Andrang am mobilen Labor des Vereins Gewässerschutz

Wassertest und Diskussion

Andrea Stockhausen-Scholz gibt Harald Gülzow eine Wasserprobe zur Analyse. Foto: Wieters

Visselhövede - Von Jens Wieters. Franziska Wachtmann will wissen, ob ihr Nindorfer Brunnenwasser immer noch gut genug für ihre Reitpferde ist. Für Klaus Brunne aus Wittorf ist es ein Rätsel, dass sein Rasen im Sommer trotz intensiver Bewässerung in den Abendstunden viele braune Flecken hatte. „Kann es am Wasser aus meiner etwa 3,5 Meter tiefen Zisterne liegen?“, fragt Brunne Harald Gülzow. Der Physiker muss es schließlich wissen, denn er steht mit dem Labormobil des Vereins VSR-Gewässerschutz auf dem Visselhöveder Marktplatz und untersucht die Wasserproben, die ihm die Leute bringen.

Und das sind am Montagmorgen viele: Rund 50 nach nur rund einer Stunde. Sie haben Flaschen und Behältern aller Art im Gepäck und bitten Gülzow um eine Analyse. Eine Grunduntersuchung auf den Nitrat-, Säure- und Salzgehalt gibt es bereits für zwölf Euro. Diese Untersuchung wird sogar vor Ort durchgeführt, sodass die Bürger ihre Ergebnisse schon gegen Ende der Aktion abholen können. Umfangreichere Untersuchungen kosten mehr, sind aber auch zeitintensiver und werden im stationären Labor des Vereins in Geldern in Nordrhein-Westfalen erledigt. Dann gibt es exakte Daten über die Parameter wie Eisen, Phosphat oder Bakterien. Das Ergebnis dieser bis zu 99 Euro teuren Analysen wird mit einer Bewertung per Post zugesandt. Die Brunnenbesitzer werden mit ihren Messwerten aber auch nicht allein gelassen. Das Team des VSR-Gewässerschutz berät anhand der Messergebnisse, wofür das Brunnenwasser geeignet ist.

„Ich möchte aufgrund der aktuellen Diskussionen über die Gülleausbringung auf den Feldern und der damit oft verbundenen hohen Nitratwerte einfach mal wissen, wie es um mein Wasser bestellt ist“, sagt Andrea Stockhausen-Scholz aus Schwitschen. Sie tränkt ihre Pferde mit dem Wasser aus dem hauseigenen Brunnen und gießt natürlich ihre Blumen.

Jeder, der eine Probe bringt, wird von Gülzow zunächst gefragt, wofür er das Wasser nutzt. Dann wird alles aufgelistet, auf die Probe kommt ein Aufkleber, um Verwechslungen zu vermeiden. Die meisten Menschen wollen aber mehr wissen, als nur den Nitratgehalt. Darum werden die Flaschen für die spätere Untersuchung sorgfältig im Kleinbus verpackt.

„Auch wenn es politisch nicht ganz korrekt ist, nehmen wir am liebsten Kunststoffflaschen, weil Glas schon mal zu Bruch gehen kann“, sagt Gülzow.

Ute Kuhlmann aus Wittorf hat genau so eine Flasche mit und möchte ebenfalls wissen, ob all das, was sie aus dem uralten Brunnen ihres Hauses fördert, immer noch gut genug ist für ihre Pflanzen und Blumen im Garten. „Denn der Trinkwasserschutz und die Gefährdung des Grundwassers ist bei uns im Dorf schon ein Thema.“

Wohl auch aus dem Grund, weil der Konzern Dea unweit von Wittorf bei Grapenmühlen seit Jahrzehnten Lagerstättenwasser, das bei der Erdgasproduktion anfällt, ins Erdreich gepumpt hat. Die rund 800 000 Kubikmeter sollen zwar in eine Tiefe von 800 Metern gefördert werden, aber die Verunsicherung bei den Menschen rundherum ist groß.

Genauso bei den Visselhövedern: Die wissen zwar, dass Nitrat für den ungehemmten Algenwachstum des Gewässers Visselquelle verantwortlich ist, gerne hätten sie aber die Werte schwarz auf weiß. Die kann aber auch Harald Gülzow nicht bieten. „Ich habe mir den Teich angeschaut, aber im Augenblick sind die Pflanzen, die sich vom Nitrat ernähren, noch zu aktiv. Wir müssten bis zu deren Absterben im Spätherbst warten, um exakte Werte zu ermitteln.“

„Jetzt gebt aber nicht nur den Landwirten Schuld“, sagt ein Mann auf dem Marktplatz im Vorbeigehen. Die Visselquelle sei doch nur so stark belastet, weil die Abwasseranlagen der Stadt marode seien und in privaten Gärten zu viel Kunstdünger verwendet werde.

„So ist es nicht“, stellt Gülzow klar, der deutschlandweit unterwegs ist. „Es gibt zwar mal kaputte Kanäle. Aber ursächlich für die hohen Nitratwerte im Grundwasser in vielen Regionen ist die Überdüngung durch die Landwirtschaft. Das können wir klar feststellen.“ Die Ergebnisse der Analysen auch aus Visselhövede werden übrigens Ende des Jahres in Form einer Karte präsentiert.

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