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Visselhöveder Familie bangt um das Leben ihres Hundes

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Von: Jens Wieters

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Heike Böhling hofft, dass ihr Terrier-Mix Freddy das Gift überlebt, der Tierarzt hat wenig Hoffnung.
Heike Böhling hofft, dass ihr Terrier-Mix Freddy das Gift überlebt, der Tierarzt hat wenig Hoffnung. © Kirchfeld

Visselhövede – Eine schlaflose Nacht liegt hinter der Visselhövederin Heike Böhling. Sie und ihre Familie bangen um das Leben ihres Terrier-Mix Freddy. „Am Samstagnachmittag ging es bei Freddy mit starkem, wässrigem Durchfall los. Wir haben uns erst keine Sorgen gemacht, weil er öfter stressbedingt an Durchfall leidet“, erklärt Böhling, die ihren neunjährigen Liebling fest im Arm hält.

„Auch in der Nacht zum Sonntag musste er raus und morgens hat er sich übergeben.“ Als die Familie Blut im Stuhlgang ihres Hundes entdeckt, fahren Heike und Marc Böhling mit Freddy zum Tierarzt. Dort stellt Dr. Martin Rabe fest, dass der Hund offenbar vergiftet wurde. Er kann aber keine konkreten Angaben hinsichtlich des Gifts machen. Die Vermutung, dass es sich um Rattengift handelt, liegt aber nahe.

Der Veterinär tastet Freddys Bauch ab und diagnostiziert beim Röntgen, dass das Gift bereits den Darm perforiert hatte, weil sich Flüssigkeit im Bauchraum befindet. Der Fachmann macht der 51-jährigen Böhling keine große Hoffnung. „Wir müssen damit rechnen, dass Freddy stirbt. Die nächsten 14 Tage sind maßgeblich. Es hängt davon ab, wie groß die Dosis des Gifts war und wie stark das Tier ist“, erzählt die dreifache Mutter. Besonders tragisch ist die Tatsache, dass vor 15 Jahren bereits Böhlings Cocker Susi vergiftet worden war.

Visselhövedes Polizeichef Stefan Spillner informiert Hundehalter.
Visselhövedes Polizeichef Stefan Spillner informiert Hundehalter und sucht auch nach den Ködern. © Wieters

Freddy bekommt nun Tabletten gegen die Entzündung im Bauch und Novamin gegen die Schmerzen. Die Hundebesitzerin versorgt ihn mit Schonkost, obwohl er nur sehr wenig zu sich nimmt, und hält ihn warm. „Wir wissen nicht, ob er es schafft, aber er ist sehr tapfer.“

Sohn Fabian Böhling ist derzeit dabei, alle Hundebesitzer in der Nachbarschaft zu warnen. „Wer tut nur einem wehrlosen Tier so etwas an?“ ereifert sich auch Andreas Kirchner, Halter eines Golden Retrievers. Die Tierarztpraxis rät, im Notfall die Gifthotline anzurufen und bei Verdacht auf Vergiftung einen Tierarzt aufzusuchen. Die Schleimhäute seien bei einer Vergiftung blass, das Zahnfleisch hingegen knallrot. Vermehrter Speichel sei auch ein Indiz für eine Vergiftung. „Kohletabletten sollte darum jeder im Haus haben“, raten die Experten. Nun überlegt Familie Böhling, Strafanzeige zu erstatten. Über die Hundeplattform „Dogorama“ erfährt sie, dass in Wehnsen, in Paterbusch und an der Visselhöveder Straße Zum Limmer weitere Giftköder gefunden worden seien und ein weiterer Hund betroffen sei. „Wir vermuten, dass am Spielplatz am Geranienweg und auch am Wäldchen Zum Limmer Gift ausgelegt wurde, weil Freddy da intensiv schnüffelte und nicht wegzubekommen war“, erinnert sich Heike Böhling.

Die Visselhöveder Polizei nimmt die Hinweise der Hundehalter „sehr ernst“, wie Stationsleiter Stefan Spillner betont. Der Hauptkommissar macht sich am Mittwoch auf die Suche nach möglichen Giftködern im Bereich Zum Limmer und am Geranienweg, nachdem er über unsere Zeitung über die Vorfälle in Kenntnis gesetzt worden war. „Und das ist auch das Problem: Hundehalter, die etwas Verdächtiges entdecken, sollten sich sofort mit uns in Verbindung setzen, damit wir reagieren können und die Köder eventuell finden, bevor noch weitere Hunde das Gift aufnehmen. Einige Tage oder gar Wochen später nützen diese Informationen nicht mehr viel“, so Spillner. Das gelte nicht nur bei diesen Vorfällen, sondern für alle polizeirelevanten Themen: „Lieber einmal zu viel anrufen, als einmal zu wenig!“

Polizist Stefan Spillner sucht nach Giftködern
Polizist Stefan Spillner sucht nach Giftködern. © -Wieters

Aber trotz intensiver Suche findet Spillner nichts Auffälliges wie eine mit Giftstücken gespickte Wurst oder ähnliche Hundeleckerlis, was angesichts des Laubs und des Bewuchses an den Wegen auch nicht weiter verwundert. Aber dennoch nutzt der Beamte die Gelegenheit, Hundehalter, die ihren Vierbeiner spazieren führen, über eine mögliche Gefahr zu informieren, damit sie ihre Lieblinge beim Gassigehen in den nächsten Tagen etwas genauer im Blick haben.

Das Visselhöveder Ordnungsamt ist in diesem Fall allerdings nicht zuständig, sondern das Veterinäramt des Landkreises, das nach einer entsprechenden Anzeige auch tätig werde, wie Polizist Spillner betont. Wird einem Verursacher übrigens ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz nachgewiesen, drohen ihm empfindliche Strafen, wie es im Paragrafen 17 heißt: „Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.“

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