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Visselhöveder Präventionsrat sucht Paten für geflüchtete Menschen

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Von: Jens Wieters

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Die Familie aus Kolumbien, Gemeinwesenarbeiter Christian Oddoy (r). und Flüchtlingspaten.
Die Familie aus Kolumbien, Gemeinwesenarbeiter Christian Oddoy (r). und Flüchtlingspaten. © Wieters

Die Unterstützung für eine aus Kolumbien geflohene Familie zeigt: Das Helfernetzwerk in Visselhövede funktioniert. Dennoch hoffen Gustav Stegmann, Vorsitzender des Präventionsrats, sowie der Gemeinwesenarbeiter Christian Oddoy auf weitere Mitstreiter.

Visselhövede – „Die Hilfe der Paten hat uns das Einleben in Visselhövede ungemein vereinfacht“, sagt Vanessa. Die Jugendliche, deren Nachnamen wir aus Sicherheitsgründen hier nicht nennen, hatte mit den beiden jüngeren Brüdern und ihren Eltern Kolumbien Hals über Kopf verlassen müssen, weil „wir dort wegen der Politik nicht mehr sicher waren“, wie sie betont.

Die Familie hat in Visselhövede eine neue Heimat gefunden, „in der wir sehr glücklich sind“. Aber das sei zu großen Teilen das Verdienst der sogenannten Flüchtlingspaten, „die uns bei allen möglichen Alltagsdingen, aber auch natürlich beim Ausfüllen der vielen Behördenpapiere helfen“, sagt Vanessa, die aktuell noch überwiegend auf Englisch kommuniziert, aber schon fleißig Deutsch lernt.

„Und diese Dankbarkeit der Menschen ist für uns schon Lohn genug“, sagt Gustav Stegmann, Vorsitzender Präventionsrats, der auf diesem Wege hofft, weitere Paten für die Menschen zu finden, die von einem Tag auf dem anderen sich in einer für sie völlig neuen Welt zurechtfinden müssen.

Fehlende Sprachkenntnisse als größtes Problem

„Gerade der Schriftkram ist nicht zu unterschätzen, denn bei den Anträgen der Behörden müssen auch gewisse Fristen gewahrt werden, sonst könnte es enorme Nachtteile für die Flüchtenden bedeuten. Und auch die Anschaffung der Schulbücher mit einigen Anträgen müssen die Menschen erst einmal verstehen, weil es so etwas in ihren Ländern kaum gibt“, erläutert Doris Corr, die seit dem Herbst 2015, als viele Menschen aus aller Herren Länder plötzlich in der Visselhöveder Kaserne untergebracht werden mussten, im Präventionsrat als Patin aktiv ist.

Bei der Ankunft seien vor allem die fehlenden Sprachkenntnisse das größte Problem, darum sind Corr und Co. immer mit der Dolmetscher-Funktion ihres Handys in der Hand unterwegs, „denn nicht jeder, der hier ankommt, kann gut Englisch“.

Aber auch die Alltagsdinge können für die Neuankömmlinge zu einem Problem werden: „Wo kauft man möglichst günstig ein? Wo finde ich Sport- und Freizeitangebote für die Kinder? Wie funktioniert die ärztliche Versorgung? All diese Dinge, die für uns selbstverständlich sind, kennen die Flüchtenden nicht und ohne Unterstützung wäre es ein echtes Dilemma“, so Corr.

Wir leisten einfache Hilfe zur Selbsthilfe.

Gustav Stegmann

„Wir leisten einfache Hilfe zur Selbsthilfe“, bringt es Stegmann auf den Punkt, der zu Hochzeiten auf rund 50 Menschen zurückgreifen konnte, die sich in irgendeiner Form eingebracht haben. Dazu gehörte die persönliche Betreuung der Menschen, aber auch Helfer, die Wohnungen auf Vordermann gebracht oder auch Transporte und Fahrdienste übernommen hatten.

„Jetzt sind wir leider nur noch rund acht Personen, die sich einbringen, aber so auch ein bisschen Druck von der Stadt nehmen“, so Stegmann mit Blick auf Heiko Grünhagen von der Stadtverwaltung, der sich um Wohnraum für die Geflüchteten kümmert. „Das ist auch zurzeit noch nicht das Problem“, so Grünhagen mit Blick auf das Kontingent, dass er vom Landkreis zugewiesen bekommt. Aber man wisse nie, wie viele Menschen an der Vissel eine neue Heimat finden würden, darum sei es immer gut, wenn die Stadt auf Mietangebote zurückgreifen könne.

„Wir können aber nur für die nötige Infrastruktur sorgen, der persönliche Kontakt bleibt dann ein bisschen auf der Strecke. Zum Glück haben wir den Präventionsrat, der für uns das Ohr an den Menschen ist“, so Grünhagen.

Paten werden nicht alleine gelassen

Stegmann hofft, dass es bald noch ein paar Ohren mehr werden, denn er benötigt aktuell jede Hilfe. „Und wer einmal in die glücklichen Gesichter der Menschen blickt, wenn irgendetwas dank unserer Hilfe geklappt hat, was sie allein nur mit enormen Schwierigkeiten hinbekommen hätten, dann ist das schon ein tolles Gefühl. Die Leute geben einem unheimlich viel zurück, das sich nicht in Geld aufwiegen lässt, sondern etwas mit Mitmenschlichkeit zu tun hat und obendrein viele Vorurteile abbaut.“

Visselhövedes Gemeinwesenarbeiter Christian Oddoy weist noch darauf hin, dass neue Paten nicht allein gelassen würden. „Wir haben ein großes Netzwerk aufgebaut und Interessierte werden von uns eine Weile begleitet und nicht ins kalte Wasser geworfen. Man kann also gar nichts falsch machen, wenn man uns anruft und gerne Pate für Flüchtlinge werden will“, so Oddoy.

Einfach anrufen

Der Visselhöveder Präventionsrat sucht dringend Paten für flüchtende Menschen, die in Visselhövede eine neue Heimat finden. Die Paten helfen beim Ausfüllen von Anträgen ebenso wie bei Alltagsdingen. Feste Zeiten gibt es nicht, jeder investiert so viel Ehrenamt wie er kann. Der eine macht mehr, der andere wenige. Gesucht werden auch Menschen, die Fremdsprachen beherrschen, weil die Sprachprobleme zunächst das größte Integrationshindernis für die Neuankömmlinge sind. Wer also Interesse an einer Art Patenschaft hat, sollte sich beim Vorsitzenden des Präventionsrats Gustav Stegmann unter der Telefonnummer 04262 / 3870 oder bei Christian Oddoy unter 04262 / 9198933 melden. Kontakt auch per Mail unter praeventionsrat@visselhoevede.de.

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