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Visselhöveder Kirchengemeinde bekommt eine besondere Skulptur

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Von: Jens Wieters

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Susanne Hoppe hat sich für die Skulptur aus Orgelpfeifen und einem Sofatisch Anregungen aus der Grafikerszene geholt.
Susanne Hoppe hat sich für die Skulptur aus Orgelpfeifen und einem Sofatisch Anregungen aus der Grafikerszene geholt. © Wieters

Die Visselhöveder Kirchengemeinde bekommt eine besondere Skulptur, die die Botheler Künstlerin Susanne Hoppe erschaffen hat: Ein Werk aus etwa 100 Jahre alten Orgelpfeifen. 

Visselhövede/Bothel – Der Holzwurm hatte nie eine Chance: Das ist aber auch kein Wunder, denn zwei Wochen bei minus 20 Grad in der Kühltruhe des Visselhöveders Bernd Luttmann – das hält auch der stärkste Holzbock nicht aus. „Und das ist auch gut so“, sagen Luttmann, der für ein Projekt der Visselhöveder Kirchengemeinde seine Truhe freigeräumt hatte, und die Künstlerin und Tierärztin Susanne Hoppe aus Bothel lachend. Hoppe ist es auch, die uralten Orgelpfeifen ein zweites Leben ermöglicht – und zwar als besondere Skulptur.

Das Ganze hatte seinen Anfang hoch oben auf dem Dachboden der Visselhöveder St.-Johannis-Kirche genommen. „Dort muss dann und wann auch mal aufgeräumt werden“, so Luttmann, Vertreter der Kirchengemeinde. Und in der hintersten Ecke haben die fleißigen Helfer ein ganzes Bündel von alten Orgelpfeifen gefunden. „Niemand weiß aber ganz genau, wo sie herstammen.“ Auch die Nachfrage bei Karl-Heinz Voßmeyer, der Orgelfachmann im Rotenburger Kirchenkreis, habe kein Ergebnis gebracht, „Nur so viel, dass es keine Ersatzpfeifen für die aktuelle Orgel sind“, berichtet Luttmann.

Bernd Luttmann und Susanne Hoppe hauchen den etwa 100 Jahre alten Orgelpfeifen neues Leben ein.
Bernd Luttmann und Susanne Hoppe hauchen den etwa 100 Jahre alten Orgelpfeifen neues Leben ein. © -

Eine Weile hätten die 20 Pfeifen dann unten in der Kirche gelegen, „aber irgendwie immer im Weg“. Und für den Ofen seien die Pfeifen zu schade gewesen. Dann sei ihm die zündendende Idee gekommen, die auch beim Kirchenvorstand Anklang gefunden habe.

„Wir haben uns an die Holzkünstlerin Susanne Hoppe erinnert, die schon einige Werke für die Brockeler Kirchengemeinde erschaffen hat“. Ruckzuck wurden die hölzernen Pfeifen von ihren Klangröhren aus Metall befreit und nach Bothel transportiert – und von dort postwendend zurück. „Die mussten erst tiefgekühlt werden, es waren zu viele Würmer drin“, so Hoppe,

Nach dem Gefriertod der Würmer durfte sie ihrer künstlerischen Schaffenskraft an den kleinen und auch größeren Pfeifen freien Lauf lassen. „Aber es hat eine Weile gedauert, bis zumindest der Entwurf endlich festgestanden hat“, betont die Veterinärin, die sich in vielen einschlägigen Büchern umgeschaut hat, wie man die Pfeifen in Szene setzen kann.

100 Jahre alte Pfeifen

„Am Ende stand fest, dass sie im Hintergrund stehen und vorn fünf gerade und zwei geschwungene Linien die Töne symbolisieren sollen, die die Pfeifen einmal von sich gegeben haben“, erläutert Hoppe. Ähnlichkeiten mit einem Notenschlüssel oder einer Tonleiter könne man vermuten, „man muss es aber nicht“, will Hoppe die Fantasie des Betrachters nicht im Vorfeld beschneiden.

Während die Bearbeitung der nun wurmlosen Holzpfeifen, die laut Fachfrau Hoppe mindestens 100 Jahre alt sein müssen, recht einfach war, „erst einmal grundreinigen und dann mit entsprechender Lasur behandeln“, musste sie bei den Linien schon etwas tiefer in die Trickkiste greifen. „Denn ich arbeite nur nachhaltig. Das heißt, ich musste mir irgendwo geeignetes gebrauchtes Holz suchen.“ Fündig wurde sie bei Ebay. Ein ausgemusterter Sofatisch kam unter das Sägeblatt und ist jetzt nicht mehr wiederzuerkennen. Aber auch das war nicht so einfach und besonderes handwerkliches Geschick war vonnöten, denn die Skulptur ist nicht nur breit und hoch, sondern eine hölzerne Linie führt auch geschwungen in die dritte Dimension. „So musste ich den Sofatisch zweimal ausschneiden und die Teile miteinander verbinden.“

Skulptur im Gemeindehaus zu sehen

Wie Orgelpfeifen und Couchtisch wirken, können Interessierte am kommenden Samstag, 25. Februar, ab 17 Uhr im Visselhöveder Gemeindehaus (Große Straße 8) bewundern. Denn die Kirchengemeinde wird dann nicht nur diese Skulptur, die danach einen festen Platz im Gebäude haben wird, präsentieren, sondern Hoppe bringt weitere Arbeiten mit, die alle irgendwie mit Kirche in Verbindung stehen.

Und in ihrer Garage in Bothel wartet schon das nächste Projekt, das auch wieder mit Ebay, Holz, einem künstlerischen Blick und ganz viel Geschick zu tun hat. Aber mehr wird noch nicht verraten.

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