Insolvenzverwalter ist optimistisch / Corona dreht Eigentümer Geldhahn zu

Visselhöveder Bettenhaus Röhrs: Verkauf im Januar?

Nach 152 Jahren ist das Geschäft Deco & Betten Röhrs unter dem neuen Eigentümer nach Aussage des Insolvenzverwalters bedingt durch die Corona-Pandemie in wirtschaftliche Turbulenzen geraten.
+
Nach 152 Jahren ist das Geschäft Deco & Betten Röhrs unter dem neuen Eigentümer nach Aussage des Insolvenzverwalters bedingt durch die Corona-Pandemie in wirtschaftliche Turbulenzen geraten.

Visselhövede – „Der Betrieb des Geschäfts Deco & Betten Röhrs wird aufrecht erhalten, und es werden derzeit Gespräche mit Interessenten geführt, die das Geschäft übernehmen und langfristig fortführen möchten. Dieser Verkaufsprozess wird voraussichtlich bis Ende Januar 2022 abgeschlossen sein.“ Durch diese Sätze des vorläufigen Insolvenzverwalters Jan Ockelmann von der Hamburger Kanzlei Schneider Geiwitz dürften Kunden und die Einzelhandelskollegen in Visselhövede zumindest einmal tief durchatmen.

Denn nachdem das Amtsgericht Walsrode über das Vermögen des neuen Eigentümers des Traditionsunternehmens an der Großen Straße, Johannes von der Linde, am 17. November das Insolvenzverfahren eröffnet hatte, schossen die Gerüchte ins Kraut, dass das Geschäft nach jetzt 152 Jahren am Standort Visselhövede für immer seine Türen schließen würde. „Es gibt keinen Schließungstermin und der Verkauf läuft ganz normal weiter“, betont der Fachanwalt für Insolvenzrecht auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die Gründe für den Insolvenzantrag sieht Ockelmann in den „fehlenden liquiden Mitteln“, da nach „Darstellung der Geschäftsführung insbesondere die Corona-Überbrückungshilfe III für den Förderzeitraum Juli bis Dezember 2021 ausgeblieben sei“, so Ockelmann.

Nach der Übernahme der Deco & Betten Röhrs GmbH durch den aktuellen Geschäftsführer von der Linde im Jahr 2018 habe dieser mit der Neuausrichtung des Geschäftsbetriebs begonnen.

„Hierdurch sind zunächst Kosten entstanden. Bereits Anfang 2020 haben sich aber erste Erfolge bei der Umstrukturierung gezeigt. Dieser Trend wurde dann durch die Einschränkungen der Covid-19 Pandemie unterbrochen“, teilt Ockelmann weiter mit.

Der Anwalt macht aber auch den überwiegend in Teilzeit angestellten neun Mitarbeitern Hoffnung, dass sie ihren qualifizierten Arbeitsplatz behalten können: „Ein Mitarbeiterabbau ist nicht geplant. Sie sind hoch qualifiziert und motiviert. Es wird derzeit von mir mit Interessenten wegen der Veräußerung des Geschäftsbetriebes verhandelt. Da die Gespräche noch nicht beendet sind, können sich auch noch weitere Interessenten melden, damit das bestmögliche Fortführungskonzept für alle Beteiligten gefunden werden kann.“

Ockelmann ist sich darum sehr sicher, dass es eine Geschäftsfortführung geben wird: „Voraussetzung dafür ist aber ein Investor, der bereit und dazu in der Lage ist, den Geschäftsbetrieb mitsamt der Mitarbeiter zu übernehmen und langfristig fortzuführen. Ich gehe aber davon aus, dass ein solcher Investor schnell gefunden werden kann.“

Der würde dann ein Haus mit rund 600 Quadratmetern Verkaufsfläche vorfinden, das Geschichte atmet, denn seit eineinhalb Jahrhunderten wird in dem Gebäude an der Großen Straße mit Waren gehandelt, zunächst mit Kolonialwaren.

„Als sich diese Warengeschäfte immer mehr zu Fachgeschäften der unterschiedlichsten Sparten entwickelt haben, haben auch wir uns spezialisiert. Im Laufe der vielen Jahrzehnte haben wir dabei nicht nur unser Sortiment, sondern auch unser Fachwissen auf den Bereich der Bettwaren und Hauswäsche spezialisiert“, heißt es auf der Internetseite des Fachgeschäfts, das sich in den Landkreisen rund um Visselhövede einen guten Namen gemacht hat und online besonders mit dem Matratzengeschäft sehr präsent war.

So hatte Deco & Betten Röhrs das Sortiment im eigenen Shop schlafwelten.com angeboten. Und zwar zu einem Zeitpunkt, als die aktuell großen Onliner in Deutschland noch nicht wirklich bekannt waren. „Wo wir in den Anfängen vor mehr als 150 Jahren unsere Waren nur bis in die Nachbarschaft herübergebracht haben, liefern wir heute weltweit in Zusammenarbeit mit Speditionen, Paketdiensten und Co.“, ist auf der Seite nachzulesen.

Wenn sich aber auf die Schnelle kein Käufer finden sollte, was geschieht dann mit der durchrenovierten Immobilie mit mehreren Etagen? „Man muss immer einen Plan B in der Tasche haben“, sagt Eigentümer Ulrich Röhrs, der das Geschäft 41 Jahre lang geführt und im September 2018 mitsamt Warenlager verkauft hatte, da „sich in meiner Familie kein Nachfolger mehr gefunden hatte.“ Zum Thema Insolvenzverfahren seines Nachfolgers will Röhrs sich nicht äußern.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Ein paar Prozent Ungeimpfte bleiben

Ein paar Prozent Ungeimpfte bleiben

Ein paar Prozent Ungeimpfte bleiben
Scheeßel: Entgeltfreies Corona-Testzentrum auf Gemeindefläche sorgt für Unmut im Rat

Scheeßel: Entgeltfreies Corona-Testzentrum auf Gemeindefläche sorgt für Unmut im Rat

Scheeßel: Entgeltfreies Corona-Testzentrum auf Gemeindefläche sorgt für Unmut im Rat
Weiterhin Schule in Präsenz?

Weiterhin Schule in Präsenz?

Weiterhin Schule in Präsenz?
Visselhöveder Familie bangt um das Leben ihres Hundes

Visselhöveder Familie bangt um das Leben ihres Hundes

Visselhöveder Familie bangt um das Leben ihres Hundes

Kommentare