Zu viele Aufgaben in der Freizeit

Visselhöveder Feuerwehr will hauptamtlichen Gerätewart

Niklas Brammer, Gerätewart der Ortswehr Visselhövede, setzt eine Warnlampe instand.
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Niklas Brammer, Gerätewart der Ortswehr Visselhövede, setzt eine Warnlampe instand.

Visselhövede – Bremervörde hat einen – sogar in Vollzeit. In Zeven ist die gleiche Stelle für 2023 geplant, und in Visselhövede soll zunächst mindestens eine 50-Prozent-Stelle für die Aufgaben eines hauptamtlichen Gerätewarts, der für alle Feuerwehren des Stadtgebiets zuständig ist, im städtischen Stellenplan des kommenden Jahres verankert werden. Das fordert Stadtbrandmeister Kai-Olaf Häring und rennt damit sowohl bei der Verwaltung als auch bei den Politikern offene Türen ein.

Allerdings hat die Sache noch einen Haken, denn mit dem kommenden Stellenplan muss sich der neue Rat beschäftigen, der sich aber erst Anfang November während seiner ersten Sitzung konstituiert.

Dennoch hofft Häring, dass es keine bösen Überraschungen geben wird, denn so wie jetzt sei die Arbeit von den ehrenamtlichen Gerätewarten der Ortswehren jedenfalls nicht mehr zu leisten. „Wir haben eine Vielzahl von neuen gesetzlichen Bestimmungen und Verordnungen, die allesamt erfüllt werden müssen. Die Aufgaben und die Vorgaben für ein sicheres Arbeiten in der Feuerwehr haben sich um ein Vielfaches erhöht, dieses kann nicht mehr alles durch Freiwillige abgedeckt werden“, wie der Visselhöveder Feuerwehrchef während der vergangenen Sitzung des Feuerwehrausschusses informierte.

„Zurzeit müssen die Männer und Frauen der Feuerwehren zum Beispiel für den Tausch von Schläuchen, das Füllen von Atemschutzflaschen, das Reinigen und Waschen von Atemschutzmasken und Lungenautomaten sowie zur Prüfung von Messgeräten zur Feuerwehrtechnischen Zentrale nach Zeven fahren. Dafür fallen je nach Verkehrsaufkommen obendrein noch 45 bis 60 Minuten Fahrtzeit an. Ein halber Tag ist so mal schnell weg“, hat Häring errechnet.

Während diese Fahrten noch halbwegs zu planen seien, werde es nach einem Einsatz noch problematischer: „Auf uns kommen noch weiter Aufgaben zu, die es vor einigen Jahren so noch nicht gegeben hat: So zum Beispiel das umfassende Hygienekonzept, oder aber auch die Einhaltung von Prüfintervallen und Reinigungen nach der seit 2018 neu geltenden Unfallverhütungsvorschrift.“

So richtig kompliziert ist heutzutage auch der Umgang mit der Einsatzkleidung: „Da sind die Kleiderkammern enorm gefordert. Es geht nicht nur um die Reinigung, sondern es muss digital nachgewiesen werden, dass die Überbekleidung der Atemschutzgeräteträger instandgehalten worden ist.“ Und das koste sehr viel Freizeit.

Reinigung von Einsatzkleidung kostet viel Zeit

Vor einigen Jahren hätte ein Gerätewart noch zwei bis vier Stunden pro Monat für diese Tätigkeiten aufwenden müssen. Jetzt werde die Kleidung mit einem Barcode versehen, der eingelesen und dokumentiert werden müsse. Häring: „Das bedeutet wiederum einen erhöhten zeitlichen Aufwand.“ Zudem kämen noch Aufgaben wie die Fahrzeuge in die Werkstatt bringen, Einbauten vornehmen, Wartungsdienste oder kleinere Umbau und Sanierungsarbeiten erledigen. „Grundsätzlich muss eine Frage neu überdacht werden: Wie viel Feuerwehr geht noch freiwillig?“

Darum sei es an der Zeit, erst einmal eine halbe Stelle zu schaffen. „Ich bin allerdings der Meinung, dass die Aufgaben noch mehr werden und wir in zwei bis drei Jahren über eine Vollzeitstelle sprechen werden“, so Häring.

Das seien alles nachvollziehbare Forderungen und über kurz oder lang ein Schritt, den „wir gehen müssen“, betonte Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel während der Sitzung. Nur müsse die Installation dieser Stelle mit Augenmaß geschehen. Aber grundsätzlich könne er sich vorstellen, so der Bürgermeister, der wegen der noch ausstehenden Wahl bis mindestens Ende März 2022 im Amt bleibt, dass sich vielleicht jemand findet, der zwar eine volle Stelle besetzt, aber die Hälfte der Arbeitszeit für andere Tätigkeiten in der Stadt einsetzbar ist wie zum Beispiel beim Bauhof oder als Hausmeister.

Tam Ofori-Thomas (SPD) brachte die Idee ins Spiel, sich einen hauptamtlichen Gerätewart „vielleicht mit einer anderen Kommune aus der Nachbarschaft zu teilen“. Das sieht wiederum Kai-Olaf Häring eher kritisch: „Das wird dann bei der Abrechnung sehr kompliziert und die Aufgaben für den Gerätewart werden immer mehr.“

Während Heiner Gerken (Grüne) keinen „hoch qualifizierten Gerätewart nur für Fahrdienste einsetzen“ will, forderte Pamela Helmke (CDU) „die Stelle möglichst schnell auszuschreiben und auch zu besetzen“.

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