„Frauen sollen sich trauen“

Ausstellung: Gleichstellungsbeauftrage hofft auf mehr Politikerinnen

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Die Visselhöveder Gleichstellungsbeauftragte Jeannine Bröske hat die kreisweite Ausstellung nach Visselhövede geholt und hofft auch, damit Frauen zu animieren, sich politisch zu engagieren. 

Visselhövede – Dass Frauen bei politischen Wahlen ihre Stimme abgeben, ist heutzutage eine Selbstverständlichkeit in der westlichen Welt. Das war aber nicht immer so, denn erst im vergangenen Jahr wurde der Weg in die Gleichberechtigung unter dem Titel „100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland“ gefeiert. Im Altkreis Rotenburg zum Beispiel mit einigen Veranstaltungen und einer Ausstellung „Ratsfrau! – Frauen in den Räten der Kommunen im Landkreis Rotenburg“, die aktuell im Visselhöveder Rathaus zu sehen ist.

Die städtische Gleichstellungsbeauftragte Jeannine Bröske hatte die rund 30 Stellwände aus der Kreisstadt Rotenburg nach Visselhövede geholt, um sie im Ratssaal einer möglichst breiten Öffentlichkeit zu zeigen. „Und das ist noch bis einschließlich Donnerstag, 17. Januar, zu den Öffnungszeiten des Rathauses möglich“, sagt Bröske.

Auf den Stellwänden gibt es eine Übersicht über die aktiven politischen Zeiten der Frauen in den einzelnen Kommunen des Landkreises. Es ist nachzulesen, wer von wann bis wann in den Räten gesessen hat, oder in anderen politischen Funktionen in Erscheinung getreten ist. Die Arbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten der Kommunen im Landkreis hatte die Ausstellung erarbeitet.

Außerdem gibt es eine große Bande, die per Zeitstrahl die langandauernde Entwicklung des Frauenwahlrechts dokumentiert. „Und anhand der Auflistung kann man sich vorstellen, welch ein steiniger Weg es war, bis die Frauen in Finnland 1906 als erste in Europa ihre Kreuzchen auf den Wahlzetteln machen durften. Und dann hat es noch einmal zwölf Jahre gedauert, bis auch in Deutschland Frauen wählen durften“, sagt Bröske.

Die Gleichstellungsbeauftragte will mit der Ausstellung aber auch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn sie will ihren Geschlechtsgenossinnen, aber „natürlich auch den Männern“ nicht nur den Weg des Frauenwahlrechts zeigen, sondern dadurch auch möglichst viele animieren, sich vielleicht selbst mal als Kandidatin für die Ortsräte aufstellen zu lassen, „oder vielleicht sogar die Zukunft Visselhövedes im Stadtrat mitzugestalten“. Denn gerade in diesem Gremium gibt es nach Bröskes Ansicht viel zu wenig Frauen: „Gerade mal vier von 25 Stadtratsmitgliedern sind weiblich, das ist ein bisschen dünn, weil wir Frauen die Hälfte der Bevölkerung stellen.“ Warum es so wenig sind, kann sich aber auch die Gleichstellungsbeauftragte nicht so recht erklären: „Vielleicht liegt es generell ein wenig an Politikverdrossenheit oder vielleicht existieren noch Denkmuster aus längst vergangenen Zeiten?“

Eine von den vier Frauen im Visselhöveder Stadtrat ist Dagmar Kühnast aus Schwitschen, die es bei der SPD zur Fraktionsvorsitzenden gebracht hat. Sie glaubt, dass es vielleicht immer noch an der Doppelbelastung der Frauen liegt, dass sie in den Räten unterdurchschnittlich vertreten sind. „Beruf, Familie und Haushalt unter einen Hut zu bringen und dann auch noch Kommunalpolitik machen, lässt sich oft und leider immer noch schwer vereinbaren. „Dabei gibt es sehr viele Frauen in der Stadt, die zu bestimmten Themen eine klare Meinung haben, wie wir es gerade bei der Kita- und Schuldiskussion gesehen haben“, so die Schwitscher Ortsbürgermeisterin, die seit knapp drei Jahrzehnten Kommunalpolitik macht. „Und das immer noch mit sehr viel Spaß, denn es geht ja nicht nur um Frauenthemen, sondern auch um die Entwicklung der Stadt wie zum Beispiel mit Blick auf die Erweiterung der Gewerbegebiete.“

Kühnast bietet interessierten Frauen sogar Schnupperkurse an: „Jede kann meine Arbeit begleiten, an Fraktionssitzungen teilnehmen, die öffentlich bekannte Themen behandeln, und natürlich auch die Ausschuss- und Ratssitzungen besuchen.“

Ähnlich sieht es auch Astrid Kirmeß (CDU), die sich gemeinsam mit Kühnast, Parteifreundin Pamela Helmke und Irene Becker (WiV) in einer männerdominierten Visselhöveder Politik behaupten muss. „Ich stehe jederzeit für Informationen zur Verfügung.“ Auch die Nindorferin, die seit 18 Jahren in der Kommunalpolitik aktiv ist, hat schon viele Frauen angesprochen. „Aber es ist schwer, sie zu motivieren.“ Kirmeß überlegt jetzt, gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen, Informationsabende über Parteigrenzen hinweg ins Leben zu rufen. „Es geht vor allem darum, dass Frauen sich trauen sollen.“

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