185 Einwohner befragt

Marktplatz Visselhövede findet keine Akzeptanz

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Als „steril, kalt und abweisend“ wird der Marktplatz von vielen Visselhövedern betitelt. Das ist ein Ergebnis der Umfrage, in der junge und ältere Einwohner berichten, was ihnen an der Stadt gefällt und nicht gefällt und was sie sich wünschen.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Die Unterschiede könnten größer nicht sein: Den älteren Visselhövedern über 20 Jahre gefallen die Einkaufsmöglichkeiten und das Kleinstadtambiente sowie der Bürgerpark und die Natur der Region. Den Menschen unter 20 gefällt außer ihren Freunden „nichts“ in der Stadt – erst mit etwas Abstand die Skaterbahn, der Sportplatz und der Bürgerpark.

Das sind nur zwei Ergebnisse einer umfangreichen „aktivierenden Befragung“, wie Sozialarbeiterin Christine Hummers die 55-seitige Erhebung nennt, die sie Anfang des Jahres sechs Wochen lang durchgeführt hat und jetzt der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt.

Hummers war seit Januar die erste Sozialarbeiterin der Stadt und im Auftrage des örtlichen Präventionsrats bei der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) unter Vertrag. Die aus der Studie zu gewinnenden Erkenntnisse und mögliche Maßnahmen oder Veränderungen wird Hummers allerdings nicht mehr begleiten können, denn ihr wurde vom Präventionsrat und von der DAA zum Ende dieses Monats gekündigt. „Aber der neue Sozialarbeiter soll dieses gesammelte Daten- und Zahlenmaterial schon als Grundlage für seine Arbeit nehmen“, so Gustav Stegmann, Vorsitzender des Präventionsrats.

Und der oder die wird sich wohl intensiv mit dem Leben auf dem Marktplatz befassen müssen, denn der schneidet bei der Umfrage unter 185 Menschen schlecht ab.

Denn bei der Frage „Was gefällt nicht?“ haben die Menschen ab 30 vor allem beim Marktplatz ihre Kreuzchen gemacht. Der scheint ein Symbol zu sein für „isolierte Orte oder Ausdruck gefühlter Mängel“ heißt es in der Studie. Der Platz wird als „steril, kalt, abweisend“ und Fehlplanung tituliert, während der Wochenmarkt bei den Besuchern beliebt ist und als interessant und kommunikativ beschrieben wird.

Kaum Berührungspunkte zwischen Jung und Alt

Das bei den älteren Menschen dominante Thema Marktplatz oder das Einkaufen interessiert die Altersgruppe der unter 25-Jährigen allerdings nicht. Deren Themen haben kaum Berührungspunkte mit denen der Älteren. Die Bereiche der Jungen werden wiederum von den älteren gar nicht benannt.

Den Visselhövedern unter 25 gefällt vor allem „der Drogenhandel“ in der Stadt überhaupt nicht. Auch die Skaterbahn sei verbesserungswürdig, im Ort sei es langweilig und auch der viele Müll stört die jüngeren Leute.

Vermisst werden aber von Jung und Alt gleichermaßen Treffpunkte und Freizeitangebote. Das steht bei den Menschen unter 25 ganz oben auf der Liste, während mittlere Jahrgänge bis 60 Jahre dem Freibad nachtrauern und sich auch ein Kino oder einen Bioladen wünschen. Die älteren Menschen über 60 kritisieren vor allem den unzureichenden öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV), die mangelnden Seniorenangebote und ebenfalls das fehlende Kino sowie die wenigen Fachärzte.

Treffpunkte, Kino und ÖPNV fehlen

Bei der Frage „Was möchten Sie verändern?“ steht zusammengefasst auch wieder der Marktplatz auf Platz eins der Listen. Visselhöveder unter 30 würden aber mehr Treffpunkte für Jugendliche, Bolzplätze oder einen Warteraum am Bahnhof bauen. Aber auch die Öffnungszeiten der Geschäfte, die Müllentsorgung, das Hallenbad, die Situation an der Pappel- und Buchenstraße stehen weit vorn auf der Änderungsliste.

Die mittlere Generation zwischen 30 und 60 Jahren wünscht sich unter anderem mehr Sauberkeit in der Stadt, mehr Mitbestimmung bei Schulthemen, einen Zebrastreifen auf der Süderstraße, mehr polizeiliche Präsenz, Wohnungen für kinderreiche Familien oder auch eine Musikkneipe.

Ältere Visselhöveder würden den Bürgerpark ein wenig aufpeppen, die Parks und andere öffentliche Anlagen wie die Visselquelle attraktiver gestalten, den Verkehr in der Innenstadt beruhigen, aber weitere Treffpunkte schaffen. Der Hummers-Umfrage zufolge haben aber nur die ganz Jungen und die Senioren als Lösung für die Probleme ein „Wegziehen aus Visselhövede“ in Betracht gezogen.

Befragung soll längeren Prozess in Gang setzen

Für Christine Hummers ist die Befragung nur der Beginn eines „längerfristigen Prozesses“ und der Präventionsrat habe nun eine Grundlage, unterschiedliche Gruppen und deren Themen anzusprechen. „Also keine Pläne vom Grünen Tisch an den Menschen vorbei, sondern Projekte, die in den Lebenswelten verankert sind.“

Für die Drögenbostelerin ist die erste Botschaft aus der Befragung, dass viele Menschen Visselhövede für einen guten Wohnort halten und die Positiv-Faktoren, überwiegen würden. „Das Negativ-Image der Stadt beschäftigt und belastet allerdings viele. Gleichzeitig gibt es zufriedene Neuzuzüge von Senioren und Rollstuhlfahrern, die sagen, das Visselhövede relativ barrierefrei und bezahlbar sei und außerdem über gute Einkaufsmöglichkeiten und Parkplätze verfüge“, so Hummers.

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