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Visselhöveder Kirchturmuhr läuft bald elektrisch

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Von: Jens Wieters

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Die Visselhöveder Kirchturmuhr steht seit einigen Tagen und wird elektrifiziert.
Die Visselhöveder Kirchturmuhr steht seit einigen Tagen und wird elektrifiziert. © Wieters

Egal zu welcher Tageszeit, die Visselhöveder Kirchturmuhr zeigt derzeit immer 12 Uhr an. Das mechanische Uhrwerk ist kaputt. Jetzt soll eine elektronische Lösung her.

Visselhövede – Egal, ob man frühmorgens an der Visselhöveder Kirchturmuhr vorbeifährt oder am späten Nachmittag, es ist immer 12 Uhr. Sehr zum Leidwesen der Visselhöveder St.-Johannis-Kirchengemeinde. „Denn leider ist das Uhrwerk kaputt und die Fachfirma kann es nicht mehr reparieren“, bedauert Kirchenvorstandsvorsitzende Hanne Meier-Zindler.

Dass die alten Zahnräder irgendwann mal nicht mehr richtig ineinandergreifen, war laut Meier-Zindler abzusehen: „Bereits 2019 hat uns das Unternehmen, das das Uhrwerk regelmäßig wartet, mitgeteilt, dass sich die Mechanik so langsam abnutzen würde. Und vor einigen Tagen war es schließlich soweit: Die Uhr blieb stehen. Sie ist ganz einfach kaputt.“

Ein mechanisches Uhrwerk besteht laut Mitteilung des Uhrmacherverbands aus mehreren Räderwerken. Die Kirchturmuhren an den vier Seiten der Turmspitze würden über einen gemeinsamen Achsantrieb gesteuert. Von jedem Ziffernblatt führe eine waagerechte Achse zu einem zentralen Getriebe, sodass die vier Uhrzeitanzeigen synchron liefen. In den meisten Kirchtürmen sorge heute ein Elektromotor an einer der vier Achsen einmal pro Minute für die korrekte Bewegung der Zeiger. „Mechanische Uhrwerke sind langlebig, erfordern jedoch Wartung und Pflege“, heißt es.

Auch die Visselhöveder Kirchengemeinde wollte schon lange die Mechanik gegen einen elektronischen Antrieb tauschen, der die vergoldeten Zeiger der vier Zifferblätter bewegt. Einen entsprechenden Antrag habe der Kirchenvorstand beim Kirchenkreis Rotenburg bereits 2019 gestellt und „auch eine positive Rückmeldung für die Finanzierung bekommen“, wie Meier-Zindler berichtet. „Aber leider hat das Amt für Bau- und Kunstpflege dabei ein Wörtchen mitzureden“, so die Vorsitzende zähneknirschend. Da es ein „sakrales Bauwerk“ sei, müsse die Verdener Behörde immer über alle Veränderungen informiert werden. Und nicht nur das: „Wir brauchen auch eine Genehmigung. Und die gab es bisher nicht, da das Amt auf dem Standpunkt beharrt hatte, dass es ein mechanisches Uhrwerk sein müsse, um den Charakter des Turms zu erhalten.“ Erst jetzt nach zwei Jahren vergeblichen Wartens auf eine Stellungnahme und einigen personellen Veränderungen in der Behörde, habe ihr der jetzt zuständige Sachbearbeiter versprochen, dass „er ein Angebot für die Elektrifizierung des Uhrwerks einholen werde“, wartet Meier-Zindler nun auf Post.

Denn so haben wir fast so ein Projekt wie die Elbphilharmonie in Hamburg oder der Flughafen Berlin: Es dauert doppelt so lange und ist dreimal so teuer

Hanne Meier-Zindler vom Kirchenvorstand

Die Behörde hatte ja auch bei der neuen Farbe des komplett aus Holz gefertigten Kirchturms, die vor gut eineinhalb Jahren aufgetragen wurde, die Finger im Spiel, denn einfach so einen Maler beauftragen, durfte die Kirchengemeinde damals ebenfalls nicht.

Als dann die silbrig-graue Farbe endlich drauf war, hatte das Amt festgestellt, dass ein Großteil des Fundaments aus Eichenbalken verfault war, weil sich konstruktionsbedingt über viele Jahrzehnte Regenwasser dort gesammelt hatte. Also mussten erneut Handwerker ran, und das faule Holz gegen gesundes tauschen. „Das hätte man vielleicht auch früher feststellen können“, so Meier-Zindler, die froh ist, wenn die Baustelle Kirchturm dann endgültig erledigt ist. „Denn so haben wir fast so ein Projekt wie die Elbphilharmonie in Hamburg oder der Flughafen Berlin: Es dauert doppelt so lange und ist dreimal so teuer.“ Zum Glück habe der Kirchenkreis das Fördergeld für das Uhrwerk zurückgehalten.

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