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Visselhöveder Baupläne: Anwohner fordern Transparenz

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Von: Jens Wieters

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Die Visualisierung der geplanten Häuser: Anwohner befürchten weniger Sonnenlicht.
Die Visualisierung der geplanten Häuser: Anwohner befürchten weniger Sonnenlicht. © - GEB

Visselhövede – Vor einem Jahr hatte der Visselhöveder Stadtrat der Neuaufstellung des Bebauungsplans für das Baugebiet „Zollikoferstraße-Ost“ zugestimmt. Zuvor hatte bereits der Bauausschuss grünes Licht gegeben. Trotz der Pandemie haben die Sitzungen öffentlich stattgefunden. Wer wollte, konnte sich informieren lassen, und über die entsprechenden Beschlüsse wurde auch in unserer Zeitung berichtet.

Aber: Einige Anlieger des inzwischen zur Baustelle gewordenen Gebiets fühlen sich nicht ausreichend informiert. Ursprünglich hatte die Volksbank-Tochter Immo- Konzepte vor, im vergangenen Herbst eine größere Nachbarschaftsveranstaltung zu organisieren. „Das mussten wir aber absagen“, so André Pannier. Er war sowohl als Vertreter der Volksbank Lüneburger Heide als auch als Geschäftsführer der Gesellschaft für Entwickeln und Bauen (GEB) bei der aktuellen Infoveranstaltung im Haus der Bildung dabei und versuchte, bei den Anwohnern für mehr Licht im Dunkeln zu sorgen.

Denn die GEB wird einen Teil der Fläche erschließen und vermarkten. Dabei werden Wohnungen verkauft, aber auch vermietet. Der Baustart ist erfolgt, im Spätsommer 2023 will man das Projekt beenden. Pannier stellte die Ideen vor und seine Präsentation zeigte auch eine Visualisierung des Hochbauprojekts. Und genau dieses Gebäude ist der Kritikpunkt. „Wie kann man ausgerechnet auf dem höchsten Punkt der Stadt ein zweigeschossiges Haus genehmigen“, schimpfte ein Anwohner, der befürchtet, dass er wohl in Zukunft keine Sonne mehr auf seinem Grundstück genießen könne. Nach seiner Darstellung seien die Pläne nicht hinreichend bekannt gewesen, „hätte ich das gewusst, hätte ich Einspruch erhoben“, betonte der Mann. Er habe sich nicht ausreichend informieren können, weil die Sitzungen nicht öffentlich gewesen seien.

Dem widersprach Bürgermeister Ralf Goebel zwar energisch, zeigte aber auch Verständnis: „Es ist eine erhebliche Veränderung für das Gebiet, keine Frage“. Er erläuterte, warum die Verwaltung aus seiner Sicht die Grundstücksgrenzen und somit auch die Abstände zur vorhandenen Bebauung nur so habe ziehen können. Politisch habe sich die Stadt gefreut, dass dieses Projekt so gelungen sei.

Auch Pannier erklärte, dass die Kombination von Eigentumswohnungen, Mietwohnungen und der geplanten Genossenschaft in dieser Form ein interessantes und einmaliges Projekt darstelle. Weitere Anwohner zeigten sich aber dennoch anderer Meinung: „Ich will das Lob mal unterbrechen. Man hätte die Anwohner anders informieren müssen. Man hätte sie anschreiben müssen“, forderten sie. Es sei keine Transparenz hergestellt worden und nun seien die Konflikte da.

Kritisiert wurde weiterhin, dass es in der Planung eben keine Höhenangaben gegeben hätte. In der Tat gab Goebel zu, man habe exakte Höhenangaben bewusst „rausgelassen“. Am Ende gab er unumwunden zu: „Die Kritik ist angekommen“.

Gemeinsam stellten alle fest, dass eine weitere Informationsveranstaltung für die Anwohner Sinn ergeben würde. „Bitte sehen Sie es mir nach, wenn wir heute noch keinen Termin festlegen“, so Pannier. Mit Blick auf die Pandemie sei es besser, noch etwas abzuwarten. Goebel ergänzte die zahlreichen Infos noch mit dem Hinweis, dass auch die Rotenburger Werke auf dem Baugebiet ein weiteres Projekt realisieren würden. Sobald die Planungen greifbarer seien, würde auch dieses vorgestellt. Denn auch dort würden teilweise Mietwohnungen entstehen.

Wie groß die Nachfrage ist, konnte Pannier schnell bestätigen: „Alle Grundstücke, die wir vermarkten, sind verkauft oder fest reserviert.“

Angesprochen wurde außerdem, was mit dem landwirtschaftlichen Betrieb am Rande des Areals geschieht. Der könne irgendwann in das Baugebiet integriert werden. Das alles sei entsprechend angelegt worden, greife aber eben nur, wenn der jetzige Besitzer später einmal verkaufen wolle, so Bürgermeister Goebel.

Zeitung lesen hilft

Ein Kommentar von Jens Wieters

Klar, die Pandemie macht auch vor der Kommunalpolitik nicht halt, und nicht alles ist vielleicht so transparent wie üblich. Aber wer sich informieren will, was in seiner Nachbarschaft passiert, der wird auch jetzt ausreichend Informationen finden. Eine dieser Quellen ist die gute, alte Zeitung. Denn gerade mit Blick auf die Kritik an den Planungen im neuen Baugebiet Zollikoferstraße-Ost kann ich an dieser Stelle Politik und Verwaltung nur in Schutz nehmen: Denn über alle Sitzungen, von der ersten Kaufabsicht des Geländes bis zur Änderung der Bauleitplanung, haben wir ausführlich berichtet und außerdem die Infotermine mit der GEB redaktionell begleitet. Wer also jetzt sagt, er habe von alledem nichts gewusst. der hat sich kaum Mühe gegeben. Dass nämlich auch fast bis zur Höhe der ehemaligen Höhe des Mühlengebäudes gebaut wird, wurde nicht nur einmal berichtet.

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