Rund 250 Besucher hören „Zero Waste“-Autorin Olga Witt zu

„Weniger Konsum, mehr Glück“

Rund 250 Zuhörer verfolgten den Vortrag von Olga Witt. Fotos: Wieters

Visselhövede - Von Jens Wieters. Harald Gabriel und Elvira Schneider von der Gruppe „Vissel-for-Future“ kamen ins Schwitzen: 200 Menschen waren schon da, gut 50 standen noch vor der Tür. Also mussten noch Stühle herangeschleppt werden, aber fast alle waren vergriffen, sodass nur noch Stehplätze – auch außerhalb des Saals – zur Verfügung standen. Selbst Olga Witt kam aus dem Staunen nicht heraus: „Kaum zu glauben, so viele Menschen wollen hören, was ich zu sagen habe.“

Und das war eine ganze Menge. Olga Witt lebt mit ihrem Mann Gregor, seinen drei Töchtern und ihrem gemeinsamen Sohn in Köln. Sie war Architekten, hat den Job an den Nagel gehängt, um sich ganz dem Thema Müllvermeidung zu widmen. Sie bloggt auf zerowastelifestyle.de, schreibt Bücher wie „Ein Leben ohne Müll – Mein Weg mit Zero Waste“, ist Mitgründerin von Tante Olga, einem Kölner Unverpackt-Laden, und hält Workshops und Vorträge.

So wie am Montag auf Einladung der Gruppe „Vissel-for-Future“ im Haus der Bildung. Die 36-Jährige spannte während ihres gut einstündigen Vortrags mit anschließendem Frage-Antwort-Spiel einen weiten Bogen von Lebensmitteln, die möglichst unverpackt und biologisch und mit Tierliebe produziert gekauft werden sollten, bis hin zur Kleidung, die in Second-Hand-Läden gekauft oder auf Börsen getauscht werden sollte. „Ich zum Beispiel wechsele meine Wäsche erst, wenn sie anfängt zu riechen“, betonte Olga Witt, die sich auch nicht schminkt, „weil Zeit viel zu kostbar ist, als sie vor dem Spiegel zu verplempern.“

Der Aktivistin, die sich die Zähne mit Bambuszahnbürste und Zahnpasta in Tablettenform putzt, ist die immer weiter wachsende Plastikflut in der Umwelt ein gewaltiger Dorn im Auge: „Es gibt nahezu keinen Strand auf der Welt, der nicht vermüllt ist. Zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen gelangen jährlich in unsere Ozeane. Durch den Abrieb unserer synthetischen Kleidung, Kosmetika und Autoreifen, durch unser gesamtes Konsumverhalten.“

Auch sie produziere Müll, wenn „zum Beispiel die Schuhe soweit heruntergelaufen sind, dass ich sie wegwerfen muss“, aber es dauere Wochen, „bis wir eine Tüte Müll aus der Wohnung heraustragen müssen – und das trotz der Kinder“.

Zero Waste bedeute ja auch nicht nur null Müll, sondern vor allem null Verschwendung. Witt nannte ein Beispiel: „Wir haben in unserem Mietshaus neun Parteien, die neun Bohrmaschinen besitzen, obwohl sie vielleicht nur einmal im Jahr ein Loch bohren müssen. Brauchen wir wirklich diese neun Maschinen, oder können wir uns nicht gegenseitig eine leihen?“

Weniger Konsum bedeute mehr Freizeit, mehr frische Luft, mehr Unabhängigkeit. „Wir sehen besser aus, leben gesünder und haben mehr Zeit für die Familie, wir erleben einfach das Glück. Durch eine lange Nutzungsdauer von Gegenständen, durch Wiederverwendung, durch Müllvermeidung und strukturiertes, geplantes, nachhaltiges Handeln sparen wir – und nicht nur Geld“, so die Kölnerin, die vor sieben Jahren ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt hat, und „damit sehr zufrieden ist“.

Olga Witt möchte vor allem zum Nachdenken und Hinterfragen anregen. „Dabei geht es ganz klar um bewusstes Einkaufen und Vermeiden von Müll und Verschwendung. „Zero Waste ist für mich aber auch eine ganzheitliche Lebensphilosophie geworden, denn die meisten Produkte, die wir konsumieren, hängen mit der Ausbeutung der Natur, anderer Menschen und Regionen zusammen. Eigentlich wissen wir das ja, aber wir verschließen die Augen davor.“

Witt gab den Besuchern mit auf den Weg, dass es nicht schwer und auch nicht teuer sei, ökologisch zu leben und sich von dem, was man zuviel hat, zu trennen. „Man muss nur einfach mal im Alltag damit anfangen. Nicht morgen, sondern heute!“

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