clara Reizes. Die damals 14-Jährige hat die beschwerliche Flucht vor den Nationalsozialisten von Dresden über Palästina und Indien, dann auf dem Seeweg über Südafrika nach Buenos Aires auf Hebräisch in einem Reisetagebuch festgehalten. 

Mónica Weiss ließ die Schriften ihrer Mutter ins Deutsche und Spanische übersetzen und gestaltete daraus eine bebilderte Collage. Die ist ein Teil der Ausstellung neben vielen weiteren Werken, „die übrigens auch käuflich erworben werden können“, teilt Hansen-Schaberg mit.

Sie und Knapp sind begeistert von dem kreativen Ort in Visselhövede. Und das ist auch Willi Reichert. Ihn hatte Campus-Eigentümer Joachim Behrens damals angesprochen, ob er Lust habe, das Kulturzentrum aufzubauen. „Wir haben es einfach probiert, hätten aber nicht gedacht, dass es zu solch einer Erfolgsgeschichte wird“, so Reichert. 

Eine Kreativ-Schmiede für viele verschiedene Künstler

Seitdem hat sich der Wohnblock förmlich zu einer Kreativ-Schmiede mit verschiedensten Künstlern entwickelt: Fotografen, Maler, Bildhauer, Kunstlehrer, Künstlergruppen, Kunsttherapeuten, Musiker, Kunstsammler, Street-Art-Künstler und passend dazu auch Kunstkritiker lassen hier ihrer Kreativität freien Lauf. Es ist auch ein Ort des Austauschs und es sind schon einige Kooperationen entstanden.

Wer mehr über das Kulturzentrum „ArtOutlet“ erfahren möchte, meldet sich direkt bei Willi Reichert unter Telefon 04262 / 3054973, E-Mail an artoutlet@jbs.gmbh oder besucht die Facebook-Seite „ArtOutlet“.

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