Bio soll weiter boomen

Viel Geld für das Visselhöveder Ökolandbauzentrum

Landespolitiker vor dem KÖN-Gebäude in Visselhövede
+
Infos aus erster Hand: Die Landespolitiker Eike Holsten (l.), und Marco Mohrmann (2.v.r.) mit dem Landratskandidaten Marco Prietz (v.l.), Andreas Jessen (Naturland), Yuki Henselek (Bioland und Carolin Grieshop (KÖN-Chefin).

Visselhövede – 15 Prozent. Das ist nicht nur eine Zahl, sondern ein Ziel – und zwar ein ehrgeiziges. Nämlich das des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen (KÖN), das an der Visselhöveder Goethestraße beheimatet ist. Im Rahmen des Niedersächsischen Weges soll der Ökolandbau-Anteil an der landwirtschaftlich genutzten Fläche von aktuell knapp fünf Prozent bis 2025 verdoppelt und bis 2030 auf 15 Prozent steigen.

„Und das ist auch zu schaffen“, sagt Carolin Grieshop, Geschäftsführerin des KÖN. Allerdings hat Niedersachsen im Vergleich zu anderen Bundesländern noch die Rote Laterne was den Anteil der Flächen angeht, die nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus bewirtschaftet werden.

Denn es ist viel Netzwerkarbeit nötig, um den aktuell noch konventionell arbeitenden Landwirt davon zu überzeugen, dass ökologisch erzeugte Produkte nicht nur besser sind für seine Kunden und die Verbraucher überhaupt, sondern ihm auch noch ein paar Euros in die Hofkasse spült, damit der Betrieb wirtschaftlich auch eine Zukunft hat.

Um dieses Netzwerk mit Leben zu füllen, wurde im KÖN eine Tochterfirma gegründet: die i-KÖN. Und damit der Betrieb gleich durchstarten kann, gibt es jetzt eine Stange Geld aus Hannover. Mit 750 000 Euro jährlich wird die Arbeit des Kompetenzzentrums jährlich gefördert. „Das ist natürlich ein wichtiger Baustein, um den Anteil der ökologischen Fläche in Niedersachsen zu erhöhen“, freut sich Grieshop, die das Schlusslicht im bundesweiten Ranking gerne abgeben will. Dazu gehört aber eine Menge Überzeugungsarbeit bei den Bauern.

„Auch wenn immer mehr Menschen Bio wollen. Da hat uns Corona natürlich auch positiv in die Karten gespielt. Denn in vielen Haushalten wird jetzt mehr selber gekocht und dann natürlich auch geschaut, wo die Lebensmittel herkommen und wie sie angebaut wurden“, betont die Fachfrau.

Laut Niedersächsischem Landwirtschaftsministerium haben die Deutschen 2019 knapp zehn Prozent mehr für Bio-Lebensmittel und -Getränke ausgegeben. Ob im Naturkostfachhandel oder im Discounter, ob beim Vollsortimenter oder bei den Direktvermarktern: Bio legte bei allen Vertriebswegen kräftig zu. Aber: „Die Importraten von Bio-Lebensmitteln sind nach wie vor sehr hoch“, so Grieshop. Daher sei eine Umstellung auf ökologischen Landbau eine Möglichkeit für die Bauern in Niedersachsen, neue Einkommenschancen zu entwickeln.

Gleichzeitig ist die Sorge einiger Bio-Landwirte zu spüren, dass der Markt trotz seiner dynamischen Entwicklung durch den zügigen Ausbau des Angebots stagnieren könnte, wenn die Nachfrage vielleicht mal abflaut. Für die Preise, die für Bio-Produkte erzielt werden, hätte dies sehr nachteilige Folgen.

Der angestrebte Ausbau der Öko-Landwirtschaft steht daher immer unter dem Druck, dass die Produkte auch genügend nachgefragt werden, damit der Markt die zusätzlich produzierten Mengen auch ohne Preisrückgänge aufnehmen kann.

„Und genau darum fördert das Ministerium das KÖN und andere Projektnehmer, um die Vermarktung und Verarbeitung von ökologisch erzeugten Lebensmitteln weiter anzukurbeln“, heißt es in der Begründung, die auch der Rotenburger Landtagsabgeordnete Eike Holsten (CDU) mit auf den Weg gebracht hatte.

Der hat sich jetzt gemeinsam mit seinen Parteifreunden, dem Landratskandidaten Marco Prietz sowie dem Landespolitiker Marco Mohrmann, in Visselhövede ein Bild gemacht, wie das KÖN vor Ort arbeitet. Carolin Grieshop sowie Yuki Henselek (Bioland) und Andreas Jessen (Naturland) informierten über die Entwicklung des Ökolandbaus im Landkreis, der sich laut Grieshop im Landesvergleich im Mittelfeld tummle. Aber auch im Landkreis stellen jedes Jahr mehrere bisher konventionelle Betriebe auf Ökolandbau um.

„Als besondere Herausforderung erweist sich dabei vor allem die Genehmigung von Baumaßnahmen. So sei beispielsweise gesellschaftlich gewollt, den Tieren mehr Platz zu geben. Hierfür notwendige neue oder größere Ställe lassen sich jedoch oft nur mühsam genehmigen“, kritisierte Grieshop.

„Wir sollten sowohl die Weiterentwicklung der konventionellen Landwirtschaft als auch die Perspektiven des Ökolandbaus seitens Politik und Verwaltung unvoreingenommen, konstruktiv und positiv begleiten“, entgegnete Prietz.

Nach Überzeugung des Agrarpolitikers Marco Mohrmann ist die Umsetzung des Niedersächsischen Weges gut gestartet. „Die wachsende Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln aus heimischer Erzeugung bedienen zu können, ist ein wichtiger Baustein.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Lehrer der Eichenschule verabschieden sich in den Ruhestand

Lehrer der Eichenschule verabschieden sich in den Ruhestand

Lehrer der Eichenschule verabschieden sich in den Ruhestand
Glüsing will nicht mehr Visselhövedes Bürgermeister werden

Glüsing will nicht mehr Visselhövedes Bürgermeister werden

Glüsing will nicht mehr Visselhövedes Bürgermeister werden
Kleines Format der „Summer Sensation“: Eskalation mit Vernunft

Kleines Format der „Summer Sensation“: Eskalation mit Vernunft

Kleines Format der „Summer Sensation“: Eskalation mit Vernunft
Gerald Lutz kandidiert für das Bürgermeisteramt in Visselhövede

Gerald Lutz kandidiert für das Bürgermeisteramt in Visselhövede

Gerald Lutz kandidiert für das Bürgermeisteramt in Visselhövede

Kommentare