Janica Kirschke lebt in einem Tiny House

Visselhöveder „Tupperdose“ auf Rädern

Janica Kirschke vor ihrem Tiny House auf dem Visselhöveder Wüstenhof-Gelände.
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Janica Kirschke vor ihrem Tiny House auf dem Visselhöveder Wüstenhof-Gelände.

Visselhövede – „Schön klein, schön fein, vor allem mein und obendrein noch mobil!“ Janica Kirschke sitzt in der Sonne vor ihrem eigenen Haus. An sich nichts Besonderes. Nur ihr Eigenheim hat Räder und theoretisch kann sie es überall mit hinnehmen – vorausgesetzt, sie beauftragt einen großen Trecker oder besser noch einen Tieflader für den Transport.

Rund 75 000 Euro hat ihr Tiny House mit den Maßen zwölf Meter in der Länge und vier in der Breite gekostet. „Aber mit allem Zipp und Zapp“, sagt die Krankenschwester lachend und meint mit Zipp die beiden Klimageräte, die ihr 48 Quadratmeter-Haus im Sommer schön kühl halten, und mit Zapp den Pelletofen, der im Winter im kombinierten Wohn- und Essbereich für kuschelige Atmosphäre sorgt.

Relaxzone Wohnzimmer: Hier fühlt sich die Eigentümerin des Hauses auf Rädern richtig wohl.

Die Visselhövederin stand nämlich im vergangenen Jahr beim Thema Wohnen vor der Frage: Mieten oder kaufen? Und über Umwege ist sie auf Kai Stockhausen gestoßen, den Betreiber des Visselhöveder Wüstenhofgeländes. Der nutzt einen Teil seines riesigen Ferienareals als Ausstellungsfläche der Minihäuser, und Janica Kirschke hat sich nicht nur ein neues Zuhause ausgesucht, sondern auch gleich einen Stellplatz dazu gepachtet.

Die Küche ist mit allem Notwendigen ausgestattet.

„Denn eigentlich braucht man nur Wasser und Strom sowie einen Abwasseranschluss“, berichtet die 32-Jährige, die in dem Tiny House sogar noch Platz für ihre beiden Therapie-Hunde findet. Den Hauseingang hat Papa Uwe Kirschke mit Paletten und Holzdielen schick gemacht, und im Haus hat man nicht das Gefühl, in einem Wohnwagen zu stehen – nichts wackelt, nichts schaukelt. „Kann ja auch nicht, denn das Haus steht auf einigen Stützen, die die Räder entlasten“, informiert Kirschke.

Nach rechts geht es in die gute Stube mit vielen Fenstern. Links ist eine Küchenzeile verbaut mit Herd, Backofen, Spülmaschine und ein paar Schränken. Den Raum teilt eine Theke zum Essen auf Barhockern und einen Schritt weiter hat sich die 32-Jährige eine Lümmelecke mit Sofa eingerichtet. In idealer Entfernung hängt der Fernseher, den man durch seine Wandhalterung in verschiedene Ebenen dirigieren kann. Nur wenn man die Terrassentür öffnet, muss der Bildschirm ganz zur Seite geklappt werden. „Aber noch hat Papa die Terrasse ja nicht fertig“, so Janica Kirschke ein bisschen fordernd.

Tiny House mit nur 28 Quadratmetern Wohnfläche.

Und weiter geht es mit dem Rundgang in Miniaturausgabe. Es sind nur ein paar Schritte bis zum Bad, das erstaunlich groß wirkt und auch ist. Eine Dusche, ein Waschbecken, ein Klo sogar die Waschmaschine und Regale für Zahnbürste und Co. finden Platz. Steht die Tür zum Bad auf, heißt es allerdings Bauch einziehen, um zum „Abstellzimmer“ zu gelangen.

Trennung von vielen Dingen

„Denn auch das gibt es, wenn auch echt minimalistisch.“ Aber immerhin bietet der Raum eine Stellmöglichkeit für den Trockner und und Fläche zum Ablegen von Kleidungsstücken, das dürfen allerdings nicht zu viele sein. „Denn eines ist klar, man muss sich von so manchen Dingen und viel Ballast trennen, wenn man in solch ein Haus zieht.“

Darum habe sie im Vorfeld auch enorm ausgemistet und viel weggeworfen. „Denn Kleiderschränke kann man in solch ein Haus kaum hinstellen. Nur im Schlafzimmer ist dafür Platz.“ Das ist am anderen Ende des Hauses und ebenfalls lichtdurchflutet und bei Bedarf natürlich klimatisiert.

Das Badezimmer bietet überraschend viel Platz.

„Im Prinzip waren die Fenster und Türen vorgegeben, aber den Fußboden und die Küche sowie den Standort des Ofens und die Farbe des Dachs und der Fassade habe ich mir ausgesucht“, berichtet Kirschke. Bis das Haus per Tieflader Visselhövede erreicht hatte, musst Kirschke ein halbes Jahr auf die Fertigung ihrer „schicken Tupperdose“ warten.

Kunststoff ist nämlich der Hauptbestandteil des Hauses, sowohl Außenhaut als auch ein großer Teil der Innenverkleidung bestehen aus diesem Material. Dazwischen klemmt eine 13 Zentimeter starke Dämmung. „Wenn man das Haus nicht mehr mag, dann braucht mal eine Menge Gelber Säcke für die Entsorgung“, scherzt die medizinische Fachkraft. Auf dem Sofa liegend wollte Kirschke allerdings nicht auf eine Kunststoffdecke gucken, und darum hat sie eine Holzvertäfelung bestellt – das kostet natürlich extra.

Strom, Wasser und Abwasser – das reicht.

„Vermissen tue ich im Augenblick noch nichts. Allerdings habe ich auch die etwas luxuriöse Version eines Tiny Houses genommen, denn nur 28 Quadratmeter wären auf Dauer doch ein wenig eng“, hebt Kirschke mit Blick auf die Super-Mini-Ausstellungshäuser auf dem Gelände hervor.

Über das Aufstellen muss man sich vorher informieren, denn es gibt überall unterschiedliche Bestimmungen.

Janica Kirschke

Aber der Vorteil dieser Art des Wohnens liege klar auf der Hand: „Man hat keinen Vermieter, bei Ärger mit den Nachbarn oder wenn man an der See oder in Bergen leben will, nimmt man sein Haus einfach mit.“. Aber es sei nicht jeder Campingplatz für ein Tiny House geeignet und auch Wohnmobilstellplätze kämen nicht immer und überall in Frage: „Da muss man sich vorher informieren, denn nicht nur die Bundesländer, sondern auch die Landkreise haben unterschiedliche Bestimmungen.“

Aber aktuell fühle sie sich sehr wohl auf dem Gelände, sagt Janica Kirschke und schmiedet Pläne, wie die Terrasse aussehen könnte, schließlich kommt Papa Uwe ja gerade um die Ecke.

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