Schiene statt Autobahn

Von Visselhövede nach Österreich: Lange Reise für Holzzug

Eine große Anzahl Holzstämme liegen vor einem Lkw.
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60 Holzlastwagen würden für die Menge Holz benötigt, die in Visselhövede verladen werden.

In Visselhövede wird Holz auf Züge verladen. Nun hat sich einer von ihnen auf die bislang letzte Reise begeben: Es geht nach Österreich.

Visselhövede – Das Holz aus den Wäldern der Region findet auch überregional in Sägewerken gesicherten Absatz. Das ist wohl vor allem dem Logistikkonzept der Forstbetriebsgemeinschaft Verden (FBG) und der forstwirtschaftlichen Vereinigung Hohe Heide mit dem Holzverladebahnhof in Visselhövede zu verdanken. Auf dem ehemaligen Güterbahnhof werden Komplettzüge mit Holz beladen und auf die Reise zu den holzverarbeitenden Werken geschickt. Auf dieses Weise sind weniger Lkw auf den Autobahnen unterwegs. Jetzt ist ein Holzzug für die bisher längste Reise beladen worden: Über mehr als 1 000 Kilometer Schiene ging es nach Niederösterreich zu einem großen Sägewerk.

Mit Fördergeldern aus einem städtebaulichen Förderprogramm ist der Bahnhof in Visselhövede umgebaut worden. Er ist nun darauf ausgelegt, dass im großen Stil Holz verladen und gelagert werden kann. Das Gelände ist nun im Besitz der Waldkonsulting und der Genossenschaft Heidesand.

Heinrich Luttmann (v.l.), Gerd Röttjer und Hermann Ramme begutachten das Verladen und Rangieren auf dem Visselhöveder Bahnhof.

Die Züge werden als sogenannte Komplettzüge entweder nach Stendal zum Sägewerk oder nach Wismar zur Zellstofffabrik geschickt. Dadurch sei der Absatz der Hölzer aus der Region flexibler, obwohl die regionalen Sägewerke in Hemsbünde und in Ottersberg natürlich ebenfalls eine wichtige Rolle spielten und zwischen dem Vermarkter Waldkonsulting und den Verarbeitern eine vertrauensvolle, für die hiesigen Waldbesitzer wertvolle Geschäftsbeziehung entstanden sei. „Das hat uns bei den vielen Kalamitäten in den letzten Jahren sehr viel geholfen“, so Heinrich Luttmann als Vorsitzender der forstwirtschaftlichen Vereinigung Hohe Heide.

Mit dem Komplettzug, der zuletzt in Visselhövede beladen wurde, stieg der Holzvermarkter sogar in die internationale Direktvermarktung des nachwachsenden Rohstoffs aus der Heide ein. Ein ganzer Güterzug mit 40 Waggons mit insgesamt 2 500 Raummetern Kiefernholz hat sich auf den Weg nach Niederösterreich gemacht. „Damit fahren 60 Holzlaster weniger die rund 1 000 Kilometer über die Autobahn ins Nachbarland. Das macht unseren nachwachsenden Rohstoff besonders nachhaltig“, erklärte Luttmann. „In Österreich gibt es nicht so viel Kiefer wie bei uns in der Heide, und die Witterung spielte uns auch die Karten bei dieser Bestellung aus dem Alpenland“, schilderte das FBG-Vorstandsmitglied Hermann Ramme die Nachfrage aus dem Süden. Dort werde aus den Stämmen vielfältige Produkte vom Bau- und Schnittholz bis zur belastbaren Parkettzwischenschicht hergestellt. Die Faser aus der Kiefer gelte als belastbar und das Holz insgesamt schwerer als beispielsweise das Fichtenholz. Deswegen seien die Anwendungen wiederum spezieller als bei der Fichte, die in den Alpen die vorherrschende Nutzholzart sei.

Es dauert seine Zeit, bis alle Waggons beladen sind. Insgesamt 2 500 Raummeter Kiefernholz werden auf die Reise geschickt.

Mit dem Durchschnittspreis von 35 Euro pro Raummeter werde ein guter Erlös für die privaten Waldbesitzer erzielt. „Damit haben wir fast das Niveau von 38 Euro von vor der Krise am Holzmarkt erreicht, die von den Unmengen an Schadholz durch die vielen Kalamitäten verursacht wurde“, sagte Luttmann. Durch die Lagerungsmöglichkeit am Visselhöveder Bahnhof könne auch die Entwicklung am Absatzmarkt abgewartet werden. So liegen dort derzeit einige Raummeter Fichtenholz, die später auch als Komplettzug auf die Gleise gehen. Dieser spezielle Güterbahnhof biete somit die Flexibilität, die heutzutage im Rohstoffmarkt benötigt, wobei gleichzeitig die Kosten niedrig gehalten werden, damit die nachwachsenden Baustoffe konkurrenzfähig bleiben können. Bei anderen Verladestandorten, wie zum Beispiel in Verden, könnten die Stämme nämlich nur wenige Tage gelagert werden.

Nach der Beladung begannen die Rangierarbeiten durch den Bahndienstleister Pressnitztalbahn aus Jöhstadt (Sachsen). Die 40 Wagen mussten in zwei Tranchen à 20 Einheiten aufgeteilt werden, damit sie die erste Teilstrecke bis nach Langwedel bewältigen konnten. In Langwedel verband man die beiden Zugteile zu dem Komplettzug und die blaue Lok aus Sachsen zog die 2 500 Raummeter Holz aus der Heide in Richtung Süden zum Sägewerk in Niederösterreich.

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