„Der Bedarf ist da“

Nach fast zweijähriger Pause gibt es wieder eine Suchtberatung

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Isolda Froesch-Kuni berät die Suchtkranken.

Visselhövede – Von ANgela Kirchfeld. Noch fehlen Bilder an den Wänden und das Regal und der Schreibtisch sind auch noch nicht eingerichtet. „Vor das Fenster kommen noch Vorhänge, damit bei den Gesprächen niemand hereinschauen kann“, erklärt Isolda Froesch-Kuni. Sie ist ausgebildete Diplom-Psychologin und besetzt seit Januar für den Verein Therapiehilfe Rotenburg die Fachberatungsstelle für Suchtkranke in einem Raum im Visselhöveder Bahnhofsgebäude.

Fast zwei Jahre lang gab es in der Visselstadt keine Anlaufstelle. Für Betroffene, die dringend Hilfe gesucht haben und Fragen zu Sucht und Abhängigkeit hatten, war das sehr schwer zu ertragen. „Der Bedarf ist da. Es gibt hier im Ort viele Menschen, die nicht nach Rotenburg zum Gespräch fahren können. Sei es aufgrund der öffentlichen Nahverkehrsanbindungen oder aus gesundheitlichen Gründen. Viele fühlen sich dazu einfach auch nicht in der Lage“, verdeutlicht die Psychologin. „Dass hier wieder eine Beratungsstelle vor Ort ist, ist dem Visselhöveder Präventionsrat zu verdanken, der sich beim Landkreis, der auch die Finanzierung übernimmt, dafür eingesetzt hat. Und auch Bewährungshelfer haben den Wunsch nach Hilfe vor Ort geäußert.“

Im alten Bahnhof wurde darum ein Raum eingerichtet, in dem die Beratung und Vermittlung der Nachsorge stattfinden kann. Denn: „Die Betroffenen kommen nach einem Entzug in einer Fachklinik hierher, weil sie weiter an sich arbeiten möchten. Wir beraten aber nicht nur die Suchtkranken, sondern auch deren Angehörige. Da kommen mal der Ehe-, oder Lebenspartner, die Kinder oder auch der Nachbar oder Vermieter vorbei und fragen nach, wie man dem Menschen helfen kann, der auffällig geworden ist oder wie man mit ihm umgehen soll“, so Froesch-Kuni. „Selbst Schulen informieren sich bei uns.“

Die Psychologin ist bereits seit 17 Jahren in der Suchtberatung tätig und weiß, wie man Betroffenen wieder aufbaut: „Ich mache es sehr gerne, jemanden wieder aus dem Dunkeln herauszuziehen.“

Ist das nicht belastend für sie selbst? „Ich nehme meine Arbeit nicht mit nach Hause. Das hat mir mein Professor eingebläut. Wenn hinter mit die Tür zugeht, ist Feierabend! Daher kann ich gut damit umgehen.“

Isolda Froesch-Kuni vermittelt die Hilfesuchenden auch an die entsprechenden Einrichtungen wie Krankenhäuser, Fachkliniken und Therapiestätten zur weiteren Behandlung und hilft auch bei der bürokratischen, vielseitigen Antragsstellung. Die nötigen Unterlagen liegen bei ihr bereit. Sie weiß, wo und wie man die „nötigen Knöpfe“ drücken“ muss, da auch einige Unterschriften inklusive die des behandelnden Arztes nötig sind.

Bereits vor der Pause hat sie hier in Visselhövede Betroffenen geholfen: „Jährlich sind zehn bis zwölf Anträge für die stationäre Therapie rausgegangen.“ Froesch-Kuni stellt auch klar, dass „die Suchtkranken aus allen Gesellschaftsschichten stammen und die Altersstruktur sehr unterschiedlich ist“. Zu ihr kommen aber mehr Männer als Frauen. „Am häufigsten sind es Alkoholprobleme, dann betrifft es Menschen, die weiche Drogen konsumieren, gefolgt von harten Drogen und der Spielsucht“, zählt die Beraterin in ihrem noch schmucklosen Büro auf. Die fehlenden Bilder werden aber schon bald von den Rotenburger Werken zur Verfügung gestellt.

Zur offenen Sprechstunde der Suchtberatung im Visselhöveder Bahnhof (mittlere Tür) können Interessierte jeden Mittwoch von 15 bis 17 Uhr ohne Anmeldung einfach mal vorbeischauen. Für Gehbehinderte gibt es hinter dem Haus einen barrierefreien Eingang. Die Beraterin hat ein offenes Ohr und kann das Nötigste mit dem Hilfesuchenden besprechen. Wer mittwochs nicht kann, kann nach telefonischer Absprache bei der „Fachstelle Sucht und Suchtprävention im Landkreis Rotenburg“ unter der Telefonnummer 04261 /9628041 einen anderen Termin vereinbaren.

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