1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Rotenburg
  4. Visselhövede

Visselhövede: Lüdemann und Dunecke im Stechen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jens Wieters

Kommentare

Stimmauszählung
Die Auszählung der Stimmen ging unter anderem im Visselhöveder Ratssaal über die Bühne. © Wieters

Visselhövede hat gewählt: André Lüdemann (parteilos) und Jürgen Dunecke (CDU) gehen am 13. März in die Stichwahl um das Visselhöveder Bürgermeisteramt. Die Wahlbeteiligung lag bei nicht einmal 50 Prozent.

Visselhövede – André Lüdemann und Jürgen Dunecke gehen in die Stichwahl um das Visselhöveder Bürgermeisteramt. Während der Scheeßeler Lüdemann, der sich der Unterstützung der SPD und der Grünen sicher sein kann, auf 49,70 Prozent der Stimmen kam, vereinigte der Jeddinger CDU-Mann Dunecke 34,77 Prozent auf sich. Verlierer sind die parteilose Visselhövederin Sabine Schulz (13,9 Prozent) und der ebenfalls parteilose Norderstedter Burkhard Scheidel (1,55 Prozent).

Erst um 18.46 Uhr war Aufatmen im CDU-Lager angesagt, denn kurz vorher lag Dunecke noch fast aussichtslos hinten und alles deutete auf eine absolute Mehrheit Lüdemanns hin, aber die Wähler seines Heimatdorfs haben Jürgen Dunecke noch in die Stichwahl gerettet. Nach ersten Rechnungen aus dem Visselhöveder Rathaus fehlten Lüdemann zwölf Stimmen, um schon in der kommenden Woche den Chefsessel des Rathauses zu besetzen. So treffen die beiden übrig gebliebenen Kandidaten während der Stichwahl am 13. März erneut aufeinander.

Vor allem möchte ich die Wähler für mich begeistern, die jetzt noch der Wahl ferngeblieben sind.

André Lüdemann

Lüdemann will sich auf seinem „überraschend guten Abschneiden“, aber „nicht ausruhen“. Er will in Absprache mit den beiden ihn unterstützenden Parteien in den nächsten beiden Wochen „nochmal eine Schippe drauf legen“, um am Ende als Sieger der Wahl hervorzugehen. Wie das genau aussehen soll, werde schon am Anfang dieser Woche beraten. „Vor allem möchte ich die Wähler für mich begeistern, die jetzt noch der Wahl ferngeblieben sind.“

Und das sind eine ganze Menge. Denn die Wahlbeteiligung in den drei großen Stadtbezirken ist mit 25 bis 27 Prozent „doch beschämend“, wie sowohl bei der SPD/Grüne-Gruppe ebenso über die Ursachen gerätselt wird, als auch bei der CDU. „Überhaupt haben wir nicht mal 50 Prozent Beteiligung erreicht. Da müssen wir was tun“, sagt CDU-Gemeindeverbandschef Michael Meyer.

Ich werde jetzt an den Haustüren der anderen Hälfte der Visselhöveder klingeln.

Jürgen Dunecke

Das will auch Jürgen Dunecke, der in den kommenden 14 Tagen die „Hausbesuche intensiveren will“. Ein „Kopf in den Sand stecken“ sei nicht seine Art, sondern er werde weiter versuchen, Bürgermeister zu werden. Ihm schwebt vor, demnächst „an den Haustüren der anderen Hälfte der Visselhöveder zu klingeln“. Ansonsten nimmt der Jeddinger sein doch eher maues Abschneiden sportlich: „Bei der Stichwahl geht es wieder bei 0:0 los.“ Er werde jetzt umso härter an sich und seinen Zielen arbeiten, um vielleicht so manche Zweifler doch noch von sich zu überzeugen.

Sabine Schulz, die Rückendeckung von der FDP und der WiV hatte, kann sich ihre deutliche Niederlage (13,97 Prozent) nicht so ganz erklären: „Ich glaube, ich habe mich ganz gut präsentiert und hatte auch sehr viele positive Kontakte. Allerdings ist es bei vier Kandidaten auch sehr schwer, die Nase vorn zu haben.“ Für sie geht das Leben „aber munter weiter“ und „meine Kollegen werden sich sicherlich freuen, dass sie mich in ihrem Kreis behalten“, sagt die Leiterin der Achimer Bäderbetriebe. Sie sei froh, dass der Wahlkampf, immerhin schon ihr zweiter, „jetzt vorbei ist, weil er doch sehr viel Kraft kostet und emotionaler als gedacht ist“.

Kommunalwahlen als gelebte Demokratie

Burkhard Scheidel habe von seinem persönlichen Abschneiden mit nur 63 Stimmen (1,55 Prozent) erst durch den Anruf unserer Zeitung erfahren, sagt er, um dann darauf schlicht zu kommentieren: „Dann hat sich das ja auch erledigt.“ Er habe aber während der vergangenen Wochen, in denen er ab und zu in Visselhövede war, aber sehr viel über die Menschen dort gelernt „Das kann ja auch nicht schaden. Aber diese Deutlichkeit des Ergebnisses liegt wohl daran, dass ich berufsbedingt nur selten vor Ort sein konnte.“

Alle vier Kandidaten sind sich aber einig, dass sich „dringend etwas ändern müsse an der Beteiligung solcher Wahlen, denn Kommunwalwahlen sind direkte und gelebte Demokratie“. Es könne nicht sein, dass es den Menschen völlig egal ist, wer Bürgermeister wird oder wer im Stadt- oder Ortsrat sitzt.

Stichwahl mit Ansage

Ein Kommentar von Jens Wieters

Der Ausgang der Visselhöveder Bürgermeisterwahl mit einer Stichwahl in zwei Wochen ist keine große Überraschung, denn schon sehr früh haben sich Jürgen Dunecke und André Lüdemann als Favoriten herausgestellt. Der deutliche Abstand zwischen den beiden von immerhin 15 Prozentpunkten überrascht aber schon. Aber es geht dann tatsächlich von Neuem los, und jeder der beiden sollte die Zeit nutzen, sich in den Vordergrund zu stellen und Argumente zu liefern, warum ausgerechnet er der bessere Bürgermeister ist. Das wird nicht leicht, denn in ihren bisherigen politischen Aussagen waren beide doch recht ähnlich gelagert. Vielleicht auch verständlich, denn welcher Kandidat sagt schon vor der Wahl, dass er die Jeddinger Grundschule dicht macht, wenn die Ganztagsbetreuung 2026 Gesetz ist und der Bau einer verpflichtenden Mensa zu teuer wäre? Wer sagt schon, dass man Vereine nicht mehr so üppig finanziell unterstützen kann, weil kein Geld mehr in der Kasse ist? Wer sagt schon, dass man im neuen Jugendtreff viel Geld versenkt, weil er wohl kaum besucht wird? Niemand! Denn dann könnte er dem Gegenüber gleich das Feld überlassen. Also gab und gibt es viele Versprechungen, die hoffentlich nicht leer bleiben. Aber Dunecke und Lüdemann haben ja noch 14 Tage, um sich voneinander abzuheben. Nur Mut!

Auch interessant

Kommentare