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Visselhövede: Ukrainer helfen Ukrainern

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Von: Jens Wieters

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Visselhövedes Bürgermeister André Lüdemann (l.) mit der ukrainischen Familie Sredin und Florian Bremer (r.) von der Firma JBS.
Visselhövedes Bürgermeister André Lüdemann (l.) mit der ukrainischen Familie Sredin und Florian Bremer (r.) von der Firma JBS. © Wieters

Die Familie Sredin ist zwar gerade erst aus der Ukraine geflüchtet, steht aber schon in der Visselhöveder Lehnsheide bereit, ihren Donnerstag ankommenden Landsleuten zu helfen.

Visselhövede – „Den kenne ich doch, wir haben doch Geschäfte miteinander gemacht“, sagte Dimitriy Sredin am Freitag zu seiner Familie und deutete verwundert auf ein Plakat, das an einem Laternenpfahl an der Visselhöveder Goethestraße hängt. Darauf ist nämlich André Lüdemann zu sehen. Und wie es der Zufall so will, treffen sich die beiden am Dienstagmittag auf dem Gewerbecampus Lehnsheide wieder:

Der Maschinenbauingenieur Sredin, als ukrainischer Flüchtling gerade aus der umkämpften Hauptstadt Kiew gen Westen geflüchtet, und Lüdemann, der neue Bürgermeister Visselhövedes.

„Ja, das ist schon eine amüsante Abwechslung in der sonst sehr düsteren und traurigen Zeit“, betont Lüdemann, der als Geschäftsführer eines Handels mit Ersatzteilen für landwirtschaftliche Maschinen von Visselhövede aus beruflich mit Sredin, der in der Ukraine selbstständig war, viel zu tun hatte.

Die fünfköpfige Familie und ein Großelternpaar sind seit vergangenen Freitag in einer Betriebswohnung der Firma JBS auf dem Campus untergebracht, weil Sredin Handelspartner des Unternehmens in der Ukraine war – bis die Russen am 24. Februar das Land überfallen haben. Von Kiew ging es für die Familie nach Ungarn, wo sie von JBS-Mitarbeiter Florian Bremer und seinem Team abgeholt worden waren, um zunächst in einer Ferienwohnung in Cuxhaven ein paar Tage gesunde Nordseeluft zu atmen, bevor die Reise weiter an die Vissel ging. „Zum Glück gibt es in der Ukraine noch die Möglichkeit, dass Familienväter, die mindestens drei Kinder haben, ausreisen dürfen, auch wenn sie unter 60 Jahre alt sind“, informiert Bremer.

Petra Schriefir und Lukas Lüdemann bauen Infowände zusammen.
Petra Schriefir und Lukas Lüdemann bauen Infowände zusammen. © - Wieters

„Und das ist auch gut so“, sagt Hans-Hinrich Hastedt, Liegenschaftsverwalter der Firma JBS, der die vielen Gebäude und früheren Soldatenunterkünfte auf dem ehemaligen Kasernengelände gehören. „Denn Liudmyla Sredin ist Allgemeinmedizinerin mit 20-jähriger Berufserfahrung. Sie kann und will vor allem sofort in der Quarantäne-Station im Gebäude 11 eingesetzt werden“, so Hastedt. „Denn in den Bussen mit Menschen aus der Ukraine werden auch viele Kinder sitzen, die eine strapaziöse Flucht hinter sich haben. Dann ist es doch ideal, wenn eine Ärztin vor Ort ist, die sich kümmern kann und auch noch die Sprache der Geflüchteten spricht.“

Denn eines sei ganz klar, betont Dimitriy Sredin: „Wir sind nicht hier, um die Hand aufzuhalten, sondern wir wollen etwas tun, den Menschen aus unserem Land helfen und natürlich unsere deutschen Freunde bei der Aufgabe unterstützen.“

Wann die ersten Busse vom Zugdrehkreuz Hannover aus nach Visselhövede geleitet werden, weiß auch Hastedt nicht genau: „Ich rechne mit Donnerstag.“ Bis dahin sind die Gebäude auf dem Areal, die Übernachtungsmöglichkeiten für rund 200 Flüchtlinge bieten, bestens vorbereitet. Denn Ehrenamtliche des DRK Kreisverbandes Bremervörde bereiten zurzeit alles vor, was gebraucht wird: Betten, Schränke, Tische, Stühle und Co. „Ich mache das einfach. Einfach so aus Nächstenliebe“, sagt Petra Schriefir sicherlich stellvertretend für alle anderen DRK-Mitstreiter, die gerade hart arbeiten.

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