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Visselhöveder Carsharing wird kaum genutzt

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Von: Judith Tausendfreund

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Das Carsharing-Auto steht an der Goethestraße. Und das sehr oft.
Das Carsharing-Auto steht an der Goethestraße. Und das sehr oft. © Tausendfreund

Seit April 2021 halten die Stadtwerke Rotenburg ein Carsharing-Angebot in Visselhövede vor. Es lohnt sich allerdings kaum, nur vier Buchungen monatlich gibt es im Schnitt. Die Bedingungen auf dem Land sind einfach andere als in der Stadt, erklären die Stadtwerke.

Visselhövede – In Zeiten von Energieknappheit, hohen Kosten durch die Inflation und steigenden Preisen auf allen Ebenen ist das Thema Carsharing wichtiger denn je. Denn durch das Teilen eines Autos können Ressourcen gespart werden, Mobilität kann ohne ein eigenes Auto umgesetzt werden. Auch die Kosten für ein eigenes Auto können eingespart werden. Viele Anbieter fahren zudem mit E-Autos, sodass beim Fahren keine Schadstoffe verursacht werden.

Doch gerade in eher ländlichen Regionen stoßen die Konzepte von Carsharing schnell auf Grenzen. Denn klassische Anbieter wie zum Beispiel Cambio, Share Now, Flinkster und andere Unternehmen rechnen betriebswirtschaftlich. Das bedeutet, ein Einsatz der Fahrzeuge lohnt sich nur ab einer gewissen Teilnehmerzahl – und diese wird eben in ländlichen Regionen nicht so schnell erreicht. Daher sucht man hier vergebens nach den Sharing-Autos.

Seit April 2021 setzen die Rotenburger Stadtwerke in Visselhövede ein Carsharing- Angebot um, nachdem man in der Kreisstadt das Angebot schon seit Oktober 2019 vorhält. Entstanden ist die Möglichkeit durch eine Kooperation der Stadtwerke mit der Stadt Visselhövede. Das Elektroauto Zoe des französischen Herstellers Renault darf bundesweit genutzt werden und ist ohne Grundgebühr mietbar. Gefahren wird mit 100 Prozent Ökostrom. Das Auto steht zentral am Visselbad direkt an der Goethestraße – allerdings steht es dort zumindest noch zu oft.

Die Nutzerzahlen könnten besser sein. Aktuell, diese Auskunft gibt Hajo Buthmann, bei den Stadtwerken für E-Mobilität zuständig, sind es etwa vier Buchungen pro Monat. Insgesamt wurde das E-Auto seit dem Start im letzten Jahr 60 Mal in Anspruch genommen. 170 registrierte Nutzer zählen die Stadtwerke inzwischen, allerdings für Visselhövede und Rotenburg zusammen. Wer sich etwa in Visselhövede registriert, kann das Sharing Angebot auch in Rotenburg nutzen und umgekehrt.

„Da gibt es schon noch deutliches Potential nach oben“, so der Buthmann. Vor allem in der Woche seien immer noch viele Termine frei. Der Wagen kann tageweise oder stundenweise genutzt werden. Dabei fallen fünf Euro pro Stunde und 15 Cent pro Kilometer als Kosten an. Wer das Angebot in Anspruch nehmen möchte, muss sich registrieren, über einen QR-Code geht das allerdings innerhalb von zehn Minuten. „Wer also möchte, kann das Fahrzeug auch ad hoc nutzen“, erklärt Buthmann.

Hinderlich ist möglicherweise die fehlende Möglichkeit, den Wagen an einer beliebigen Stelle wieder abzugeben. So kennt man die Carsharing Angebote aus größeren Städten. Doch hier in Visselhövede muss der Wagen exakt an der Stelle wieder geparkt werden, an der er abgeholt wurde. Wer also einen Weg von A nach B ohne Rückweg plant, dem nützt das Auto erst mal nichts. Auch ist es nicht möglich, einen Wagen in Visselhövede zu mieten und diesen in Rotenburg abzustellen, obwohl in beiden Städten derselbe Anbieter vor Ort ist.

Es muss immer jeweils der Rückweg mit eingeplant werden, auch muss der Wagen an der Abholstelle wieder geladen werden. „Die App erkennt das und verweigert ansonsten die Rückgabe“, so Buthmann.

Diese Hürde ist der ländlichen Umgebung geschuldet. „In den Städten funktionieren Sharing-Angebote einfach anders, denn dort sind so viele Menschen mit den Autos unterwegs, dass diese auch von allen Abstellplätzen automatisch wieder an andere Stellen bewegt werden“, beschreibt der Stadtwerke-Mann die Situation vor Ort. Auf der anderen Seite sei es eben aber so, dass diese klassischen Systeme in den ländlichen Regionen erst gar nicht Fuß fassen. Von daher ist das Angebot der Stadtwerke durchaus ein Schritt in die richtige Richtung. „Wir wissen, dass wir auch Nutzer aus der älteren Generation haben, die Handhabung des Angebots ist komfortabel.“ Auch habe es noch nie Probleme mit Ladesäulen gegeben, alle Nutzer des Autos hätten stets überall problemlos „tanken“ können. Diejenigen, die das Angebot bisher nutzen, planen dabei durchaus im Voraus, schon jetzt sind bis in den Oktober hinein Buchungen registriert.

Die Stadt Visselhövede hatte sich zu Beginn der Idee an dieser beteiligt und unter anderem den zentralen Parkplatz zur Verfügung gestellt. Auch wurden von der Stadt 5 000 Euro als Zuschuss zum Fahrzeug gegeben. Nach wie vor begrüßt die Stadt das Angebot. „Wer Unterstützung bei der technischen Einrichtung benötigt, darf sich gerne an das Kundencenter der Stadtwerke oder auch an meine Person wenden“, bietet Raphaela Christof vom Bauamt an.

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