Visselhöveder Seniorenbeirat kritisiert Ampelschaltung

Sprint zum rettenden Bordstein

Klaus-Dieter Burmester an der Ampel an der Goethestraße
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Klaus-Dieter Burmester ist gut zu Fuß, aber er erreicht die andere Straßenseite nicht bei grüner Ampelphase. Gehbehinderte haben es noch schwerer.

Visselhövede – Klaus-Dieter Burmester ist noch gut zu Fuß, darum schafft er es auch, drei Viertel der Visselhöveder Goethestraße zu überqueren, bevor die sogenannte Bedarfsampel für Fußgänger an der Einmündung Wiesenstraße auf Rot springt. „Für jemanden, der mit einem Rollator unterwegs ist, wird es aber deutlich schwieriger, mit einem guten Gefühl und vor allem sicher die andere Straßenseite zu erreichen.“

Darum hatte Burmester während der Sitzung des Ausschusses für Senioren, Jugend, Sport, Kultur und Soziales das städtische Bauamt aufgefordert, bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde darum zu bitten, die Ampelphasen doch im Sinne der Gehbehinderten zu ändern. „Das werden wir auch tun“, versprach Brunhilde Arps vom Bauamt. Allerdings sei es so, dass die Autofahrer natürlich niemals losfahren dürften, wenn sich noch jemand auf dem Fußgängerübergang befindet. „Das gilt selbstverständlich auch, wenn die Ampel für die Autofahrer schon Grün zeigt.“

Burmester ist allerdings skeptisch, dass sich beim zuständigen Amt in Verden etwas regt. „Denn wir haben schon mal die Ampelphasen kritisiert und bekamen aber nur zu hören, dass sich jemand die Situation vor Ort angeschaut hätte und alles seine Richtigkeit habe.“

Wie lange eine Fußgängerampel Grün zeigt, ist laut Rechtslage vor allem eine Frage der Straßenbreite. Die Programmierer der Lichtzeichenanlage gehen nämlich davon aus, dass sich die Nutzer im Schnitt mit 1,2 Meter pro Sekunde von Straßenseite zu Straßenseite bewegen. Die Grünphase für die Fußgänger soll mindestens so lange dauern, dass sie die Mitte der gegenüberliegenden Fahrbahn erreichen – also etwa drei Viertel der Straße überqueren können. Die Intervalle sind folglich gar nicht darauf ausgelegt, die ganze Straße bei Grün hinter sich zu bringen.

Springt die Ampel auf Rot, muss man allerdings nicht gleich befürchten, sofort überfahren zu werden. Dann nämlich beginnt die sogenannte Schutzzeit, die in der Regel eigentlich sogar länger währt als die Grünphase. „Auch wenn ein Passant die Straße erst in der letzten Sekunde der Grünphase betritt, muss er noch ausreichend Zeit haben, den gegenüberliegenden Bordstein zu erreichen. Es muss also niemand umkehren und in Sicherheit hechten, nur weil die Ampel auf Rot springt“, heißt es dazu von Verkehrsexperten.

Von der Wiesenstraße aus gesehen wird die Situation an der Bedarfsampel noch unübersichtlicher.

„Aber genau das habe ich schon häufiger gesehen und diese Situationen wurden mir auch berichtet“, so Burmester. Seine Lösung: „Mir geht es vor allem darum, dass der Abstand vom Beginn der Rotphase für Fußgänger bis zum Beginn der Grünphase für die Autofahrer verlängert wird.“ Denn die Verkehrssituation an der Visselhöveder Goethestraße, auf der täglich rund 10 000 Fahrzeuge unterwegs sind, sei schon ein wenig speziell.

„Vor allem, wenn man von der Wiesenstraße aus nach links auf die Goethestraße in Richtung Kreisel einbiegen will und auf dem Parkstreifen größere Autos stehen, muss man weit nach vorne fahren, um die Verkehrssituation zu überblicken.“ Komme dann noch ein Radfahrer von links, werde es kompliziert. Entweder müsse der ausweichen oder der Autofahrer zurücksetzen. „Und wenn dann noch die Ampel Grün zeigt, obwohl noch Fußgänger den Überweg nutzen, wird es noch unübersichtlicher. Eine längere Pause zwischen Rot für Fußgänger und Grün für Autofahrer würde die Situation entspannen“, ist sich Burmester sicher.

Denn der Mann vom Seniorenbeirat hat nachgemessen: Eine Grünphase für die Fußgänger dauert exakt 5,22 Sekunden. Zu knapp für die 6,50 Meter breite Straße. Zwischen Beginn Rot für Fußgänger und Beginn Grün für Autofahrer sind es 2,93 Sekunden. „Ebenfalls deutlich zu wenig“, findet Burmester.

Eine ähnliche Problematik hatte auch der Sozialverband in der Visselhöveder Nachbarstadt Walsrode kritisiert. Dort dauert die Grünphase sieben Sekunden. „Für jemanden mit Rollator ist es quasi unmöglich, innerhalb der Zeit über die Bundesstraße zu gehen“, hieß es vom SoVD. Das Verdener Landesamt für Straßenbau und Verkehr sieht allerdings wenig Handlungsspielraum: Wenn die Ampeln anders geschaltet würden, verstopfe der Verkehr, sagt Behördenleiter Rick Graue. Wohl auch ein Argument aus Sicht der Behörde, dass die Schaltung in Visselhövede als soweit okay beurteilt wurde.

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