Vortrag von Jürgen Cassier bei den Landfrauen in Jeddingen

„Wir leben mit dem Wolf“

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Wolfsberater Jürgen Cassier klärte seine Zuhörer über die aktuelle Situation der Tiere auf. Die Landfrauen erhielten von dem Redner im Jeddinger Hof unter anderem einen Einblick über die Verbreitung des Wolfes.

Jeddingen - Von Angela Kirchfeld. Zahlreiche Märchen, Mythen und Vorurteile schüren die Angst vor dem Wolf. „Er hat nun mal ein schlechtes Image. Dabei haben unsere Vorfahren ihn einst mit zur Jagd genommen. So entstand der Hund, der treueste Freund des Menschen“, verdeutliche Jürgen Cassier, der seit 2011 als ehrenamtlicher Wolfsberater im Landkreis Rotenburg arbeitet. Er hat am Freitag bei der Monatsversammlung der Landfrauen im Jeddinger Hof einen Vortrag gehalten zum Thema „Wir leben mit dem Wolf“.

„Als ich 1968 meine Ausbildung zum Berufsjäger absolvierte, wurde uns vermittelt, dass wir als ,Spitzenprädatoren‘, quasi die Stelle der Tiere einnehmen, die die Aufgabe haben, dass der Wildbestand nicht überhandnimmt, um so die Pflanzenfresser in Schach zu halten. Wenn nun die Wölfe zurückkommen, könnten wir wieder teilweise mit ihnen die Kontrollfunktion übernehmen.“

54 Prozent der Nahrung des Wolfes beläuft sich laut Cassier auf das Rotwild, 22 Prozent auf Damwild und 0,6 Prozent sind Haustiere. Aktuell wurden 46 Rudel, somit rund 460 Tiere, in 65 Territorien in Deutschland von den Wolfsberatern registriert. Deren Aufgabe ist es, die Wölfe zu sichten und zu erfassen. „In Niedersachsen sind es 14 Rudel, wobei auch um Visselhövede ein Rudel erfasst wurde“, zählte der Referent auf.

National sind Wölfe seit 1992 geschützt

„Im Februar/März wirft die Fehe nach einer Tragzeit von 63 Tagen vier bis acht Junge, die nach elf bis 22 Monaten abwandern müssen. So bleiben das Elternpaar, das in Einehe lebt, die Jährlinge und die Welpen. Sie bilden mit rund acht bis zwölf Tieren ein Rudel. Die Zahl bleibt konstant“, betonte der Wolfsexperte und fügte hinzu: „Die Reviergrenze beträgt 200 bis 300 Kilometer. Jeder andere Wolf wird vertrieben, da hält das Rudel stark zusammen.“

Die Tötung der Tiere, das Nachstellen, Fangen oder Verfolgen ist gesetzlich untersagt. International sind die Tiere seit 1977 laut dem Washingtoner Artenschutzabkommen und national seit 1992 durch die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien geschützt. „Es dient zur Sicherung der biologischen Artenvielfalt. Wölfe fallen hier nicht ins Jagdrecht.“ In Sachsen hingegen sind sie seit 2013 ins Jagdrecht aufgenommen. „Da hat der Jäger die Verantwortung, egal ob es sich um einen Autounfall oder die Population betrifft. Das sollten die Leute, die hierfür verantwortlich handeln müssen, im Hinterkopf haben.“

Der Wolf: Ein perfekter Jäger

Es gebe aber Ausnahmesituationen: „In Cuxhaven wurde eine Fähe eines Wolfsrudels erschossen, der Rüde vom Auto überfahren. So waren die fünf Jungwölfe auf sich alleingestellt und bissen Schafe auf dem Deich, weil sie es nicht anders lernten. Normalerweise ist der Wolf ein perfekter Jäger, der per Kehlbiss sein Opfer tötet.“

Auch die Populationsdynamik halte sich auf natürlichem Weg in Grenzen und reduziere sich automatisch. Die Nahrungsverfügbarkeit bestimme das Territorium.

Die nächste Veranstaltung der Landfrauen findet am Mittwoch, 22. November, um 19.30 Uhr, im Café „NebenAn“ statt. Dann wird Dörte Mahnke, von der Buchhandlung Mauer Neues und Spannendes aus der Bücherwelt berichten, teilt der Verein in einer Pressenotiz mit.

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