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Visselhöveder KÖN optimistisch: „Bio-Bauern meistern Krisen“

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Von: Jens Wieters

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Weil der Ökolandbau keine chemischen Unkrautvernichtungsmittel einsetzt, wird gestriegelt. Ein Striegel fährt durch die Kulturen und reißt das Unkraut in einem sehr frühen Stadium aus. Auch solche Anschaffungen müssen Landwirte, beachten, wenn sie auf Ökolandbau umstellen wollen.
Weil der Ökolandbau keine chemischen Unkrautvernichtungsmittel einsetzt, wird gestriegelt. Ein Striegel fährt durch die Kulturen und reißt das Unkraut in einem sehr frühen Stadium aus. Auch solche Anschaffungen müssen Landwirte, beachten, wenn sie auf Ökolandbau umstellen wollen. © Kühlmann

Die hohe Inflation bremst den Umsatz von Bio-Lebensmitteln. Im Visselhöveder Kompetenzzentrum ist man aber optimistisch: „Denn Bio-Bauern meistern die Krise.“

Visselhövede – Die hohe Inflation von rund zehn Prozent hat auch den Konsum von Bio-Lebensmitteln in den vergangenen Monaten enorm gebremst. Schlimmer noch: Der Bio-Markt erlebe gerade den schlimmsten Einbruch seit 35 Jahren, wird Götz Rehn, Gründer und Chef der Bio-Marke Alnatura, in der Fachzeitschrift Manager-Magazin zitiert. Die Zeit der Rekorde sei vorbei, die Umsätze brächen ein.

„Konsumenten kaufen heute auch nicht weniger Bio-Lebensmittel“, entgegnet hingegen Carolin Grieshop, die Geschäftsführerin des Visselhöveder Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen (KÖN). „Die Verbraucher kaufen preisbewusster. Das schwächt zwar zurzeit die Direktvermarkter, wird aber nicht so bleiben. Die Konsumenten werden sich bald wieder den regionalen Bio-Produkten zuwenden“, ist sich Grieshop sicher.

Bisher haben in Niedersachsen jedes Jahr 150 bis 200 konventionell wirtschaftende Landwirte ihren Betrieb auf Ökolandbau umgestellt. Die offiziellen Zahlen für das vergangene Jahr sind laut KÖN noch nicht veröffentlicht, sie würden den Spitzenwert von 2021 aber sicher nicht erreichen. Die Erzeugerpreise seien hoch und viele konventionell wirtschaftende Landwirte seien mit ihrer ökonomischen Situation gerade sehr zufrieden. Das bremse ihr Interesse am Ökolandbau.

„Aber aus drei Gründen lohnt es sich für Landwirte jedoch gerade jetzt, die Umstellung für sich durchzurechnen“, unterstreicht Carolin Grieshop. Der wichtigste Grund, sich jetzt mit Ökolandbau zu befassen, sei die vor allem die Stabilität des Ökolandbaus. „Unsere Erfahrung ist, dass Ökobetriebe widerstandsfähig sind. Sie überstehen Krisen. Sie gehen in schwierigen Zeiten nicht unter.“

Carolin Grieshop
Carolin Grieshop © KÖN

Zwar sei der Umsatz mit Bio-Produkten im vergangenen Jahr um vier Prozent geschrumpft. „Aber dabei muss man bedenken, dass wir von einem sehr hohen Niveau ausgehen“, betont auch KÖN-Sprecherin Ulrike Hoffmeister. Denn in den Corona-Jahren 2020 und 2021 sei der Umsatz um zusammen 30 Prozent gestiegen. „Während der Pandemie haben sich die Menschen mehr Gedanken über eine gesunde Ernährung gemacht“, so Hoffmeister.

Der zweite Grund, sich als Landwirt jetzt mit der Umstellung auf Ökolandbau zu beschäftigen, sei die Erfahrung, dass sich Erzeugerpreise sehr schnell änderten. „In zwei, drei Jahren nach dem Krieg und der Energiekrise sieht die Welt hoffentlich anders aus“, betonen Grieshop und Hoffmeister. „Antizyklisch zu handeln, ist eine bewährte Strategie“, heißt es von der Visselhöveder Bahnhofstraße.

Umstellungssprechtage

Die nächsten sogenannten Umstellungssprechtage im Visselhöveder Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) sind an den Montagen 30. Januar, 27. Februar und 27. März jeweils von 10 bis 13 Uhr. Anmeldungen unter der Telefonnummer 04262 / 959300.

Dort sieht man auch einige Anzeichen, die auf eine Erholung des Bio-Markts zumindest in Niedersachsen hindeuten würden: „Eine Molkerei zum Beispiel sucht neue Bio-Milchlieferanten, die Preise für Bio-Milch, Bio-Ölsaaten und Bio-Backweizen steigen. Bio-Schweine sind ebenfalls sehr gefragt, allerdings müssen die Betriebe ihre Ställe umbauen.“

Dennoch könne es nie eine pauschale Empfehlung für Landwirte geben, auf Bio umzustellen, sondern es bedürfe immer einer sehr individuellen Betrachtung. „Wie sich Ökolandbau für einen Betrieb lohnt, das hängt von vielen Faktoren ab“, sagt Grieshop. So hätten 2020 vor allem größere Grünlandbetriebe umgestellt und jetzt würden sich eher verschiedene kleinere Betriebe zu den Umstellungssprechtagen des KÖN anmelden.

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