Mordkommission filtert drei Telefonnummern heraus

Visselhöveder Blutrache-Prozess: Funkzellendaten liefern Hinweise

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Vor einem Jahr wurde ein 46 Jahre alter Mann in Visselhövede auf der Straße niedergeschossen.

Verden/Visselhövede - Vor einem Jahr, am 9. Januar 2017, wurde ein 46 Jahre alter Mann in Visselhövede auf offener Straße getötet. Blutrache gilt als Motiv. Vor dem Landgericht Verden muss sich seit rund zwei Monaten ein 23 Jahre alter Angeklagter aus Seelze wegen Mordes verantworten. Er soll bei der Tat das Motorrad mit dem Todesschützen als Sozius gefahren haben. Zur Überzeugung der Ermittler gab es vor Ort noch weitere Tatbeteiligte. Die aufwendige Auswertung von Funkzellendaten lieferte ihnen dafür Hinweise.

Es hat etwas von der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Aus Millionen von Funkzellendaten wurde nach tatrelevanten Verbindungs- und Registrierungsdaten gesucht. Drei Telefonnummern filterte die Rotenburger Mordkommission „Motorrad“ heraus. Beeindruckend war die Darstellung der Telefonate, Kurznachrichten und Registrierungen in unterschiedlichen Funkzellen durch einen Beamten aus der „Moko“ am zehnten Verhandlungstag.

Als Anschlussinhaber wurden nicht reale Personen registriert. Eine der drei Nummern wird dem Motorradfahrer zugeordnet. Diese war im Funkzellenbereich seiner Wohnung, des Tatortes und am späteren Fundort des Motorrades in Bad Fallingbostel eingeloggt. „Alle drei Handys wurden am Abend vor der Tat aktiviert. Alles im Nahbereich der Wohnung des Angeklagten, und alle drei Handys haben am Tattag nur untereinander kommuniziert“, erklärte der Zeuge.

Das Handy, das die Ermittler dem Angeklagten zuordnen, wurde am Tattag um 7.11 Uhr erstmals in Visselhövede in einer Funkzelle registriert. Um 8.10 Uhr wechselte das Telefon dort die Funkzelle. Die erste SMS mit einem der anderen beiden Handys, beide auch im Bereich Visselhövede, soll es um 11.11 Uhr und 41 Sekunden gegeben haben. Möglicherweise war es die Mitteilung, dass das spätere Opfer das Haus verlassen hat. Es folgten zwei Telefonate von nur wenigen Sekunden Dauer. Um circa 11.15 Uhr wurde der 46-Jährige auf dem Fußweg vor einer Grundschule niedergeschossen, nur wenige hundert Meter von seiner Wohnung entfernt.

Daten zeigen Aufenthaltsdauer

Nach der Tat gab es den Daten zufolge um 11.27 Uhr die erste Kommunikation zwischen den beiden anderen Telefonnummern. Bereits um 11.29 Uhr war das dem Motorradfahrer zugeordnete Handy in einer Funkzelle des späteren Ablageortes des Motorrades in Bad Fallingbostel eingeloggt. Die Daten lassen darauf schließen, dass er sich noch mehr als fünf Stunden in dem Bereich aufgehalten hat, erläuterte der Zeuge. „Man kann vermuten, dass der Fahrer von den anderen Personen gesucht worden ist. Auffällig ist, dass eine der anderen Rufnummern ebenfalls in dem dortigen Funkturm eingeloggt war“, so der Zeuge.

Später sei das Handy (Motorradfahrer) in einer Funkzelle im Bereich Krelingen registriert worden. Die erste Verbindung wurde dort um 18.52 Uhr registriert. Für einen Fußmarsch von Bad Fallingbostel würde das reichen, erklärte der Zeuge. Die letzte Funkzellenregistrierung sei dort um 20.53 Uhr gewesen. Dann sei vermutlich die Aufnahme durch die Komplizen erfolgt.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. 

wb

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