Infoveranstaltung des Gewerbevereins

Visselhöveder Stadtplaner Tamm erteilt Edeka eine Absage

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Ekkehard Tamm beim Faktencheck zur möglichen Edeka-Ansiedlung.

Visselhövede - Von Jens Wieters. „Wenn die Großen wachsen, werden die Kleinen leiden!“ Stadtplaner Ekkehard Tamm hat einer möglichen Ansiedlung eines Vollsortimenters des Edeka-Konzerns auf dem Visselhöveder Hallenbadgelände eine deutliche Absage erteilt. Noch mehr Verkaufsfläche greife wesentlich in die vorhandenen Strukturen ein, so sein Fazit.

Der Architekt und Kenner der Branche präsentierte auf Einladung des Gewerbevereins einen sogenannten Faktencheck zur Versorgung der Einwohner mit Dingen des täglichen Bedarfs. „Ich mache hier jetzt kein Gutachten, sondern habe nur Daten und Fakten zusammengetragen, die von der Industrie- und Handelskammer stammen und für jedermann einsehbar sind“, machte der Visselhöveder gleich zu Beginn deutlich.

Versorgung schon jetzt bei 106 Prozent

Die Stadt mit rund 10.000 Einwohnern habe bereits jetzt schon eine Verkaufsfläche von gut 6300 Quadratmetern. Darin sei der aktuelle geschlossene NP-Markt mit aufgeführt, weil er jederzeit wieder geöffnet werden könne.

„Damit haben wir laut Industrie- und Handelskammer bereits jetzt schon eine Versorgung von 106 Prozent“, so Tamm, der aber auch eigene Berechnungen angestellt hat. „Denn solche Läden wie Rossmann mit seinen gut 700 Quadratmetern fallen bei derartigen Erhebungen, die sich an der Grenze von 750 Quadratmetern orientieren, schnell mal unter den Tisch.“ Hinzu kämen noch die ganzen kleineren Betriebe, die es zwar in Visselhövede, aber in kaum einem anderen Grundzentrum gebe. „Kommt jetzt ein Edeka-Supermarkt mit rund 2000 Quadratmetern, liegen wir bei einer Versorgungsquote von 141 Prozent. Für den hiesigen Einzelhandel wären allerdings 80 bis 85 Prozent wirtschaftlich gut“, rechnete Tamm vor.

Niedrige Kaufkraft, aber gut aufgestelltes Angebot

Grundsätzlich sei es immer noch so, dass die Kaufkraft der Menschen in Visselhövede unter dem Durchschnitt der Region anzusiedeln sei, und „wir darum eher zu einem discounterorientierten Gebiet gehören“.

Es sei aber richtig, dass sich die Politik darauf geeinigt habe, ein Verträglichkeitsgutachten in Auftrag zu geben. „Dabei muss man aber immer beachten, dass es Gutachter und Schlechtachter gibt“, spielte Tamm darauf an, dass Sachverständige oftmals im Sinne des Auftraggebers rechnen würden. „Ich bin mir in diesem Fall aber ziemlich sicher, dass wohl fast jeder Gutachter von einer Edeka-Ansiedlung abraten würde.“

Visselhövede sei mit der bunten Vielfalt von Geschäften und Dienstleistungsunternehmen sowie einem gut laufenden Wochenmarkt im Vergleich zu Orten gleicher Größe sehr gut aufgestellt. Auch der Leerstand sei mehr als überschaubar. Hinzu käme, dass sich Combi und Aldi in den kommenden Monaten neu aufstellen und mehr regionale Produkte vermarkten würden. Bei einer Edeka-Ansiedlung sei es ungewiss, wie ernst diese Pläne verfolgt würden. „Letztlich sollten wir nicht das umwerfen, was wir in den vergangenen Jahren in der Innenstadt geschaffen haben“, riet Tamm den Gewerbetreibenden. „Und eine Schließung des Combi-Marktes würde ganz bestimmt einen jahrelangen Leerstand nach sich ziehen“, glaubt Apotheker Matthias Grube.

Tamm glaubt nicht, dass Edeka das Hallenbad übernehmen würde

Auf die Frage, ob es realistisch sei, dass Edeka das Hallenbad übernehme und auch nachhaltig betreiben oder verpachten würde, entgegnete Tamm, dass er es sich nicht vorstellen könne, dass dafür noch Geld übrig sei.

Der Gewerbeverein sei jetzt in der Phase der Entscheidungsfindung und es sei gut, dass man sich hinsichtlich der Daten und Fakten einen Fachmann aus dem Ort hinzuziehen könne, so Gewerbevereinsvorsitzender Ulf Timmann. „Wir sollten gemeinsam mit der Stadtverwaltung und Ratsvertretern an einem Tisch zusammenkommen und darüber diskutieren“, forderte Apotheker Matthias Gutermann.

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