Der Koloss vom Limmer

Granitfindling bei Bauarbeiten entdeckt

+
Ein kritischer Moment: Der Lkw zieht, gleich zwei Bagger halten Mulde und Stein.

Bei Bauarbeiten am Montag sind die Männer rund um die Firma Roman Krüger auf einen Granitfindling gestoßen. Allerdings nur durch Zufall. Nach anschließendem Abtransportieren fiel einem Mann ganz besonders der berühmte Stein vom Herzen. 

Visselhövede - Am Ende gibt es Applaus von den Schaulustigen und die Männer der Firma Roman Krüger ernten viel Schulterklopfen. Vor allem von Mischa Golcveg, denn dem fällt der berühmte Stein vom Herzen. Der wiegt zwar nicht die geschätzten 20 Tonnen, die am Montag von Arbeitern auf seinem Bauplatz an der Straße Zum Limmer gefunden wurden – und zwar in Form eines riesigen Granitfindlings – aber dennoch. „Eigentlich wollten wir mit dem Bagger einfach nur den Mutterboden abziehen, um den Einbau der Betonplatte für mein neues Haus vorzubereiten“, berichtet Golcveg.

Aber aus mal eben wurde nichts, denn Baggerfahrer Wilhelm Gerken stößt mit seiner Schaufel am Montagmittag auf etwas Hartes im sonst weichen Erdreich. „Wir haben gedacht, na gut ein kleiner Stein“, so Golcveg. Aber aus dem „na gut“ wird ein großer Albtraum für den künftigen Bauherrn, der das Grundstück des ehemaligen Spielplatzes an der Straße Zum Limmer mit einem schmucken Haus zieren wird.

Mehr als drei Meter hoch und etwa zweieinhalb Meter breit

Der Baggerfahrer buddelt hier einen Kubikmeter Sand weg, dort noch ein bisschen, „und dann tauchte das ganze Dilemma Stück für Stück auf“, so Golcveg. Der Findling, der wohl seit der Eiszeit in der Erde schlummerte, wird vorsichtig freigelegt, und nach einem halben Tag der Baggerei, werden die Ausmaße sichtbar: Mehr als drei Meter hoch und etwa zweieinhalb Meter breit. „Der bringt sicherlich rund 20 Tonnen auf die Waage“, schätzt Firmenchef Roman Krüger.

Aber das Freibuddeln ist die eine Seite, das Abtransportieren die andere. Denn für die beiden großen Bagger ist das Riesending viel zu schwer, um es Zentimeter für Zentimeter an die Straße zu schieben. „Aber auch dort wäre uns ja nicht geholfen“, so Roman Krüger. Also wird eine Art Hydraulikhammer auf den Baggerarm montiert, Jens Dahms hämmert, was das Zeug hält und der Bagger hergibt, aber nur minimale Stücke bröckeln aus dem Granit. „Einfach zu hart“, erkennt nun auch Mischa Golcveg, der bereits die Baggerstunden als „Baunebenkosten“ zählt und dabei schmunzelt. Dabei ist ihm nicht zum Lachen zumute. „Ich will einfach nur den Stein loswerden.“

Geschafft: Die „Helden vom Limmer“ haben den Stein geborgen. Jetzt findet er vielleicht einen Platz irgendwo in der Stadt.

Die Männer um Roman Krüger denken sich eine neue Variante aus: Lkw-Fahrer Henning Baden fährt rückwärts eine stabile, offene sogenannte Mulde aus Metall direkt an den Stein heran. Drinnen liegt eine Metallplatte. Die ist so glatt, dass Krüger und Gerken das Granit-Ungetüm nach vielen Versuchen mit ihren Baggerschaufeln nur ruckweise in der Mitte der Mulde platzieren können.

Fingerspitzengefühl ist gefragt

Jetzt muss Baden am Lkw-Lenkrad Fingerspitzengefühl beweisen. Er hakt den Greifarm des Lasters in die Öse der Mulde und hebt den Container samt Stein an. Allerdings muss das Ganze bis zum Kipppunkt in eine Schräglage gebracht werden, bei der der Stein nach hinten rutschen könnte. Also halten Krüger und Gerken mit voller Baggerkraft und vielen Gebeten den Koloss an seinem Platz, während Lkw-Fahrer Baden den Boden unter den Vorderrädern verliert, da seine Fahrerkabine durch das Gewicht des Steins rund eineinhalb Meter angehoben wird.

Bange Augenblicke vergehen, dann überschreitet der Arm des Lkw seinen oberen Totpunkt, die Mulde mit Stein gleitet rumpelig auf das Fahrgestell und Henning Baden spürt wieder Boden unter den Vorderrädern.

Geschafft: Applaus von Nachbarn und Schaulustigen

Es gibt Applaus von Nachbarn und Zaungästen. Krüger, Gerken, Baden und Dahms werden prompt zu „Helden des Limmers“ ausgerufen.

Golcvegs Nachbar Christian Hintze hat bereits Kontakt zum Bürgermeister Ralf Goebel aufgenommen, denn alle Umstehenden sind der Meinung, dass der Stein irgendwo in Vissel einen schönen Platz bekommen sollte.

Währenddessen scharrt ein weiterer Bobachter der Szene im aufgewühlten Boden und sagt: „Du Mischa, hier ist irgendwas Hartes.“ Golcveg wird leichenblass. „War nur Spaß“, sagt der Beobachter. Der Bauherr atmet tief durch: „Keinen Bock mehr auf weitere Baunebenkosten.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

10. Herbstrallye in Visselhövede

10. Herbstrallye in Visselhövede

Illuminierte herbstliche Natur in Waffensen

Illuminierte herbstliche Natur in Waffensen

Der Samstag auf dem Bremer Freimarkt

Der Samstag auf dem Bremer Freimarkt

Der Samstag auf dem Bremer Freimarkt

Der Samstag auf dem Bremer Freimarkt

Meistgelesene Artikel

Frontal-Crash mit Baum: Autofahrer bei Unfall auf B75 schwer verletzt

Frontal-Crash mit Baum: Autofahrer bei Unfall auf B75 schwer verletzt

Viel zu tun für die neue Kartoffelkönigin

Viel zu tun für die neue Kartoffelkönigin

Die Klimawandel-Alternative

Die Klimawandel-Alternative

Wider die Altersarmut

Wider die Altersarmut

Kommentare