Drängelei der Supermärkte

Gutachten ordnet Expansionsideen von Edeka, Lidl und Co.

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Edeka hat angeblich Interesse am Hoyer-Grundstück, blockt aber.

Visselhövede - Lidl will in Visselhövede erweitern, Aldi ebenso und auch Edeka hat ein Auge auf die kleine Stadt am Rande der Lüneburger Heide geworfen. Würden alle Pläne realisiert, hätten die Einwohner der Stadt und aus den Dörfern eine riesige Auswahl, um ihre Einkaufswagen zu füllen, denn auch der Netto-Markt und natürlich der Vollsortimenter Combi wollen möglichst viele ihrer Produkte verkaufen.

Aber sind drei Discounter, ein vorhandener Vollsortimenter und einer in Planung nicht zuviel für eine 10.000-Einwohner-Stadt? Klarheit soll jetzt ein Konzept bringen, dass die Nahversorgung im Stadtgebiet genauer unter die Lupe nimmt. Und das soll während der Sitzung des Ausschusses für Finanzen und Wirtschaftsförderung am Dienstag, 27. August, ab 17 Uhr im Rathaus auf den Weg gebracht werden.

Die Firma „bulwiengesa AG“ hat diesbezüglich Vorarbeit geleistet und eine Voruntersuchung für ein Nahversorgungskonzept in der Stadt Visselhövede, einen sogenannten Pre-Check, erstellt. Andreas Gustafsson stellt während der Ausschusssitzung die Untersuchung für ein Einzelhandelsgutachten vor. „Es geht hier nicht nur um einen möglichen neuen Vollsortimenter. Erweiterungspläne von Lidl und Aldi stehen ebenfalls im Raum. Auf Basis eines solchen Konzeptes kann die künftige Entwicklung des großflächigen Einzelhandels beurteilt und gesteuert werden“, heißt es in der Beschlussvorlage. Ziel ist es, dass ein entsprechendes Nahversorgungskonzept in Auftrag gegeben wird.

Die 37 Seiten umfassenden Voruntersuchungen haben offenbar überraschende Zahlen zutage gefördert. „Es ist erstaunlich, dass die Kaufkraft in unserem kleinen Ort so immens angestiegen ist“, so Bürgermeister Ralf Goebel, der schon mal einen Blick in die Datensammlung geworfen hat, „die lediglich nach Aktenlage erstellt worden ist“. Genauere Details würden dann durch das Gutachten ersichtlich, für das Goebel mit rund 20.000 Euro Kosten rechnet. Aber der Verwaltungschef ist zuversichtlich, dass das Stadtgebiet einen weiteren Vollsortimenter vertragen könnte: „Der Markt gibt es her.“

Auf dem Gelände des ehemaligen NP-Markts des Edeka-Konzers an der Feldstraße erobert die Natur die versiegelten Flächen langsam zurück.

Die Großen der Branche bauen natürlich auch nicht aus dem Bauch heraus irgendwo in irgendeinem Ort mal eben so einen Supermarkt. In den Konzernzentralen von Edeka und Co. werden einfach mal die Daten der Payback-Karten angeschaut und schon wissen die Manager, wer wann und wo einkauft und vor allem, wo der Kunde wohnt. Und darum habe Edeka auch nach wie vor Visselhövede im Blick, so Goebel, der weiß, dass viele seiner Mitbürger zum Einkaufen in die E-Center nach Kirchlinteln oder Neuenkirchen fahren.

Beide Geschäfte gehören Wolfgang Meyer aus Neuenkirchen, der auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt, dass „ein Großteil seiner Kunden in beiden Märkten aus dem Raum Visselhövede stammt“. Zwar habe die in Minden ansässige Edeka-Zentrale noch einen Leerstand an der Feldstraße, in der zuletzt der konzerneigene Billig-Ableger NP keinen Erfolg hatte. Auch diese Quadratmeter würden bei einem Gutachten mit berücksichtigt, aber so „hat das Unternehmen immer ein Mitspracherecht“, so Goebel.

Der Discounter Lidl an der Soltauer Straße will weiter wachsen.

Die Konzerne können aber nicht nach eigenem Gutdünken ihre Märkte erweitern oder bauen, denn die Raumordnung des Landkreises und auch die Industrie- und Handelskammer haben vor der Realisierung noch ein gehöriges Wörtchen mitzureden.

In der Stadt halten sich zudem hartnäckig die Gerüchte, dass Edeka das Grundstück an Hoyers Eck an der Rotenburger Straße einen Supermarkt bauen will, wo aktuell das ehemalige Autohaus Höhns leer steht. Dazu will sich Eigentümer Gerd Hoyer aus Walsrode, der ein „Zu Vermieten“-Schild an das Gebäude angebracht hat, aber nicht äußern: „Dazu gibt es von mir keinen Kommentar.“

Auch Aldi will expandieren. Ein Gutachten soll jetzt die Nahversorgung prüfen.

Auch die Mindener Zentrale des Lebensmittel-Multis hält sich äußerst bedeckt. „Derzeit ist kein Baurecht für die Fläche des ehemaligen Autohauses in Aussicht gestellt“, teilt Edeka-Sprecherin Julia Katharina Simon kurz und knapp mit.

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