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Visselhöveder „EigenArt“ geht neue Wege

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Von: Jens Wieters

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Vorsitzender Andreas Netter sowie Ralf Struck (r.) vom Visselhöveder Kultverein „EigenArt“.
Vorsitzender Andreas Netter sowie Ralf Struck (r.) vom Visselhöveder Kultverein „EigenArt“. © Wieters

Der Vorstand des Kulturvereins „EigenArt“ vermisst Veranstaltungen mit Publikum. Um das nach der Pandemie wieder zu begeistern, geht der Verein neue Weg und sucht andere Formate.

Visselhövede - Lange Zeit war es wegen der Pandemie sehr ruhig in der Visselhöveder Kulturszene: keine Musikveranstaltungen, keine Satire, keine Lesungen. „Einfach nichts, es ist schon sehr, sehr traurig“, klagt auch Andreas Netter, Vorsitzender des Vereins „EigenArt“-Kultur, der sich gemeinsam mit seinen Mitstreitern in der Vor-Corona-Zeit fast regelmäßig und das fast 20 Jahre lang über ein restlos mit Zuschauern gefülltes Heimathaus gefreut hat.

Aber da all das Jammern nichts nützt, haben sich Netter und Co. auch Gedanken gemacht, wie es weiter geht mit dem Programm des „EigenArt“, das jetzt intensiv für das zweite Halbjahr geplant wird. Und dabei wird es viel Neues geben, denn „wir werden nicht mehr nur das Heimathaus als Veranstaltungsort in den Fokus rücken, sondern uns öffnen für andere Standorte im Stadtgebiet und auch auf den Dörfern“, erzählt Netter. Denn was liege zum Beispiel näher, einen Abend mit einem politischen Kabarettisten im Saal des Rathauses stattfinden zu lassen, wo auch die politische Richtung Visselhövedes bestimmt werde?

Netter: „Wir haben jetzt schon ein paar Veranstaltungen hinter uns, bei denen wir das Heimathaus verlassen haben wie die großen Chorkonzerte in der Kirche oder auch Soloauftritte von Künstlern im Hotel Sonnentau. Und wir kommen zu dem Fazit, dass das super gelaufen ist und wir uns noch weiter öffnen werden, auch mit manchmal anderen Konzepten und Formaten für die Abende, um vielleicht auch noch ein breiteres Publikum anzusprechen.“

So seien die „EigenArt“-Macher dabei, eine Art Blues-Session für den Sommer auf die Beine zu stellen. „Die hatte es vor Jahren schon mal mit großen Erfolg gegeben. Die wollen wir wieder aufleben lassen.“ Dabei würden jetzt Gespräche mit den Bands geführt, die im Künstlerhaus „ArtOutlet“ in der ehemaligen Kaserne eingemietet seien. „Mit denen wollen wir künftig in einigen Bereichen enger zusammenarbeiten“, verrät der Vorsitzende, dem auch ein Open-Air im Bereich der Vissel-Seen am Haus der Bildung vorschwebt.

Mehr Mitglieder als vor Corona

Der kann im Übrigen nicht dabei auf eine volle Kapelle zählen, sondern auch bei der Zahl seiner Unterstützer. „Denn wir verzeichnen trotz der Corona-Pandemie keinen Mitgliederschwund. Ganz im Gegenteil: Wir haben sogar Leute dazubekommen, die mit dem Argument eingetreten sind, dass wir derzeit jede Unterstützung gut gebrauchen könnten – frei nach dem Motto: Jetzt erst recht!“

Während sich diese Bilanz des Vereins aktuell also richtig gut liest, steht es um die Finanzen der Kulturschaffenden nicht ganz so rosig. Schuld hat, na klar, Corona! „Denn wir wissen, wie sehr die Soloselbstständigen der Kulturbranche gerade unter den Auswirkungen der Corona-Maßnahmen leiden. Keine Auftritte, kein Geld. Wir haben aber im vergangenen Jahr bei den im Vorfeld ausgehandelten Gagen nicht geknausert, weil die Leute auch irgendwie überleben müssen“, berichtet Andreas Netter.

Aber diese Vertragserfüllung seit eigentlich wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen und habe natürlich die Kasse des Vereins enorm belastet, weil es halt keine Zuschauer oder teilweise nur sehr wenige Fans geben durfte. „Darum müssen wir jetzt erstmals in unserer langen Vereinsgeschichte doch darüber nachdenken, Fördergelder zu beantragen“, kündigt Netter an.

„EigenArt“-Archiv ist am Start

„Es war wirklich eine saumäßige Arbeit, aber jetzt ist sie fertig“, freut sich Ralf Struck, ehemaliger Vorsitzender des „EigenArt“. Gemeint ist das Archiv des Vereins, denn ab sofort sind so ziemlich alle Veranstaltungen der vergangenen 20 Jahre abzurufen. „Das sind exakt 321. Die sind nach Jahren geordnet, sodass man sich leichter durchklicken kann“, berichtet Struck. Fast alle Auftritte namhafter Künstler seien bebildert. „Manchmal sind sie zu klein, weil Daten verloren gegangen sind. Manchmal ist auch das Publikum abgebildet. Das kann nach vielen Jahren sehr amüsant sein, sich mal das mal anzuschauen“, wirbt Struck.

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