Bestatterin Sabine Bente muss zu Covid-19-Zeiten strenge Regeln einhalten

Corona beugt selbst den Tod

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Unter einem Pavillon finden die Beisetzungen statt.
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Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Unter einem Pavillon finden die Beisetzungen statt.

Visselhövede – Kein Gesang, sondern nur Musik aus der Konserve. Keine Kirche oder Kapelle, sondern nur ein knapper Regenschutz. Keine herzlichen Umarmungen von Freunden, Nachbarn oder Bekannten, sondern nur eine Nachricht per Post oder Handy. Die Corona-Pandemie schränkt auch den letzten Weg eines jeden erheblich ein. „Es ist aktuell gar nicht leicht, die Beerdigungen würdevoll entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen durchzuführen“, sagt Sabine Bente.

Die „Bestatterin aus Leidenschaft“, wie sie sich selbst einmal genannt hatte, muss jetzt seit gut einem Jahr die Corona-Vorschriften – „und das sind nicht wenige“ – penibel einhalten. Das gilt sowohl für die Versorgung der Verstorbenen als auch für die Gespräche mit den Angehörigen, wie die Trauerfeier und die Beisetzung ablaufen darf. „Denn es gibt enge Grenzen. Und mit denen wollen sich Menschen, die gerade einen Liebsten verloren haben, nicht unbedingt beschäftigen.“

Also ist noch mehr Fingerspitzengefühl als gewöhnlich bei Sabine Bente, die seit acht Jahren an der Goethestraße in Visselhövede ihr gleichnamiges Institut betreibt, und ihrem Team gefragt, auch wenn das bei Menschen, die mit oder an Covid-19 gestorben sind, gar nicht wortwörtlich zu nehmen ist.

„Diese Menschen werden sofort nach dem Ableben in einen sogenannten Bodybag gelegt. Das ist ein dichter, weißer Kunststoffsack mit einem gesicherten Reißverschluss“, erklärt Bente, die sich in solchen Fällen selber mit Mundschutz, Brille, zwei Paar Handschuhen, Ganzkörper-Overall und Schuhüberziehern aus Kunststoff schützt.

Der Leichensack darf auch von den Bestattern nicht mehr geöffnet werden – weder vor noch während des Transports und auch im Institut nicht. Eine hygienische Versorgung der Corona-Opfer oder auch nur ein Umkleiden der Leichen entfällt, während der Wagen nach jeder Fahrt gründlich desinfiziert wird.

„Die Menschen werden so beerdigt, wie sie in den Bodybag gelegt werden.“ Das sei besonders für die Angehörigen sehr schmerzvoll: „Normalerweise können sie sicher sein, dass ihre verstorbenen Familienangehörigen gut aussehen und schick gekleidet sind, wenn sie am offenen Sarg Abschied nehmen. All das entfällt jetzt“, bedauert Bente, weiß aber auch, dass „es aktuell keine andere Möglichkeit gibt“.

Besonders für Kinder und Jugendliche sei diese Situation sehr grenzwertig: „Sie durften ihren Opa oder ihre Oma schon im Altenheim oder im Krankenhaus nicht mehr besuchen. Und selbst nach deren Tod können sie nicht richtig Tschüss sagen. Das macht die psychische Verarbeitung dieser Situation alles andere als leicht.“ Oft sei dann eine professionelle Betreuung sicherlich sinnvoll, so Bente.

Sabine Bente leitet seit acht Jahren das gleichnamige Institut in Visselhövede.

Während die reine Beerdigung in der Praxis zwar etwas schwieriger als gewöhnlich, aber machbar umzusetzen sei, könne sie aufgrund der Abstandsregeln zurzeit „weniger Nähe“ als sonst zu den Angehörigen während des Trauergesprächs aufbauen: „Das ist eigentlich ein sehr intimer Moment zwischen uns, bei dem ich die Menschen auch mal in den Arm nehme. Das muss jetzt entfallen und die Betroffenen produzieren einen riesigen Vorrat an Verzweiflung.“ Darum halte das Bente-Team zurzeit auch immer ein Infoblatt über Therapien und Gesprächsrunden zur Trauerbewältigung bereit.

Am Tag der Trauerfeier müssten die Bestatter „alles im Blick haben“. Das beginne bei der Maskenpflicht, denn nur der Pastor dürfe für seine Worte kurz den Mund- und Nasenschutz lüften. „Darum haben wir immer eine Handvoll schwarze Masken dabei, falls jemand seinen Schutz vergessen hat.“

In der Regel stehe der Sarg bereits an der Grabstelle, wo auch die Trauerfeier mit einer streng limitierten Personenzahl stattfinde. „In der kleinen Kapelle auf dem Visselhöveder Friedhof könnte selbst im kleinen Kreis die Abstandsregeln kaum eingehalten werden. Darum verzichten wir ebenso darauf wie das obligatorische Tragen des Sargs zum Grab.“ Das habe zunächst viele Trauerhäuser ein wenig irritiert, aber die seien später dankbar gewesen, dass die Beerdigung so und nicht anders stattgefunden habe.

Aber dennoch muss Bente auch rund um den Pavillon über dem Sarg die Corona-Regeln im Blick haben: „Wie ein Zirkusdompteur muss ich die Angehörigen auf ihre Plätze dirigieren.“ Beileidsbekundungen am Grab gebe es ebenso wenig wie ein Kondolenzbuch oder den Erdwurf mit einer Schaufel. „Wer will, muss mit der Hand in die Erde greifen und sie in die Tiefe werfen“, sagt Bente, die auch klarstellt, dass Corona-Tote nicht eingeäschert werden müssten, wie viele Gerüchte besagten, sondern auch in der Erde bestattet werden könnten.

Die feierlichen Klänge kämen überwiegend vom CD-Spieler und ein Mitsingen sei nicht gestattet. Und auch nach der Beisetzung habe sie dafür zu sorgen, dass jeder auf das Abstandsgebot einhalte. „Zumindest bis zur Friedhofspforte“, so Bente, die sich aber vorstellen kann, in der „Nach-Corona-Zeit“ die Open-Air-Bestattungen vermehrt anzubieten.

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