Bedeutende Frauen im Blick

Visselhöveder Ausschuss diskutiert Straßennamen

Schilderwald vor dem Visselhöveder Marktplatz.
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Die Hebamme Emmy Krüger ist die einzige Frau, nach der bisher eine Straße in Visselhövede benannt worden ist.

Viele Frauen haben das Leben in Visselhövede geprägt, aber auf den Straßenschildern sind sie nicht zu finden. Das ist bisher so, die Praxis wird aber gerade heftig diskutiert.

  • Straßen brauchen neue Namen.
  • Ausschuss vertagt Entscheidung.
  • Quellhorst-Straße genehmigt.

Visselhövede – Emmy Krüger (1915 bis 1997), immer nur Schwester Emmy genannt, hat in Visselhövede und umzu als Hebamme rund 5 000 Kinder auf die Welt gebracht – das ist sicherlich einmalig in der Region. Einmalig ist auch, dass es keine weitere Frau gibt, nach der eine Straße im gesamten Stadtgebiet benannt wurde. „Das muss sich ändern“, forderte Brunhilde Arps vom Visselhöveder Bauamt während der Sitzung des Ausschusses für Bauen und Stadtentwicklung am Donnerstagabend.

Denn das Gremium wollte eigentlich nur kurz die Namen für die geplante Straße im Neubaugebiet hinter der ehemaligen Mühle „Zollikoferstraße-Ost“ und für die neuen Straßen im Gewerbegebiet Lehnsheide vergeben. Doch daraus wurde nichts. Der Ausschuss hat die Entscheidung vertagt – zumindest, was die Straßen im Gewerbegebiet betrifft.

Denn trotz des am Montag gefeierten Weltfrauentags konnten sich die Politiker noch nicht dazu durchringen, die neuen Straßen nach verdienten Frauen zu benennen. So bleibt auch Arps‘ Vorschlag zunächst unberaten. Sie wollte die längste Straße im neuen Gewerbegebiet hinter der ehemaligen Kaserne passenderweise nach Bertha von Suttner benennen, der ersten Frau, die den Friedensnobelpreis bekommen hat.

Aber ganz so schnell wollte sich der überwiegend mit Männern besetzte Ausschuss nicht dazu durchringen. „Die Idee ist eigentlich gut“, betonte Michael Meyer (CDU). Der ist aber der Meinung, dass es eher lokale Persönlichkeiten sein sollten, nach denen Straße benannt würden. „So kann ich mir die ehemalige Bürgermeisterin Luise-Marie Quellhorst vorstellen. Aber eine Straße am Rand der Stadt würde ihr nicht gerecht. Mir wäre lieber eine Straße mehr im Zentrum“, so der Drögenbosteler. Für das Gewerbegebiet brachte die CDU die Vorschläge „Alte Kaserne“, „Lehnsheide“, „Eckstraße“, „Ihlenberg“ und „Zum alten Biwakplatz“ ins Spiel.

Torsten Burmester (SPD) will auch seine ehemalige Parteifreundin Annemarie Renger in Visselhövede verewigt sehen. „Sie hat lange Jahre in unserer Stadt gelebt und war Präsidentin des Deutschen Bundestags.“

Ich habe Probleme damit, dass Frauennamen die Straßenschilder in Gewerbegebieten zieren.

Eckhard Langanke (WiV)

Eckhard Langanke (WiV) hat „Probleme damit, dass Frauennamen die Straßenschilder in Gewerbegebieten zieren“ sollen: „Das passt irgendwie nicht.“

Seine Aussage brachte allerdings Dominik Oldenburg (SPD) auf die Palme: „Solche Aussagen grenzen schon an Diskriminierung und passen nicht mehr in unsere moderne Welt.“ Langanke wiegelte ab, dass er dem Vorschlag der CDU folgen würde, Straßen näher im Zentrum mit Frauennamen zu belegen.

Am Ende haben sich die Kommunalpolitiker bei der Namensvergabe für die Straßen im Gewerbegebiet auf Antrag von Pamela Helmke (CDU) vertagt, um in den jeweiligen Fraktionen ein weiteres Mal ausgiebig zu diskutieren. „Dafür haben wir auch die Zeit“, beruhigte Bauamtsleiter Gerd Köhnken die Gemüter.

Bei der „Zollikoferstraße-Ost“ herrschte aber Einigkeit: Die neue Zufahrt wird Quellhorst-Straße heißen – benannt nach dem ehemaligen Bürgermeister-Ehepaar Otto Quellhorst und Luise-Marie Quellhorst. Beide waren zwar SPD-Politiker, finden aber auch die Zustimmung der CDU-Fraktion. So konnte sich Brunhilde Arps bis jetzt zwar nicht ganz durchsetzen, aber immerhin taucht auch Luise-Marie Quellhorst auf – auch wenn der Vorname auf der Strecke bleibt.  jw

Luise-Marie Quellhorst war von 1970 bis 1974 Bürgermeisterin.

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