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Visselhövede will keinen Solarpark-Wildwuchs

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Von: Jens Wieters

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Im Raum Visselhövede werden Experten mögliche Bereiche für
Im Raum Visselhövede werden Experten mögliche Bereiche für © Wieters

Der Visselhöveder Umweltausschuss beauftragt Experten, die Potenzialflächen für Solarparks ermitteln, um Wildwuchs zu vermeiden.

Visselhövede – Erst Biogas, dann Windkraft, jetzt Fotovoltaik. Immer mehr Eigentümer großer Flächen entdecken ein neues wirtschaftliches Standbein. Besonders Landwirte entwickeln sich immer mehr zu Energiewirten. „Wir haben viele, viele Anfragen. Ein Landwirt würde gern gleich 80 Hektar Land mit Fotovoltaikanlagen belegen und hat uns gebeten, mal eben den Bebauungsplan dahingehend zu ändern“, berichtete Visselhövedes Bauamtsleiter Gerd Köhnken dem Ausschuss für Umwelt, Klima und Landwirtschaft am Dienstagabend.

Ein Hektar Fotovoltaik bringt rund zehn Mal mehr Strom als ein Hektar Mais, aus dem eine Biogasanlage Energie erzeugt.

Heiner Gerken

Er forderte, dass ein Planungsbüro das gesamte Stadtgebiet durchforsten müsse auf der Suche nach geeigneten Areal für Fotovoltaik-Freiflächenanlagen. Köhnken hatte Erfolg, denn der Ausschuss beauftragte die Verwaltung einstimmig, ein Büro zu ermitteln, das eine Potenzialflächenanalyse durchführt.

Denn so einfach die Anlagen auf einem ehemaligen Acker oder einer nicht mehr bewirtschafteten Kuhweide aufzustellen, das funktioniert nicht. Im Landkreis seien seit Monaten Vertreter der Solarbranche unterwegs, um weite Flächen zu ermitteln und vor Ort mit Landwirten und Gemeindeverwaltungen Verhandlungen zu führen. „Einige Gemeinde haben angeblich fertige Konzepte in den Schubladen. Das wundert mich allerdings, denn Fotovoltaikanlagen sind keine privilegierten Bauvorhaben“, erläuterte Köhnken dem Ausschuss.

Denn es gebe gleich mehrere Hürden, bevor ein Landwirt oder ein Unternehmen Strom aus Sonnenlicht generieren könne. Es stünden nämlich das Landesraumordnungsprogramm (LROP) , das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises (RROP) und die Änderungen des Flächennutzungs und des Bebauungsplans der Stadt vorher noch im Weg. „Das bedeutet, dass sowohl das Land als auch der Landkreis die bisherige zurückweisende Haltung für Freiflächenanlagen aufgeben müssten, bevor wir über unsere Änderungen nachdenken können.“

Köhnken betonte aber, dass die Weichen dafür in vielen Ämtern bereits gestellt würden, denn das Land beabsichtige eine Änderung des LROP, die es wohl ab Sommer erlaube, Freiflächen-Fotovoltaik auch auf Vorbehaltsflächen für die Landwirtschaft zu installieren. Auch der Landkreis habe in Aussicht gestellt, die bestehenden raumordnerischen Vorgaben zur Entwicklung von Solarparks in Außenbereichsflächen anzupassen. „Was wir aber brauchen, ist eine Grundlage für eine professionelle Weiterentwicklung dieser Anlagen“, unterstrich Köhnken.

Ich möchte nicht unsere ganze Landschaft mit Solarparks zugepflastert sehen. Wir müssen gucken, wo was möglich ist.

Michael Senkbeil

Der Landkreis empfehle den Kommunen, öffentliche und private Belange gerecht abzuwägen und jeweils Standortalternativen zu prüfen. „Dieser Verpflichtung kommen wir am ehesten nach, wenn wir eine Potenzialflächenanalyse für das gesamte Stadtgebiet machen. Mit einer solchen Planungsunterlage vermeiden wir Wildwuchs dieser Anlagen“, warb Köhnken um Zustimmung, die er auch einstimmig bekam.

Ausschussvorsitzender Charly Carstens (CDU) hat bereits in Erfahrung gebracht, dass „das Land schon sehr weit ist mit der baldigen Freigabe von landwirtschaftlichen Flächen für Fotovoltaik“.

Joachim Mahnke (FDP) betonte, dass eine gerechte Verteilung der Solaranlagen sein müsse, weil die Pachtpreise für die Grün- und Weideland explodieren werden. „Darum müssen wir das genau kanalisieren.“ Ähnlich sieht das Michael Senkbeil (CDU), der nicht „unsere ganze Landschaft mit Solarparks zugepflastert“ sehen will. „Da müssen wir schon ein bisschen im Detail gucken, wo was möglich ist.“

Heiner Gerken (Grüne) begrüßt das Interesse an Solarparks: „Ein Hektar Fotovoltaik bringt rund zehn Mal mehr Strom als ein Hektar Mais, aus dem eine Biogasanlage Energie erzeugt. Leider wird auf 60 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen hier im Landkreis Mais angebaut.“ Auch würden die Solarparks keine Flächen versiegeln, sondern Regenwasser könne bestens versickern und auch Tiere könnte darunter problemlos weiden.

Das beratende Ausschussmitglied Harald Gabriel forderte, dass bei der Installation von Solarparks auch die Möglichkeit bestehen sollte, „eine Bürgerbeteiligung“ mit einzubauen.

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