Jahreshauptversammlung: Forderung nach engem Dialog

Wolf und Schweinepest beherrschen Debatten bei der Jägerschaft

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Kreisjägermeister Hermann Gerken (l.) und Jägerschaftsvorsitzender Ulrich Voß bewundern die Trägermontage eines äußerst seltenen Perückenbocks. 

Visselhövede - Von Bettina Diercks. Zwei Themen beherrschten die Jahreshauptversammlung der Jägerschaft Rotenburg, die am Sonnabend bei Peschek in Visselhövede stattfand: Wolf und Afrikanische Schweinepest (ASP).

Bei beiden Punkten waren sich alle Redner einig: Die neue Landesregierung birgt die Chance, sachlich und konstruktiv mit Isegrim und dem drohenden Seuchenzug umzugehen. Eins scheint klar: Die ASP kommt vermutlich schneller nach Deutschland als angenommen. Jägerschaftsvorsitzender Ulrich Voß: „Ich denke, wir können froh sein über die Entwicklung seit der Landtagswahl.“ Mit Blick auf Isegrim schätzt er den neuen Umweltminister Olaf Lies (SPD) so ein, „mit sachlichen Argumenten die Sache zu schildern, wie sie sich wirklich darstellt“ und sich die Landesregierung deshalb künftig nicht scheue, entsprechende Konsequenzen zu entwickeln.

Voß und auch Landrat Hermann Luttmann (CDU) wiesen bezüglich der ASP darauf hin, dass Jäger zunächst keine Gebühr mehr für Trichinenproben entrichten müssen, wenn sie nach Erlegen des Wildschweines auch eine Blutprobe einreichen. Sie ist erforderlich, um möglichst rechtzeitig erkennen zu können, ob der Virus in den Schwarzwildbestand eingeschleppt wurde. Da die Gebühr weder für Jäger noch den Landkreis ins Gewicht fällt, bezeichnete Luttmann das als eher „symbolischen Akt“. Er erwähnte außerdem die Aufhebung der Schonzeit für Schwarzwild. 

Als „unsinnig“ bezeichnet er die Forderung der Landwirte, 70 Prozent des Schwarzwildbestandes zu töten. Auf der anderen Seite bat er die Jäger darum, die Landwirte nicht für ihre Wirtschaft wie zu viel Maisanbau zu kritisieren. Er forderte zu einem besseren, engeren Dialog zwischen Landwirten und Jägern auf: Bejagungsschneisen einrichten, Erntetermine rechtzeitig bekannt geben und abstimmen, Felder, bei denen die Wahrscheinlichkeit groß ist, dort Wildschweine während der Ernte erlegen zu können, nicht nachts abzuernten. Dringende Forderung des Landrates: „Zur Jagd gehört das Üben.“ Da gerade bei Erntejagden häufig auf bewegte Ziele geschossen würde.

Beim Naturschutz waren sich alle Redner einig: Jäger und Landwirte tun schon viel. Er sei aber auch Aufgabe der Gesellschaft. Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel berichtete, dass die Stadt sich verstärkt mit der ausgeräumten Landschaft beschäftigen will und an einer Umgestaltung arbeitet.

Bei den Trophäen stach vor allem ein Rehbock hervor: In der Gemeindejagd Lauenbrück kam ein sogenannter Perückenbock zur Strecke. Diese männlichen Stücke produzieren kein Testosteron. Deshalb wuchern das Geweih und der während des Wachstums darüber liegende Bast unendlich weiter. Wie mit einer Turmfrisur ausgestattet präsentiert sich so ein Rehbock. Die Wucherungen sind oftmals so ausladend, dass sie die Lichter (Augen) bedecken können und das Tier stark in seiner Lebensweise einschränkt ist und es zum Verenden mangels ausreichend Nahrungsaufnahme führen kann. J bd

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