Dr. Kai Möller platzt der Kragen: „In zwei Jahren nichts gelernt“

Visselhöveder Arzt klagt: Wieder zu wenig Impfstoff

Müssen wohl oder übel vielen Impfwilligen absagen: Andrea Möller (v.l.), Iris Meyer-Prill, Dr. Kai Möller und Rica Heuer.
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Müssen wohl oder übel vielen Impfwilligen absagen: Andrea Möller (v.l.), Iris Meyer-Prill, Dr. Kai Möller und Rica Heuer.

Visselhövede – Impfdaten von 120 Patienten haben Rica Heuer, Iris Meyer-Prill und Andrea Möller in den vergangenen Tagen fein säuberlich herausgesucht. Die überwiegend älteren Menschen aus der Region Visselhövede wurden angerufen, und alle haben ihren Termin für die Booster-Impfung, die dritte Impfung gegen das Corona-Virus, am kommenden Dienstag bekommen.

„So war der Plan“, sagt der Allgemeinmediziner Dr. Kai Möller. „Doch dann kam die böse Überraschung: Wir bekommen den von uns rechtzeitig bestellten Impfstoff nicht in der ausreichenden Menge. Und zwar nicht nur Biontech, den wir bisher überwiegend verimpft haben, sondern auch der mRNA-Impfstoff von Moderna ist nicht lieferbar“, schimpft Möller. Lediglich ein Gebinde, aus dem das Praxisteam 48 Spritzen aufziehen kann, wurden der Hausarztpraxis versprochen, also gehen 72 Patienten am Dienstag leer aus und müssen erneut kontaktiert werden. „Ein riesiger Aufwand für nichts und wieder nichts. Und das alles neben dem normalen Praxisalltag. Das macht mich sauer.“

Es könne doch nicht sein, dass die Politiker in Berlin, allen voran Gesundheitsminister Jens Spahn, die Menschen auffordern würden, sich ihren dritten Piks oder auch die Erstimpfung abzuholen, und dann sei nicht genügend Impfstoff vorhanden. „Wenn ich in meinem Kühlschrank bemerke, dass die Butter zur Neige geht, dann besorge ich mir rechtzeitig Nachschub. Offenbar guckt Spahn aber nie in seinen Kühlschrank.“ Für Möller hat die Politik aus dem bereits vor vielen Monaten herrschendem Mangel an Impfstoff „überhaupt nichts gelernt.“

Ähnlich wie der Visselhöveder Arzt sieht der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) die Situation: „Wir sind bestürzt über die abermaligen Verzögerungen und Rückschläge bei den jetzt anlaufenden Corona-Auffrischungsimpfungen“, moniert KVN-Vorstandsvorsitzender Mark Barjenbruch. „Nach fast zwei Jahren hat Bundesminister Spahn es immer noch nicht geschafft, eine vorausschauende Steuerung der Corona-Prävention zu etablieren. Dafür fehlt uns jedes Verständnis.“

Keine schnelle Alternative bei den Corona-Impfstoffen

Der Vize-KVN-Vorstand Dr. Jörg Berling weiß, wo das Problem liegt: „Den Praxen wurden bestimmte Biontech-Impfstoffkontingente zugesagt, sofern sie sie bis Dienstagmittag bestellt haben. Danach haben die Praxen geplant. Jetzt erfahren sie, dass sie nicht annähernd die bestellte Menge erhalten. Doch das Zeitfenster für die Bestellungen hat sich geschlossen. Die Praxen haben jetzt keine Möglichkeit mehr, kurzfristig auf den Alternativimpfstoff auszuweichen.“

Ein echtes Dilemma, weil sich angesichts der rasant steigenden Infektionszahlen in Deutschland unter den niedergelassenen Ärzten eine überwältigende Impfbereitschaft abzeichnet. So wie in der Praxis Möller: „Wir wollten eigentlich die kommenden Dienstage von früh bis spät nur impfen. Doch dann kam bekanntlich der erste Rückschlag: Die Auslieferung des stark nachgefragten Biontech-Impfstoffs soll laut Spahn gedeckelt werden“, erinnert der Arzt. Er kann jetzt aber nicht einfach die doppelte Menge bestellen in der Hoffnung, all seine Patienten versorgen zu können. „Dann würde ich nicht wirtschaftlich arbeiten, was zu erneutem Ärger führt.“

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Also standen die Praxen vor dem Problem, ihre Patienten in erneuten Aufklärungsgesprächen von der Unbedenklichkeit des Alternativimpfstoffes des Herstellers Moderna überzeugen zu müssen. „Aber selbst den bekomme ich zurzeit ja auch nicht“,klagt Möller.

Trotz der vielen Hindernisse und Umstände appelliert der in der Stadt beliebte Arzt an seine Mitmenschen: „Leute, lasst euch impfen! Auch wenn es noch ein bisschen dauert. Die Impfstoffe sind sicher und bereits milliardenfach verimpft worden. Sonst bekommen wir Corona nicht mehr in den Griff.“

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