Expertenrunde zum Thema Wohnen auf dem Land

Visselhöveder Bauernhöfe vor Umgestaltung

Lars Klingbeil (l.) und Bernhard Daldrup.
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Lars Klingbeil (l.) und Bernhard Daldrup.

Visselhövede – Die Städte und Gemeinden im Landkreis Rotenburg seien zwar nicht mit den Metropolen im Land vergleichbar, aber dennoch müssten sich die Kommunen Gedanken darüber machen, wo und wie die Menschen künftig wohnen werden, betonte Bernhard Daldrup, Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion im Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen.

Der Fachmann war auf Einladung des SPD-Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil im Visselhöveder Café „NebenAn“, um mit Vertretern von Wohnungsbaugesellschaften und Kommunalpolitikern darüber zu diskutieren, wie es gelingen kann, bezahlbaren Wohnraum auch auf dem Land zu schaffen.

„Denn mittlerweile müssen viele Menschen auch in den Mittel- und Grundzentren bis zu 30 Prozent ihrer Einkünfte für Mieten aufwenden“, beschrieb Daldrup die Schieflage. Darum gebe es nur eins: „Bauen, bauen, bauen.“ Denn nur eine Kommune sei in der Lage, aus einem Acker Bauland zu machen. Das funktioniere aber nur, wenn die Kommunen eine vernünftige Stadtentwicklung im Blick hätten.

„Denn immer nur neue Baugebiete aus dem Boden stampfen, geht auch nicht. Wir fordern darum einfachere und zügigere Genehmigungsverfahren zum Beispiel für eine Umnutzung von stillgelegten Bauernhöfen“, betonte Daldrup, der darauf hinwies, dass in Berlin genau das aktuell umgesetzt werde. „Bis zu fünf Wohnungen auf einem ehemaligen Hof sollen dann problemlos drin sein.“

Das ist genau das, was Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel, der mit Vertretern des örtlichen SPD-Ortsvereins und Genossen aus dem Raum Heidekreis eingeladen war, hören wollte. „Denn der Wohnungsbau bei uns ist privatwirtschaftlich ausgerichtet und wir haben trotz der Ausweisung eines neuen Baugebiets im Stadtkern vor allem die Lückenbebauung und die Umwandlung von Höfen im Blick. Und genau dort muss die Baugesetzgebung einfacher werden, um verschiedene Modelle umzusetzen.“

Emissionsrichtlinie hemmt oft die Entwicklung

Wie überall in Deutschland würden auch die „enorm gestiegenen“ Baukosten für Neubauten auch auf dem Land riesige Probleme bereiten. „So werden in manchen Bereichen Visselhövedes die Mietkosten bald zehn Euro pro Quadratmeter betragen“, prognostizierte Goebel.

„Aber auch die Entwicklung von Baugebieten auf den Dörfern ist durch die Emissionsrichtlinie Girl sehr schwierig. Dort muss sich etwas tun, damit die Kommunen mehr Handlungsspielraum haben“, ergänzte Lothar Cordts, Chef des Visselhöveder SPD-Ortsvereins.

Aber bei der Suche nach Flächen nur auf den ländlichen Raum zu setzen, sei mit Blick auf den Klimaschutz nicht förderlich, betonte Michael Otten, Geschäftsführer der Wohnungsbaugenossenschaft Rotenburg. „Schließlich werden pro Tag Flächen einer Größe von 72 Fußballfelder versiegelt.“

Der Verdener gab den SPD-Bundestagsabgeordneten auch seine Sicht der Kohlendioxidbesteuerung mit auf den Weg: „Das muss besser geregelt werden, die Kosten nur auf die Mieter umzulegen, obwohl der Vermieter energetisch nichts saniert hat, geht natürlich nicht.“ Im Gegenzug müssten aber Anreize für den Eigentümer geschaffen werden, auf fossile Brennstoffe zu verzichten. Allerdings: „Leider gibt es viele Mieter, die die Fenster auf bei minus 20 Grad auflassen, weil sie sich um die Kosten nicht kümmern müssen. Das treibt die Mieten zusätzlich in die Höhe“, so Otten.

„Genau darum plädieren wir für die Warmmiete, die Zukunft sein muss“, erwiderte Daldrup. Es werde aktuell nicht über eine Kaltmiete plus Nebenkosten geredet, sondern „über eine kalkulierte Warmmiete. Und alles was drüber ist, zahlt der Mieter“, sagte der Bundespolitiker. Das sei auch beim Mieterstrom so, der landesweit immer öfter umgesetzt werden. „Dabei bauen die Hauseigentümer Solarzellen auf die Dächer und der produzierte Strom wird an die jeweiligen Mieter verkauft. Auch da geht noch mehr.

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