Immer weniger ankommende Menschen

Visselhöveder Notunterkunft ab Januar geschlossen

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Die meisten Wohngebäude der Visselhöveder Notunterkunft stehen mittlerweile leer. Nur noch 24 Menschen leben dort. 450 könnten es.

Visselhövede - Von Matthias Röhrs. Die Tage der Flüchtlingsnotunterkunft in Visselhövede sind gezählt. Seit Anfang des Jahres kommen immer weniger Menschen in die ehemalige Kaserne Lehnsheide vor den Toren der Stadt, zum Ende des Jahres läuft der entsprechende Vertrag zwischen dem Land Niedersachsen und dem Landkreis Rotenburg aus – und wird nicht verlängert. Wie die Zukunft der DRK-Angestellten vor Ort aussieht, bleibt offen.

Zwei Kinder spielen vor einem der Wohngebäude Fußball, eine Frau schaut zu. Beim Gemeinschaftsraum reden zwei Männer miteinander – das sind alle Flüchtlinge, die sich an diesem frühen Nachmittag draußen in der Sonne blicken lassen. Alle anderen sind im Info-Point der Unterkunft. Deutsch lernen.

Das Leben in der ehemaligen Kaserne Lehnsheide hat sich drastisch verändert. Wurden im Spätherbst 2015 die Menschen noch zu hunderten mit Reisebussen von den deutschen Grenzen an die Vissel gefahren, ist die Notunterkunft jetzt nur noch von 24 Geflüchteten die vorrübergehende Heimat. 450 Menschen hätten hier eigentlich Platz.

Bis zum 31. Dezember ist aber Schluss. „Das Land hat die Verwaltungsvereinbarung zum Betrieb der Unterkunft in Visselhövede gekündigt“, so Gerd Hachmöller, der Leiter der Stabsstelle Kreisentwicklung bei der Landkreisverwaltung. Eine weitergehende Nutzung durch den Landkreis über dieses Jahr hinaus sei derzeit nicht geplant. Er, seine Kollegen und viele Freiwillige haben die Kaserne im Oktober vergangenen Jahres praktisch über Nacht hergerichtet als das erste von drei Amtshilfeersuchen des Landes den Landkreis erreichte. Insgesamt 500 Flüchtlinge musste die Kommune spontan bei sich aufnehmen. Im Februar wurde die Visselhöveder Notunterkunft schließlich zur Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung in Bramsche umgewandelt. Zwischenzeitlich ist das Gelände auch in den Besitz der Firma JBS aus Scheeßel übergegangen, die den Bereich der Unterkunft an den Landkreis weitervermietet hat. Sie will ab Januar ihren Firmensitz dorthin verlegen und einen Gewerbepark etablieren.

Arbeitsplatz von 22 Angestellten

Ob überhaupt noch neue Flüchtlinge der Unterkunft zugewiesen werden, sei Hachmöller nicht bekannt. „Die weitere Entwicklung der Flüchtlingslage ist zurzeit nicht seriös einzuschätzen.“ Doch das Land werde die vorhandenen Plätze bis zum Jahresende vorhalten, um auf etwaige neue Zuströme vorbereitet zu sein.

Auch im Kindergarten der Unterkunft ist wenig los. Nur ein Junge und eine Betreuerin spielen hier. Sie sind gerade vom Erdbeerpflücken zurück. Die meisten Spielzeuge in den großzügigen Räumen sind ordentlich in den Regalen und Kommoden verstaut. Auf einem kleinen Tisch liegt ein unfertiges Puzzlespiel.

Die Notunterkunft ist der Arbeitsplatz von 22 Angestellten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aus Bremervörde. Im Dezember 2015, als es den Betrieb der Einrichtung vom Landkreis übernommen hatte, waren es noch 27. „Die Verträge mit dem Land und dem DRK wurden in Abhängigkeit zu den nur noch sehr niedrigen Bewohnerzahlen hinsichtlich der Kosten angepasst“, so Hachmöller. Einige von den Angestellten, die schön länger beim DRK arbeiten, werden wohl wieder anderen Einrichtungen zugewiesen – beispielsweise Leiter Lars Neugebauer, der schon ab August „andere Projekte betreuen soll“, heißt es.

Was mit den Angestellten passiert, deren Vertrag mit der Unterkunft endet, weiß auch Thomas Hechler, der stellvertretende DRK-Kreisgeschäftsführer, nicht. „Für uns endet das Arbeitsverhältnis“, sagt er. Allerdings seien Weiterbeschäftigungen möglich, sofern die Qualifikation stimme. So geschehen bei der mittlerweile geräumten Unterkunft in Schwanewede.

Das Problem: „Wir können nicht abschätzen, wieviele Flüchtlinge noch kommen“, sagt Hechler. Es gelte, einen Puffer bereitzuhalten. 22 Angestellte für 24 Flüchtlinge klinge erst einmal viel. Allerdings brauche man auch ein gewisses Personal, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.

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