Experiment ist geglückt

Ganze Musikgruppen wie das Akkordeonorchester waren beim Kalender dabei

Visselhövede –  Von Jens Wieters. Der Weihnachtsbaum, den Kulturinteressierte am Visselhöveder „ArtOutlet“ verziert haben, ist abgeschmückt, aber die Erinnerungen an den ersten Kulturkalender in der Stadt bleiben bei den Besuchern lebendig. „Das Experiment ist geglückt“, sagt der Organisator Willi Reichert.

In anderen Orten der Region gab es in der Vorweihnachtszeit einen Lebendigen Adventskalender, aber „so etwas wollte ich nicht auf die Beine stellen“, sagt der Schwitscher, der seit knapp zwei Jahren das Kulturhaus mit dem etwas sperrigen Namen „ArtOutlet“ auf dem ehemaligen Visselhöveder Kasernengelände betreibt. Ihm kam schon im vergangenen Sommer in den Sinn, eine Art Kulturkalender im Haus Nummer vier einzurichten, in dem sich bereits gut 40 Künstler verschiedener Genres kostengünstig eingemietet haben, um sich der Bildhauerei zu verschreiben, zu malen, Musik zu machen, zu töpfern und oder zu fotografieren.

So hat sich vom 1. bis zum 24. Dezember jeden Tag eine andere Tür des mehrgeschossigen Gebäudes geöffnet, und hinter jeder gab es eine andere Überraschung. „An den 24 Tagen haben wir insgesamt rund 230 Gäste gezählt, die von 110 Türchen-Aufmachern begrüßt wurden“, bilanziert Willi Reichert. Denn es waren nicht nur Einzelaussteller vor Ort, sondern auch Chöre, ganze Musik- und Tanzgruppen. „Eine halbe oder auch mal eine ganze Stunde haben die Vorführungen. Lesungen und Ausstellungen gedauert. Die Künstler und Besucher sind ins Gespräch gekommen, wobei es naturgemäß auch zu völlig unterschiedlichen Ansichten gekommen ist, was denn nun Kunst sei“, so Reichert schmunzelnd. Aber genau das habe ihn auch ein wenig angetrieben: „Die Leute sollten sich auf etwas Neues einlassen.“ Der Austausch war teilweise so intensiv, dass ein Besucher einer Ausstellerin spontan die Miete für ein Jahr im Voraus gezahlt hat.

Malerin Bettina Sattler-Holzky stellte ihre Meerbilder aus.

Des Weiteren wollte er mit diesem Projekt Künstlern der Region die Gelegenheit geben, sich einem interessierten Publikum zu zeigen, „weil sie sonst kaum so eine Möglichkeit haben“. Letztlich hatte er am Ende der Planungen so viele Anmeldungen, dass der „Dezember ruhig noch ein paar Tage mehr hätte haben können“.

Bei der Vorbereitung hätten ihm Mitarbeiter der Firma JBS mit Flyern oder ähnlichen Dingen, aber auch die Hausmeister der Schulen beim Beschaffen von Stühlen geholfen. Auch den großen Weihnachtsbaum vor der Tür habe ihm ein Kulturfreund geschenkt. „Und nicht zuletzt hat die Sparkasse Rotenburg Osterholz uns finanziell unterstützt“, dankt Reichert auf diese Weise.

Gibt es eine Wiederholung in diesem Jahr? „Das weiß ich noch nicht, das hängt auch von möglichen Fördergeldern ab“, sagt der Schwitscher. Außerdem sei es für ihn schon sehr aufwendig gewesen, 24 Mal nacheinander die Abende zu begleiten. „Wenn also jemand ähnliche Ideen hat, dann her damit.“

Künftig will Reichert derartige Projekt so gestalten, dass es auch für die interessant wird, die die „etablierte Kultur in der Stadt betreiben“. Er könne sich gut vorstellen, dass seine Idee des Kulturkalenders in abgewandelter Form auch zur Belebung des Marktplatzes beitragen könne. „Dort könnte es in den Sommermonaten eine Veranstaltungsreihe geben. Dann können alle Visselhöveder Kultur erleben und müssen keinen Cent Eintritt zahlen.“

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